CVP kritisiert neue Aufsicht über die St. Galler Berufsschulen

8.11.2018 - 15:16, SDA

Die CVP sieht mit der in der Abstimmungsvorlage geplanten neuen Aufsicht über die Berufsschulen das duale Bildungssystem gefährdet. Es brauche mit der Wirtschaft vernetzte regionale Kommissionen mit Kompetenzen und keine zentrale Führung aus der Verwaltung heraus.

Die duale Berufsbildung sei ein Erfolgsmodell, sagte Patrick Dürr, CVP-Kantonsrat und Präsident der Kantonalpartei, am Donnerstag vor den Medien. "Die Berufsschulen sind wie der Sauerstoff für die Wirtschaft." Das bewährte System werde aber mit der Abstimmungsvorlage gefährdet.

An der Urne wird am 25. November über eine neue Aufsicht über die Berufsschulen entschieden. Nach dem Vorschlag der Regierung soll es dafür zwar weiterhin Berufsfachschulkommissionen geben. Künftig werden sie aber dem Amt für Berufsbildung unterstellt und haben auch weniger Aufgaben als bisher. Grund für die Vorlage waren unklare Kompetenzen, die immer wieder zu Problemen führten.

Ratsreferendum ergriffen

Die Mehrheit des Kantonsrats stimmte der Vorlage der Regierung zu. Nach der Schlussabstimmung ergriffen die Fraktionen von CVP-GLP und SP-Grünen im Juni erfolgreich das Ratsreferendum - allerdings aus unterschiedlichen Gründen.

Die Kritik der CVP richtet sich vor allem gegen die neue Rolle der Berufsfachschulkommissionen. Sie würden geschwächt und hätten keine wirkliche Aufgabe mehr, sagte CVP-Kantonsrat Peter Göldi. "Sie werden zahnlos gemacht." Es komme zu einem Diktat einer zentralistischen Führung aus der Verwaltung in St. Gallen heraus.

Weil die Berufsfachschulkommissionen neu dem Amt für Berufsbildung unterstellt seien, könnten sie die Interessen ihrer Berufsschulen nicht mehr auf Augenhöhe vertreten. "Checks and Balances" seien nicht mehr gewährleistet.

Vernetzung mit Praxis geht verloren

Wenn es nicht mehr viel zu entscheiden gebe, werde man für die Kommissionen keine Personen aus der Wirtschaft mehr finden. "Wir verlieren die Verzahnung und Vernetzung, welche die Gewerbe- und Berufsvertreter gewährleisteten", so Göldi.

Künftig solle der Leiter des Amtes für Berufsbildung neun verschiedene Berufsschulen direkt führen. Eine so breite Führungsspanne könne nicht funktionieren. "Verzögerungen, Nicht-Entscheide, Schnellschüsse" seien die unvermeidliche Folge.

Als Lösung sieht die CVP ein Modell mit regional verankerten Kommissionen und Kompetenzen in der strategischen Führung, die für die einzelnen Schulen zuständig sind. Die Aufsicht läge beim Amt für Berufsbildung. So laufe es beispielsweise im Kanton Zürich.

Einseitige Abstimmungsunterlagen

Kritik gab es an der Medienorientierung an den Abstimmungsunterlagen. Sie seien einseitig befürwortend verfasst, sagte Paul Dürr, Präsident der Berufsfachschulkommission BWZT, Wattwil.

Gegen die Vorlage hat sich auch die SP-Grüne-Fraktion ausgesprochen. Im Unterschied zur Regierung, aber auch zum Alternativmodell der CVP, will die Fraktion aber vor allem die Rektorate der Berufsschulen stärken.

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