Fehler gefunden?
Jetzt meldenDaniela Ryf hat Triathlon-Geschichte geschrieben: Zehn WM-Titel, viermal in Folge auf Hawaii gewonnen. In der Talkshow «Lässer» spricht sie offen über Leistungsdruck, Essstörungen und warum im Spitzensport das Umfeld so wichtig ist.
20 Jahre lang hat sie dem Sport alles untergeordnet und reiste von Wettkampf zu Wettkampf. Zehn Weltmeistertitel hat sie geholt und viermal in Folge den Ironman auf Hawaii gewonnen.
Trotzdem habe sie sich nie als Athletin definiert, verrät Daniela Ryf in der Talkshow «Lässer». Sie habe Sport gemacht, weil sie es liebte, am Tag X Leistung zu erbringen. Vor ihrem Rücktritt habe sie ihre gesamte Energie ins Training gelegt. Heute habe sie den Fokus auf ihre Projekte gesetzt, für die sie mit Herzblut arbeite.
In der Talkshow erzählt sie, dass sie nach ihrem Rücktritt kein «Loch» verspüre – im Gegenteil: Der Wegfall der intensiven Trainingssessions fiel ihr leichter als erwartet. Anspruchsvoller war für sie die Umstellung auf Meetings und die vielen sozialen Interaktionen im Berufsalltag, die sie anfangs ermüdeten. «Im Sport bist du viel alleine unterwegs», so Ryf.
«Sport hat mir schon immer geholfen, meine Gedanken zu verarbeiten.» Deshalb bewegt sie sich auch heute noch täglich rund 30 Minuten.
Im Gespräch mit Moderatorin Claudia Lässer spricht Daniela Ryf auch über Suchtverhalten im Spitzensport. Auch sie kennt den Druck, an die körperlichen Grenzen zu gehen.
Spitzensport sei per se extrem, sagt Ryf. «Alles Extreme ist nicht gesund.» Problematisch werde es vor allem dann, wenn man zu lange in diesem Fokus-Tunnel bleibe, abgeschottet vom restlichen Leben. Das habe sie selbst erlebt.
Vor ihren ersten Olympischen Spielen habe sie sich derart auf ihr Ziel fixiert, dass sie alles andere ausblendete. «Extrem wurde es beim Essen», gesteht Ryf rückblickend. Sie habe lange nicht realisiert, wie sehr sie sich in ein ungesundes Verhalten hineingesteigert hatte. Erst ihr Umfeld habe sie darauf aufmerksam gemacht.
Für die mehrfache Ironman-Weltmeisterin ist deshalb klar: «Es braucht ein Umfeld, das dich rausholt, wenn man durchdreht.» Ohne diese Menschen hätte sie den Wendepunkt womöglich nicht geschafft. In dieser Phase habe sie sogar verlernt, das Leben ausserhalb des Sports zu geniessen. «Ich wusste nicht mehr, wie man es im Ausgang lustig haben kann», sagt sie.
Heute ist genau das ein Teil ihrer Motivation: Sie möchte andere inspirieren und für den Sport begeistern, aber mit einer gesunden Perspektive.
Warum Sport ihr heute noch viel bedeutet und was sie aus ihrem schlimmsten Hawaii-Wettkampf nach einem Quallenbiss Positives mitgenommen hat, siehst du im Video unten.