Bezirksgericht Bülach: Beschuldigte spielen ihre Rollen herunter

10.9.2019 - 18:12, SDA

Im Prozess um zwei Mordtaten und diverse andere Delikte vor dem Bezirksgericht Bülach ZH sind am Dienstag die Befragungen der drei Beschuldigten abgeschlossen worden. Die Hauptverhandlung wird am kommenden Montag mit den ersten Plädoyers fortgesetzt.

Zwei Tage lang, am Montag und am Dienstag, wurden der 29-jährige mutmassliche Hauptbeschuldigte, seine gleichaltrige Ehefrau und der 36-jährige ehemals beste Freund des 29-Jährigen befragt. Alle drei Beschuldigten sind Schweizer. Keiner von ihnen machte einen wirklich glaubwürdigen Eindruck.

Das Berner Ehepaar betrieb eine Transportfirma, die kurz vor dem Konkurs stand, der 36-Jährige war ein Garagist aus dem Kanton Solothurn, der teilweise für die Transportfirma arbeitete. Seit etwa 2015 verübten die drei in unterschiedlicher Zusammensetzung verschiedene Betrüge, Urkundenfälschungen und dergleichen, um an Geld zu kommen.

Besonders grausam

Ende April beziehungsweise Anfang Juni 2016 kam es dann zu den beiden Tötungen. Opfer waren ein 25-jähriger Serbe und ein 36-jähriger Schweizer Lastwagenbesitzer.

Die Anklage stuft diese Taten als Morde ein und macht besondere Grausamkeit geltend: Nachdem der Hauptbeschuldigte den stundenlang gefesselt Festgehaltenen Faustschläge ins Gesicht verpasst hatte, verschloss er ihnen die Atemwege mit Klebeband, sodass sie bei vollem Bewusstsein langsam und qualvoll erstickten.

Der Hauptbeschuldigte räumte die beiden Tötung ein. Der Serbe habe ihm 40'000 Franken aus Drogengeschäften geschuldet. Dem Lastwagenbesitzer stahl das Trio das Fahrzeug und wollte es weiterverkaufen. Er habe aber nicht töten wollen. Dies habe er nur auf Befehl der «Serbenmafia» getan, bei der er hoch verschuldet sei.

«Klarheit für Familien»

Von dieser «Serbenmafia» wollten die beiden anderen Beschuldigten nichts wissen. Sie würde «gern daran glauben», sagte die Ehefrau – sie tue es aber nicht. Es sei einfach nicht nachvollziehbar. Auch der 36-Jährige machte keinen Hehl daraus, dass er diese Geschichte als erfunden einstufe.

Als einziger nutzte er die Gelegenheit, die der Gerichtspräsident den Beschuldigten gab, zu den Aussagen der beiden jeweils anderen Stellung zu nehmen. Er appellierte an den Hauptbeschuldigten, «nun doch noch seine wahren Beweggründe» für die beiden Tötungen darzulegen, damit die Familien der Opfer «Klarheit bekommen».

Keine Fragen

Die beiden Mitbeschuldigten versuchten, ihre Mitwirkung bei den Taten herunterzuspielen. Dabei stellten sie sich als unbedarfte Ausführende von Befehlen des 29-Jährigen dar. Ihre Aussagen waren geprägt von Sätzen wie «Ich habe mir nicht gross Gedanken gemacht», «das habe ich nicht hinterfragt», «ich tat, was mir gesagt wurde».

Von den beabsichtigten Tötungen wollen beide nicht das Geringste geahnt haben – auch nicht, nachdem der Freund beziehungsweise Ehemann bereits bewiesen hatte, dass er einen Menschen umbringen konnte. Sie hätten auch noch beim Lastwagenbesitzer geglaubt, alles laufe friedlich und glimpflich ab, versicherten sie.

Dass dabei jeder der drei eine festgelegte Rolle hatte, brachte sie nicht dazu, Verdacht zu schöpfen. Und als ihnen gedämmert habe, dass doch nicht alles so gewaltlos vor sich gehen könnte, da hätten sie nicht mehr aufhören können – sondern erfüllten die Anweisungen.

Auf Distanz

Heute wollen die beiden nichts mehr mit dem 29-Jährigen zu tun haben. Der Mann will erst im Laufe der Untersuchung seinen einst besten Freund als eine Person kennengelernt haben, «der mir in meinem restlichen Leben nie mehr über den Weg laufen muss». Die Frau strebt die Scheidung an. Die beiden gemeinsamen Kinder leben heute bei Tante und Onkel, die sie inzwischen Mami und Papi nennen.

Noch haben weder Anklage noch Verteidigung ihre Anträge bekanntgegeben. Dies wird im Rahmen der Plädoyers erfolgen, die am kommenden Montag mit dem Vortrag der Staatsanwältin beginnen. Zu Wort kommen dann auch die Vertreter der Familien der beiden Getöteten sowie die drei Verteidiger.

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