Zürcher Lehrer sollen Noten statt Krönchen verteilen

SDA

11.1.2021 - 17:46

Die Zürcher Schülerinnen und Schüler sollen ab der vierten Klasse ausschliesslich mit Noten bewertet werden, nicht mit Symbolen oder Berichten. Der Kantonsrat hat eine entsprechende Parlamentarische Initiative vorläufig unterstützt. (Symbolbild)
Keystone

Eine Mehrheit des Zürcher Kantonsrates hält nicht viel von Krönchen, Raketen und Worten als Leistungsbewertung in der Volksschule. Der Rat hat am Montag eine Parlamentarische Initiative (PI) vorläufig unterstützt, die nur noch Noten zulassen will.

Die PI wurde mit 107 Stimmen vorläufig unterstützt. 60 Stimmen wären dafür nötig gewesen, die nötigen Stimmen wurden also problemlos erreicht. Das Anliegen geht nun an die zuständige Kommission und kommt danach erneut in den Kantonsrat.

Eingereicht wurde der Vorstoss von FDP, SVP, CVP, GLP und EVP. Der Vorstoss hat durchaus Chancen, in die Realität umgesetzt zu werden, weil diese Parteien die Mehrheit im Rat stellen.

Der Vorstoss will, dass alternative Bewertungssysteme nur noch in der Unterstufe erlaubt sind. Ab der 4. Klasse sollen dann konsequent Noten verteilt werden. Auf Ampelsysteme und Symbole soll verzichtet werden.

Dieser Vorstoss könnte die «unleidige Diskussion» über die Schulnoten beenden, sagte Matthias Hauser (SVP, Hüntwangen), selber Lehrer. Intern sei eine Note ja nicht so wichtig, da ein Lehrer die Schülerinnen und Schüler anders bewerte. Aber gegen aussen sei die Note wichtig, nur schon für nachfolgende Ausbildungsstätten.

Wirtschaft setzt auf «Multicheck»

GLP-Kantonsrat Christoph Ziegler (Elgg), ebenfalls Lehrer, gab zu bedenken, dass die Wirtschaft Angaben über die Leistungen der Schülerinnen und Schüler benötige.

Setze die Volksschule auf alternative Bewertungssysteme, werde die Wirtschaft einfach mehr eigene Lehrstellen-Tests wie etwa den «Multicheck» einsetzen. Dieser standardisierte Eignungstest ist mittlerweile schon vielerorts Voraussetzung für eine Schnupperlehre.

«Auf dem Boden der Leistungsgesellschaft»

Für die EVP wiederum ist es wichtig, dass den Kindern keine Wohlfühloase vorgespielt wird. «Irgendwann werden sie sonst hart auf dem Boden der Leistungsgesellschaft aufschlagen», sagte Hanspeter Hugentobler, der in Pfäffikon auch noch als Schulpräsident amtet.

Gegen ein Verbot für alternative Bewertungssysteme war die links-grüne Ratsseite. Die Grünen argumentierten, dass weiterführende Angaben viel motivierender seien als eine Zahl. Für die SP wiederum sind Noten Ausdruck des Wettbewerbsgedankens und der Leistungsgesellschaft. Das sei in der Schule Fehl am Platz. Beide konnten sich mit ihren Argumenten aber nicht durchsetzen.

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