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Jetzt meldenAndré Küttel zählt zu den gefragtesten Drehbuchautoren und Witzeschreibern der Schweiz. Ein Gespräch über die heimische Comedyszene, das Entstehen einer Pointe und produktive Verzweiflung.
André Küttel, ich stelle dir in den nächsten 45 Minuten möglichst viele Fragen. Und du antwortest bitte möglichst kurz und schnell. Wenn dir eine Frage nicht passt, kannst du auch einmal «weiter» sagen.
Das ist gut so für mich.
Winter oder Frühling?
Frühling – weil es endlich wieder wärmer wird.
Introvertiert oder extrovertiert?
Introvertiert.
Was ist deine früheste Kindheitserinnerung, die mit Witzen zu tun hat?
Kamen Verwandte auf Besuch, spielte ich ihnen als kleiner Junge oft lustige Sachen vor.
Ist es heute Normalität, dass die Witze von Komiker*innen von Autor*innen stammen – oder gibt es nach wie vor welche, die ihre Bühnenprogramme eigenhändig schreiben?
Es gibt nach wie vor Komikerinnen und Komiker, die ihre Pointen selbst schreiben – und solche, die ein neues Programm lieber zusammen mit Sparringpartnern entwickeln.
Nehmen wir an, du bist Sparringspartner einer Komikerin: Wie funktioniert das?
Manche mögen einen pingpongartigen Austausch von Texten, andere triffst du nur alle paar Wochen zum Brainstormen und sie schreiben dann selber. So oder so: Mir ist es noch nie passiert, dass ein Text allein meine Idee gewesen wäre. Das ist gut so. Eine Pointe muss für Comedians sitzen wie ein massgeschneidertes Kleid.

Bild: blue News
blue News-Redaktor Bruno Bötschi spricht für das Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Er stellt ihnen ganz viele Fragen – immer direkt, oft lustig und manchmal auch tiefsinnig. Dabei bleibt bis zur allerletzten Frage immer offen, wo das rasante Pingpong hinführt.
Darf die Öffentlichkeit wissen, welchen Komiker*innen du bei der Erarbeitung ihrer Bühnenprogramme hilfst?
Das ist kein Geheimnis – aktuell arbeite ich mit Anet Corti und Michael Elsener zusammen.
Einmal angenommen: Anet Corti will mit dir zusammen ein neues abendfüllendes Programm erarbeiten. Wie lange dauert das?
In der Regel beginnt die Vorbereitung für ein neues Programm ein Jahr vor der Premiere mit ersten Brainstorming-Sitzungen.
Was passiert da?
Während diesen Meetings wird oft viel herumgeblödelt, weil am Anfang noch nicht klar ist, wohin die Reise gehen soll. Mit der Zeit werden die Ideen konkreter, die ersten Nummern geboren und so entsteht langsam das Gerüst des neuen Programmes. Das ist oft auch der Zeitpunkt, wo die Komikerin oder der Komiker zum ersten Mal auf die Bühne geht und die neuen Nummern bei sogenannten Tryout-Vorstellungen vor Publikum testet. An diesen Abenden sitze ich oft ebenfalls im Saal und notiere akribisch: Welche Pointe sorgen beim Publikum für Lacher – und welche für gähnende Langeweile.
Wirklich wahr, dass nach den ersten Probevorführungen noch bis zu 50 Prozent eines Comedy-Programmes verändert oder gar gestrichen werden?
Nach den Probevorstellungen kann alles passieren – von minimalen Anpassungen bis zum vollständigen Um- oder Neuschreiben von Nummern.
Christoph Grissemann veräppelt in der ORF-Late-Night-Talkshow «Willkommen Österreich» immer wieder die Pointenautor*innen und schiebt die Schuld auf sie, wenn das Publikum im TV-Studio nicht lacht. Ist dir das auch schon passiert?
Zum Glück nicht. Die Komikerinnen und Komiker, mit denen ich zusammenarbeite, sind viel zu höflich, als dass sie so etwas tun würden. Den Schreibpartner in der Öffentlichkeit unter den Bus zu werfen, ist nicht nett – und zeugt meiner Meinung nach von wenig Anstand.

«Es passiert auch mir immer wieder, dass sich die Suche nach einem Witz als äusserst kompliziert gestaltet»: André Küttel.
Bild: Irina Garcia
Schweizer*innen aller Altersklassen lachen über deine Witze. Warum sind deine Pointen lustig?
Das hat mit Erfahrung zu tun. Ich arbeite seit fast 30 Jahren als Pointenschreiber. In dieser Zeit habe ich aber auch unzählige Gags geschrieben, die nicht funktionierten. Es passiert auch mir immer wieder, dass sich die Suche nach einem Witz als äusserst kompliziert gestaltet.
Und dann …
… heisst es: überarbeiten, überarbeiten und nochmals überarbeiten.
Ich behaupte: Humor ist eine brutal harte Arbeit.
Brutal ist vielleicht ein gar harsches Wort, dafür mache ich es zu gerne. Aber ja, es ist sicher harte Arbeit. Manchmal kann ich stundenlang an einer einzigen Zeile herumbasteln.
Spürst du beim Schreiben manchmal sofort, dass ein Witz funktionieren wird?
Es ist tatsächlich so, dass ich während des Schreibens ab und an sicher bin, dass eine Pointe das Publikum zum Lachen bringen wird. Besonders spannend wird es aber immer dann, wenn an einem anderen Ort gelacht wird, als ich es erwartet habe.
Als ich auf der blue News Redaktion erzählte, dass ich dich heute interviewen werde, waren alle ratlos und konnten mit deinem Namen nichts anfangen – und dies, obwohl meine Redaktionskolleg*innen die Komiker*innen kennen, für die du arbeitest. Geht es dir öfter so?
Dem Pointenschreiber geht es wie dem Schlagzeuger in einer Band – für ihn interessiert sich ganz oft auch niemand.
Wie schlimm ist es, dass du als Witzeschreiber im Hintergrund die Arbeit machst, aber die Komiker*innen auf der Bühne mit deinen Gags Lacher und Erfolg ernten?
Das ist nicht schlimm. Mir reichen meine Bekanntheit und die Anerkennung innerhalb der Branche völlig aus. Ich bin sogar froh darüber, dass ich nicht auf die Bühne gehen muss.
Wieso?
Ich könnte mit dem Druck nicht umgehen. Vielleicht erinnerst du dich an die politische Satiresendung «Late Update» von Michael Elsener, die ab 2018 beim Schweizer Fernsehen zu sehen war. Ich war damals in der Redaktion mit dabei. Bei Satiresendungen kommen Reklamationen oder gar die Androhung von Klagen regelmässig vor. Umso mehr war ich jedes Mal wieder von Neuem begeistert und erstaunt, wie Michael sich während der Sendung nichts anmerken liess – egal, wie hektisch die Tage oder Stunden vor der Show verlaufen waren.
In deinem zweiten Job als Drehbuchautor kämpfst du mit dem gleichen Problem wie als Witzschreiber: Die fertigen Filme werden kaum je mit dem Schreibenden, sondern mit den Filmemachenden oder den Hauptdarsteller*innen in Verbindung gebracht. Sei ehrlich: Hin und wieder nervt dich das kolossal.
Nein, tut es nicht. Für mich ist völlig klar und okay, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler, die auf der Kinoleinwand zu sehen sind, mehr Aufmerksamkeit bekommen. Die Leute wollen einen guten Film sehen und sich daran erfreuen – und sicher nicht an der Eitelkeit des Autors. Aber du hast insofern recht: Ich werde häufig auf dieses Thema angesprochen.
Was antwortest du jeweils?
Ich sage immer: Regisseur Steven Spielberg wurde weltbekannt mit dem Film «E.T.». Aber wer hat die Geschichte geschrieben? Das wissen die wenigsten. Es war die Drehbuchautorin Melissa Mathison.

«Dem Pointeschreiber geht es wie dem Schlagzeuger in einer Band – für ihn interessiert sich ganz oft auch niemand»: André Küttel.
Bild: Irina Garcia
Du überlässt die Meriten für deine Arbeit anderen Menschen: Bist du in anderen Lebensbereichen auch ein derart grosszügiger Mensch?
(Lacht schallend) Nein. Meine Grosszügigkeit im Beruf hat wahrscheinlich viel damit zu tun, dass mir schon am Anfang meiner Karriere bewusst war, dass ich als Pointenschreiber und Drehbuchautor nicht weltberühmt werden kann. Und sowieso: Mir ist wichtiger, dass ich einen Job habe, der mir Spass macht.
Bist du während deiner Tätigkeit als Drehbuchautor ein Freund der klassischen Stoffentwicklung mit den Arbeitsschritten Exposé, Treatment, Drehbuch?
Es bietet sich an, es in den meisten Fällen so zu tun. Würde ich sofort das Drehbuch schreiben, wäre das nicht effizient – vor allem dann nicht, wenn die Geschichte bei der Produktionsfirma oder der TV-Redaktion auf kein Interesse stossen würde. Für den ersten Pitch schreibe ich deshalb immer ein Exposé, also eine Art Nacherzählung der Handlung auf drei, vier Seiten. Bekomme ich dafür das Okay, verfasse ich danach ein Treatment. Darin wird die Geschichte in einzelne, bereits ausformulierte Szenen aufteilt – aber noch ohne Dialoge. Die kommen dann im Drehbuch noch dazu kommen.
Wie viele Szenen schreibst für den Papierkorb?
50 Prozent.
Was war für dich bisher der grösste Moment der Verzweiflung beim Schreiben?
Ich glaube, es gab noch kein Projekt, während dessen mich nicht irgendwann die nackte Verzweiflung packte. Anet Corti nennt diesen Moment «das Tal der Tränen». Einen Ausdruck, den auch ich gerne immer wieder verwende.
Kann Verzweiflung beim Schreiben auch hilfreich sein?
Durchaus. Verzweiflung und Unsicherheit beim Schreiben können viel Gutes auslösen. Schlimmer ist nur, zu glauben, man habe ein brillantes Drehbuch geschrieben – und sich deshalb nicht mehr zu hinterfragen oder Kritik anzunehmen.
Aktuell laufen zwei Filme in Schweizer Kinos, bei denen du mitgewirkt hast: Für «Hallo Betty» hast du das Drehbuch geschrieben, bei «Ewigi Liebi» warst du als sogenannter Script-Consultant tätig. Wie fühlt sich das an?
Es fühlt sich natürlich gut an, wenn ich darauf angesprochen werde. Ansonsten habe ich einfach meinen Job gemacht (lacht).
Lassen dich deine Drehbücher und Pointen manchmal nicht schlafen?
Das ist ein Problem, das wahrscheinlich viele kennen, deren Job Kreativität und Leidenschaft verlangt.
Wie bekämpfst du deine Schlaflosigkeit?
Meist lese ich etwas oder ich schaue mir YouTube-Videos an – bis mir die Augen von selbst zufallen.
Welches Projekt lässt dich aktuell nicht gut schlafen?
Aktuell beschäftigt mich die TV-Serie «The Death of Sherlock Holmes», die ich zusammen mit Produzentin Claudia Bluemhuber und Regisseur Pierre Monnard für Sky Schweiz, SRF und ARD Degeto entwickelt habe. Das Kickoff-Meeting für dieses Filmprojekt fand im Oktober 2024 statt. Danach haben Simone Schmid und ich die Drehbücher geschrieben. Und weil wir – zumindest für Schweizer Verhältnisse – ein hohes Tempo angeschlagen haben, hielt mich der wohl berühmteste Detektiv der Welt oft auch nachts auf Trab. Das wird in nächster Zeit auch noch so bleiben, zumindest bis im kommenden Frühling die Dreharbeiten begonnen haben.
«Platzspitzbaby», «Wilder», «Hallo Betty» und demnächst «The Death of Sherlock Holmes»: Regisseur Pierre Monnard und du haben in den vergangenen Jahren gemeinsam mehrere erfolgreiche Filme und Serien realisiert. Was ist euer Erfolgsgeheimnis?
Bei «Wilder», das ist mir noch wichtig zu sagen, war ich lediglich als Co-Autor dabei. Aber es stimmt schon: Pierre und ich arbeiten oft und gerne zusammen, wir verstehen uns auch privat gut. Wir sind Freunde. Und als leidenschaftliche Cineasten lieben wir Filme aller Art – vom Arthouse-Kino bis zum Hollywood-Blockbuster.
Wie tönt es, wenn ihr Meinungsverschiedenheiten habt?
Natürlich gibt es zwischen Pierre und mir ab und zu lautere Diskussionen. Richtig gestritten haben wir aber nie – dafür schätzen wir uns als Menschen einfach zu sehr.

«Für mich ist völlig klar und okay, dass die Schauspielerinnen und Schauspieler, die auf der Kinoleinwand zu sehen sind, mehr Aufmerksamkeit bekommen»: André Küttel
Bild: Jaume Ballara
Wer bestimmt in der Schweizer Filmbranche wirklich, was geht – die Fördergelder, das Talent oder Vitamin B?
Es ist eine Mischung aus allen drei Themen. Vitamin B spielt in der Schweiz nur schon darum eine Rolle, weil die Filmbranche klein ist und sich fast alle kennen. Ich persönlich arbeite auch lieber mit Menschen, die ich schon von anderen Projekten kenne – so weiss ich, woran ich bei ihnen bin.
Wenn du das Wort «Schweiz» hörst: Woran denkst du?
Sicherheit, Reichtum und … viel Behäbigkeit.
Was meinst du mit Behäbigkeit?
Wir haben das schon immer so gemacht – warum sollen wir es künftig anders machen?
Drehbuchautor*innen zeigen beim «Tatort»-Krimi oft nach wenigen Minuten, wer der Mörder ist. Funktioniert der Aufbau von Witzen ähnlich?
Ehrlich gesagt, das habe ich mir so noch gar nie richtig überlegt: Sind Pointen dramaturgisch ähnlich strukturiert wie Krimis? Vielleicht. Witze haben eigentlich auch drei Akte: Intro, Story und dann Showdown. Aber kann man eine Pointe schon am Anfang andeuten wie Täter bei einem Tatort? Vielleicht. Bei Pointen wird ja oft mit der Erwartungshaltung des Publikums gespielt. Nur um dann am Ende etwas völlig anderes zu präsentieren.
Du hast einst Grafiker gelernt und später eine Werbeagentur gegründet – wann hast du mit dem Schreiben angefangen?
Bereits als Teenager wollte ich einen Roman schreiben – weiter als bis Seite vier bin ich allerdings nicht gekommen. Ich bin in einer Arbeiterfamilie gross geworden und hatte im nahen Umfeld keine Vorbilder, denen ich hätte nacheifern können. Vielleicht dauerte es darum seine Zeit, bis ich professionell mit Worten anfing zu spielen und Pointenschreiber und Drehbuchautor geworden bin.
Wer ist heute dein Vorbild?
Ich bin ein Fan von Filmregisseur und Drehbuchautor Alexander Payne. Er drehte unter anderem das Drama «Nebraska» und gewann 2004 mit dem Film «Sideways» einen Oscar.
Welche Frauen haben dich beeinflusst?
Ich schätze die Arbeit von Nora Ephron. Sie schrieb viele grossartige Drehbücher. Das Bekannteste ist wahrscheinlich die Liebeskomödie «Harry und Sally».

«Vitamin B spielt in der Schweiz nur schon darum eine Rolle, weil die Filmbranche klein ist und sich fast alle kennen»: André Küttel.
Bild: Irina Garcia
Bist du mehr Arbeiter oder Künstler?
Ich tue immer wieder so, als wäre ich ein Künstler – aber Tatsache ist: Mein Job ist in erster Linie mit viel und oft auch stressiger Arbeit verbunden.
Welche Talente sind als Witzeschreiber gefragt?
Das Talent fürs Schreiben und die Freude am Jonglieren mit Worten und Sätzen sind unverzichtbar.
Beim SRF habe ich gelesen, dass dir Anfang deiner Karriere als Pointenschreiber das Buch «The Comic Toolbox. How To Be Funny, Even if You're Not » vom US-amerikanischen Drehbuchautor und Comedy-Experte John Vorhaus viel geholfen habe.
Das stimmt. Ich hatte sogar zwei Workshops bei ihm. Er ist eine Legende. Es war aber auch viel learning by doing dabei – auch deshalb, weil es damals in der Schweiz noch keine Hochschule gab, wo das Schreiben von Drehbüchern und Comedy gelehrt worden ist. Für Menschen meiner Generation gab es zwei Wege: Im Ausland studieren gehen oder sich Hocharbeiten in der Branche. Ich tat Letzteres.
Was ist eine Pointe?
Wenn die Menschen darüber lachen.
Ich bin sicher, da hast du noch eine bessere Antwort ...
Mach einmal weiter. Vielleicht kommt mir noch eine in den Sinn.
Der österreichische Witzeschreiber Jürgen Marschal sagt im Interview mit dem Magazin «Falter»: «Eine Pointe ist wie ein Orgasmus, auf den du hinarbeitest. Sie steht am Ende des Prozesses. Und manchmal wird sie geil, manchmal nicht.»
Diese Erklärung ist mir zu blumig. Ich betrachte Pointen sachlicher, handwerklicher. Vielleicht eher wie Nägel einschlagen. Im Englischen heisst es ja auch «Punch Line».
Wieso trägst du deine Witze nicht selbst vor?
Im privaten Umfeld erzähle ich gerne Witze und unterhalte meine Freundinnen und Freunde. Ich suche solche Situationen aber nicht gezielt – sie passieren einfach. Und ja, mir wird aus meinem Bekanntenkreis ein gewisses Talent als Witzerzähler nachgesagt. Auf die Bühne möchte ich trotzdem nicht.
Wirklich noch nie Lust gehabt, auf einer Bühne deine Pointen zu erzählen?
Okay, ich gebe zu, es gab Zeiten, in denen ich darüber nachdachte, selbst auf die Bühne zu gehen. Am Ende habe ich die Frage bisher aber immer mit einem klaren Nein beantwortet – wohl auch, weil ich immer wieder sehe, was es alles dazu braucht, um als Komikerin oder Komiker zu reüssieren. Viele Menschen können lernen, wie man einen guten Witz schreibt. Aber ihn dann auch gut zu erzählen und das vor Publikum, das können eben nicht alle.

«Das Timing beim Humor ist extrem wichtig. Eine Pointe kann manchmal nicht zünden, nur weil ein Wort falsch betont wird»: André Küttel.
Bild: Irina Garcia
Nervt dich die ewige Frage, wo die Grenzen des Humors sind?
Nein – denn ich finde, diese Frage sollte immer wieder neu verhandelt werden. Was früher lustig war, ist es vielleicht heute nicht mehr und umgekehrt.
Wo ziehst du die Grenze zwischen öffentlichen und nicht öffentlichen Witzen?
Es kommt immer auf den Kontext an. Tatsächlich ist es so, dass nicht jeder Witz, den ich privat einem guten Freund erzähle, auch in der Öffentlichkeit funktionieren würde.
Macht es einen Unterschied, ob du für eine Komikerin oder einen Komiker Witze schreibst?
Es hat weniger mit dem Geschlecht zu tun, als vielmehr mit der Person, für die ich die Pointe schreibe.
In Kontaktanzeigen wird oft ein humorvoller Mann gesucht, aber kaum je eine humorvolle Frau. Konsumieren Frauen Humor, während Männer ihn produzieren?
Ist dem so?
Während meiner Analyse von Kontaktanzeigen in verschiedenen Zeitungen in den letzten Wochen – die natürlich nicht repräsentativ ist – ist mir das aufgefallen.
Das wäre ein super Thema für eine Kolumne …
… oder für eine Pointe einer deiner Komiker*innen. Das konkrete Erarbeiten überlasse ich gerne dir.
Ich könnte es Michael Elsener vorschlagen.
Darfst du gerne tun. Ist es schwieriger, Menschen zum Weinen zu bringen oder zum Lachen?
Ganz klar zum Lachen. Drama als Gefühl ist oft sehr universell: Trauer, Schmerz, Angst ... Aber Humor ist sehr individuell. Nicht alle Leute lachen über dasselbe. Ausserdem ist das Timing beim Humor extrem wichtig. Eine Pointe kann manchmal nicht zünden, nur weil ein Wort falsch betont wird.
Wann ist dir das letzte Mal das Lachen vergangen?
Zurzeit leider jeden Morgen wenn ich die News lese. Aber ich kann den Frust dann wenigstens satirisch verarbeiten. Witze darüber zu schreiben ist vielleicht ein wenig wie Schreitherapie. Ah, und jetzt hast du noch eine weitere Antwort auf die Frage, was eine Pointe ist: ein Ventil.