Kanton Zürich

Drei von vier Einfamilienhäusern sind unterbelegt

SDA/gbi

5.4.2022 - 11:18

Der Traum vom eigenen Haus ist inzwischen auf dem Rückzug – weil die Möglichkeiten fehlen.
In vielen Einfamilienhäusern hat es mehr Zimmer als Bewohner*innen. (Symbolbild)
Bild: dpa

In einem Einfamilienhaus wohnen oft weniger Menschen, als es der Name vermuten lassen würde. Grund: Vor allem ältere Besitzer*innen halten an ihrer Immobilie fest – das zeigt eine Studie der ZKB.

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5.4.2022 - 11:18

Auch die hohen Immobilienpreise im Kanton Zürich können gerade ältere Personen nicht von einem Umzug überzeugen: «Auch wenn der Nachwuchs längst nicht mehr im eigenen Haus wohnt, sind viele Einfamilienhausbesitzer nicht bereit, ihr Haus abzugeben», sagte ZKB-Immobilien-Experte Jörn Schellenberg am Dienstag bei der Präsentation einer neuen Studie. 

Daher werde immer öfter am eigenen Haus festgehalten, obwohl es nicht mehr der aktuellen Lebenssituation entspreche. Die Gründe für das Festhalten am Eigenheim sind laut Schellenberg neben emotionalen Aspekten auch finanzielle Stolpersteine oder das Fehlen einer Wohnalternative.

Dies führe dazu, dass über 70 Prozent aller Einfamilienhäuser im Kanton Zürich unterbelegt seien. Von einer Unterbelegung spricht die ZKB, wenn die Zimmeranzahl im Haus grösser ist als die Anzahl darin lebender Personen plus eins.

Das Einfamilienhaus wird zum Auslaufmodell

Grundsätzlich rückt der Traum vom Hauskauf für viele damit noch weiter in die Ferne. Das liegt laut Schellenberg aber auch daran, dass das Angebot an Einfamilienhäusern immer weiter abnehmen dürfte: «Das Einfamilienhaus ist sozusagen ein Auslaufmodell.»

Denn sobald ein Einfamilienhaus auf den Markt komme, drohe immer häufiger der Abriss: «Wenn sich der Trend fortsetzt, dann dürften bereits in diesem Jahr erstmals mehr Einfamilienhäuser abgerissen werden als neue gebaut», sagte Schellenberg.

Konkret werden laut der Bank im Kanton Zürich jährlich bis zu 400 Einfamilienhäuser abgerissen. «Gleichzeitig werden aber immer weniger gebaut, weil Mehrfamilienhäuser gerade für grosse Investoren attraktiver sind», ergänzt die ZKB-Immobilien-Expertin Ursina Kubli.

Bestand sinkt weiter

Besonders in der Stadt Zürich und am Zürichseeufer weichen die Häuser meist Wohnungen. In der Stadt Zürich sind seit 2016 mehr als 5 Prozent des ursprünglichen Bestandes an freistehenden Einfamilienhäusern verschwunden, in Herrliberg, Meilen und Thalwil beträgt dieser Wert gar mehr als 6 Prozent.

Seit 2016 sind laut den Zahlen bei knapp 70 Prozent aller Abbrüche von Einfamilienhäusern danach auf dem Grundstück Mehrfamilienhäuser gebaut worden. «Und der bevorstehende Generationswechsel wird die Abbrüche weiter beschleunigen», prognostiziert Schellenberg.

Noch höhere Preise

Bei den steigenden Preisen ist indes kein Ende in Sicht. Die Preisdynamik dürfte sich in diesem Jahr zwar leicht abschwächen, aber von einem sehr hohen Niveau aus. Die Immobilienexperten der ZKB rechnen dieses Jahr im Kanton Zürich mit einem Anstieg der Preise um 5 Prozent, dies nach satten 9,3 Prozent im vergangenen Jahr.

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