Immer mehr Menschen suchen im Winter Wärme im Zürcher "Pfuusbus"

16.4.2018 - 12:03, SDA

34 Prozent mehr Übernachtungen als im letzten Winter hat der "Pfuusbus" der Stiftung Sozialwerke Pfarrer Sieber (SWS) beim Zürcher Albisgüetli in dieser Saison verzeichnet. 5517 Übernachtungen von 294 verschiedenen obdachlosen Menschen zählten die Betreuerinnen und Betreuer - trotz des relativ milden Winters.

Es sind jedes Jahr mehr Menschen, die in den kalten Wintermonaten den Weg hinauf zum Zürcher Albisgüetli suchen, um dort im grossen Sattelschlepper der Sozialwerke eine Schlafmöglichkeit und ein warmes Nachtessen zu finden. 1414 Personen mehr als im Vorjahr waren es in dieser Saison, wie die Stiftung am Montag mitteilte.

Die Zahl der Übernachtungen bedeutet einen neuen Rekord. Als Grund dafür sehen die Sozialwerke einerseits die neue Wegweisungspraxis am Flughafen Zürich. Dort sorgt seit letztem Herbst mit der Securitrans ein neues Unternehmen für Ordnung und weist Obdachlose vermehrt weg. Dabei werden auch Mitarbeitende der Sozialwerke beigezogen.

Ebenfalls zum Anstieg beigetragen haben dürfte gemäss SWS die Schliessung der drei sogenannten Gammelhäuser an der Neufrankengasse und der Magnusstrasse im Zürcher Langstrassenquartier. Damit seien von Obdachlosen in der Vergangenheit oft benutzte alternative Aufenthaltsorte weggefallen, heisst es in der Mitteilung weiter.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer der einzelnen Personen stieg deshalb ebenfalls von 15 auf 19 Nächte. Die Türen des Sattelschleppers standen den Menschen am Rand der Gesellschaft zwischen dem 15. November 2017 und dem 15. April 2018 offen.

Beim Albisgüetli stehen jeweils 40 Schlafplätze zur Verfügung - einerseits im Bus und andererseits im isolierten Vorzelt. Gegen 100 Freiwillige sind pro Saison jeweils im "Pfuusbus" im Einsatz. Sie bereiten den Wärmesuchenden nicht nur ein warmes Essen vor, sondern schenken ihnen auch ein offenes Ohr.

Erstmals hatte der als Obdachlosen-Pfarrer bekannt gewordene Ernst Sieber 2002 in einem Sattelschlepper bedürftigen Menschen ein Dach über dem Kopf geboten.

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