ZVV-Fahrgastzahlen werden erst 2025 das Vor-Corona-Niveau erreichen

olgr, sda

16.7.2021 - 10:13

Der ZVV fährt dieses Jahr voraussichtlich ein um 90 Millionen Franken höheres Defizit ein als 2020. (Symbolbild)
Keystone

Dem Zürcher Verkehrsverbund entgehen wegen der Corona-Pandemie auf Jahre hinaus Einnahmen: Kanton und Gemeinden werden ein höheres Defizit decken müssen. Sorgen bereitet den Verantwortlichen auch die Einführung von flächendeckendem Tempo 30 in den Grossstädten.

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16.7.2021 - 10:13

Der Lockdown und die Empfehlung, den öffentlichen Verkehr zu meiden, haben die Fahrgastzahlen auf dem Netz des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) einbrechen lassen. Dieser Rückgang wird – trotz Lockerungen – noch lange anhalten: Dem öffentlichen Verkehr im Kanton Zürich drohen «fünf verlorene Jahre», wie Volkswirtschaftsdirektorin Carmen Walker Späh (FDP) am Freitag vor den Medien sagte.

Sie sprach von einem «disruptiven Ereignis»; einige Grundannahmen seien regelrecht pulverisiert worden. Es gehe nun aber wieder langsam aufwärts – doch liege die Auslastung auf dem ZVV-Netz derzeit erst bei etwa 80 Prozent des Niveaus vor der Krise.

Der ZVV geht davon aus, dass erst 2025 wieder das Vor-Krisen-Niveau erreicht werden kann – dank des erwarteten Bevölkerungswachstums. Denn unter anderem wegen flexibleren Arbeitsmodellen mit einem höheren Home-Office-Anteil dürften auch über die Pandemie hinaus weniger Pendlerinnen und Pendler unterwegs sein. Rund zehn Prozent der früheren Fahrgastzahlen dürften gemäss ZVV-Direktor Dominik Brühwiler vorerst verloren sein.

Eine Frage des Tempos

Der Hauptschlüssel für einen erfolgreichen öffentlichen Verkehr seien konkurrenzfähige Reisezeiten, sagte Brühwiler am Freitag. Und diesbezüglich befürchtet er, dass der ÖV an Attraktivität einbüssen könnte. Die Ankündigung der Städte Winterthur und Zürich, praktisch flächendeckend Tempo 30 einführen zu wollen, habe grosse Auswirkungen auf Tram und Bus.

Um den heutigen Taktfahrplan aufrechterhalten zu können, wären Investitionen in zusätzliche Fahrzeuge und Personal notwendig. Für Zürich werden gemäss Brühwiler Mehrkosten von jährlich von rund 20 Millionen Franken erwartet, in Winterthur von 6 Millionen Franken.

Mit flächendeckendem Tempo 30 werde auch der öffentliche Verkehr flächendeckend verlangsamt, hielt Regierungsrätin Carmen Walker Späh fest. «Die Folgen sind klar: Qualitätseinbussen und hohe Mehrkosten.» Sie kündigte an, auf jeder Achse, auf der der ÖV betroffen sei, hart um gute Lösungen ringen zu wollen.

Das Defizit erhöht sich

Der Einbruch bei den Fahrgastzahlen wirkt sich direkt beiden Einnahmen aus. Für 2020 und 2021 hatte der ZVV bereits höhere Defizite gemeldet beziehungsweise angekündigt.

Auch 2022 und 2023 wird der ZVV höhere Defizite als erwartet einfahren: Der Regierungsrat beantragt dem Kantonsrat für die beiden Jahren einen Rahmenkredit über 870,5 Millionen Franken, wie der Regierungsrat in einer Mitteilung vom Freitag schreibt. Das sind 177 Millionen mehr als vor zwei Jahren geplant.

Die am Freitag gemeinsam mit dem Rahmenkredit präsentierte ZVV-Strategie 2024-2027 geht davon aus, dass der öffentliche Verkehr «trotz des Einschnitts durch die Pandemie ein unverzichtbarer Teil einer zukunftsfähigen Mobilitätslösung im Kanton Zürich bleibt».

Das Defizit soll nach dem Abflauen der Pandemie schrittweise wieder gesenkt werden. Gleichzeitig soll auch der Kostendeckungsgrad wieder ansteigen. «Ob es zu Tariferhöhungen kommt, soll im Einzelfall aufgrund der Marktbedingungen und der finanziellen Vorgaben des Kantons beurteilt werden», heisst es in der Medienmitteilung. Derzeit seien keine Erhöhungen geplant, sagte ZVV-Direktor Brühwiler am Freitag vor den Medien.

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