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«Das Leben ist oft noch absurder, als die Geschichten, die im Kino erzählt werden»: Jella Haase alias Delphine in der Komödie «#Schwarze Schafe».
Bild: #Schwarze Schafe
Diese Woche kommt die schrill-schräge Komödie «#Schwarze Schafe» des Zürchers Regisseurs Oliver Rhis ins Kino. Im Mittelpunkt: Delphine, gespielt von Jella Haase. Ein Gespräch über Berliner Aussenseiter und Schweizer Höflichkeit.
Jella Haase, wann hat die Sonne das letzte Mal Ihre Vernunft beschädigt?
Kürzlich weilte ich zu Dreharbeiten in Bologna. In der italienischen Stadt sanken die Temperaturen auch nachts nie unter 30 Grad. Irgendwann schlug mir die Hitze auf meinen Kreislauf. Ich war träger als sonst und nicht mehr so schnell im Denken.
Im Kinofilm «#Schwarze Schafe» von Regisseur Oliver Rihs ist die Hitze ebenfalls ein Thema. War es während den Dreharbeiten wirklich so warm, wie es in der Komödie dargestellt wird?
Es war warm während den Dreharbeiten zu «#Schwarze Schafe». Aber wie so oft bei Filmproduktionen machte das Wetter hin und wieder genau das Gegenteil vom Gewünschten. Wir hatten Glück, dass während der Schlussszene, die wir auf dem ehemaligen Berliner Flughafen Tegel drehten, es tatsächlich ein Hitzetag war und wir nicht frieren mussten, als wir alle zusammen im Regen tanzten. Ich erlebte das aber auch schon ganz anders.
Erzählen Sie bitte.
Im Oktober 2024 drehte ich einen Film in Griechenland. Laut Drehbuch hätte es ein Hitzetag sein sollen – stattdessen mussten wir in einem Bergsee baden, dessen Wasser bitterkalt war und dazu blies ein übler Wind.
«#Schwarze Schafe» erzählt die Geschichte von mehreren Berliner Aussenseiter*innen. Kurz und knapp: Wie würden Sie einer Schweizerin oder einem Schweizer die Komödie schmackhaft machen?
Der Film hat eine grosse befreiende Kraft – und darum: Es sollten all jene Menschen ins Kino gehen, die Lust haben während eines Abends den Alltag zu vergessen und gute Laune zu bekommen. Aber Achtung, «#Schwarze Schafe» kann in einem das anarchische Potenzial wecken … also auch bei euch lieben und braven Schweizerinnen und Schweizern (lacht).
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Sie spielen im «#Schwarze Schafe» eine Frau namens Delphine. Delfi will mit ihren Genderpuppen die Welt verbessern, bis sie irgendwann eine goldene Kreditkarte klaut. Was fasziniert Sie an der Rolle?
Delfi haut ihre Meinung ungefiltert raus – schon fast Tourette-mässig. Das mag ich.
Haben Sie in der Realität auch schon einmal auf den Putz gehauen und Geld ausgegeben, das nicht Ihr eigenes war?
(Lacht) Nein. Das Geld, welches ich in meinem Leben bisher ausgegeben habe, gehörte alles mir – deshalb hat es sich danach auch hin und wieder gerächt.
Weil sie zu viel Geld ausgegeben haben?
Na ja, das kann durchaus einmal passieren – aber ganz generell gesagt: Ich denke, ich habe eine gute Einstellung zu Geld.
Das heisst …
… ich horte nicht zu viel davon. Ist jedoch genügend Geld da, finde ich, soll man es auch ausgeben – man weiss ja nie, ob morgen vielleicht alles vorbei ist.
Ein Clanchef, der sich für den Klimaschutz einsetzt, ein Stripper mit Prothese und rührender Familiengeschichte und ein drogensüchtiger Balkon-Imker: Wie viel Realität steckt in der Absurdität von «#Schwarze Schafe»?
Das Leben ist oft noch absurder, als die Geschichten, die im Kino erzählt werden. Wer hat nicht auch schon Dinge erlebt, wo sie oder er dachte: Das ist viel zu verrückt, um wahr zu sein.
Aber natürlich sind die Geschichten in «#Schwarze Schafe» teils überspitzt erzählt und oft auch ein bisschen trashig. Trotzdem glaube ich, dass sie gar nicht so weit von der Realität entfernt sind.
Sie sind in Berlin-Kreuzberg aufgewachsen. Vor Jahren haben Sie sich einmal als «Berlin-Ultra» bezeichnet.
Ich bin Berlinerin mit Leib und Seele. Ich bin hier aufgewachsen. Ich liebe die Menschen. Ich liebe die Stadt.
In den letzten 20, 30 Jahren gab es in Berlin diverse politische Verfehlungen. Heute wird zudem oft über Gentrifizierung, Partyvolk und Hafermilch gesprochen. Wie hat sich Ihre Liebe mit dem Älterwerden zur Stadt verändert?
Ich finde es bedauerlich, dass von der Politik so viele Verfehlungen begangen worden sind – und leider heute immer noch begangen werden. Das macht mir grosse Sorgen. Ich selber wurde übrigens auch schon einmal weggentrifziert, nachdem ich in einem besetzten Haus lebte und dieses später luxussaniert wurde.
Solche Geschichten ziehen sich mittlerweile durch viele Berliner Biografien. Deshalb sehe ich heute die Politikerinnen und Politiker auch in einem Handlungszwang. Ich bin zum Beispiel total gegen die Bebauung des Tempelhofer Feldes. Wir brauchen auch weiterhin urbane Orte, wo sich die Menschen in der Mitte der Stadt treffen können.

«Der Blick von aussen ist immer spannend – und sowieso: Oliver Rihs lebt seit fast 25 Jahren in Berlin und hat hier schon so einiges erlebt.»: Jella Haase über den Regisseur von «#Schwarze Schafe».
Bild: zVg
Ich stelle mit Schrecken fest, dass das Leben in der City von Berlin fast unmöglich teuer geworden ist. Die Mieten steigen immer mehr und die Menschen, die die Stadt bisher ausgemacht haben, werden verdrängt. Das finde ich äusserst problematisch.
Als ich kürzlich für zwei Wochen in der deutschen Hauptstadt weilte, hörte ich immer wieder Menschen sagen, Berlin habe sich nicht nur zum Guten verändert. Mir selber passierte es zudem, dass ich auf offener Strasse als «Schwuchtel» abgekanzelt wurde …
Es tut mir leid, dass sie so etwas in Berlin erleben mussten. Gleichzeitig denke ich, dass dieser Vorfall nicht exemplarisch für die Stadt steht, sondern vielmehr für den heutigen Umgang unter uns Menschen, der in den letzten Jahren viel rüder geworden ist. Das ist eine bedenkliche Entwicklung – und ja, ich finde, wir sollten mit aller Kraft dagegen ankämpfen.
Wie denn?
Mit ganz viel Liebe, gutem Benehmen und Höflichkeit – auch wenn das oft nur schwierig umzusetzen ist. Das ist übrigens etwas, was ich an den Schweizerinnen und Schweizer sehr mag …
… das wir so freundlich sind?
Ich bin gerne in der Schweiz und habe das Gefühl, in eurem Land wird feiner miteinander umgegangen. Ich spüre dass jeweils besonders gut, wenn ich in Basel umsteigen muss – also von einem deutschen in einen Schweizer Zug.
Was passiert dann?
Der Umgang im Zug ist sofort viel freundlicher. Aber ich weiss natürlich auch, dass manche Schweizer Probleme damit haben, weil bei euch oft nicht gesagt wird, was ein Mensch wirklich denkt. Aber so grundsätzlich gesagt: Höflichkeit im Alltag schätze ich sehr.
Was spielen Sie in einem Film lieber, eine Verliererin oder eine Gewinnerin?
Ähmm … mir fällt immer wieder auf, dass diese zwei Extreme oft nicht trennbar sind. Aber ich frage mich gerade, ob ich überhaupt je eine Gewinnerin gespielt habe? Meine Figuren trugen bisher immer Abgründe in sich. Das mag ich sehr.

«Die Komödie ‹#Schwarze Schafe› kann in einem das anarchische Potenzial wecken … also auch bei euch lieben und braven Schweizerinnen und Schweizer»: Jella Haase.
Bild: «#Schwarze Schafe»
«#Schwarze Schafe» ist sozusagen das Update des Kultfilmes «Schwarze Schafe» von Oliver Rihs aus dem Jahr 2006. Wie gelungen finden Sie seine zweite Liebeserklärung an die Stadt Berlin?
Für mich ist bei beiden Filmen anarchischer Power spürbar. Und darum: Ich mag beide, auch weil sie hin und wieder etwas trashig wirken.
Kann ein Schweizer Filmemacher überhaupt ein Porträt über die Stadt Berlin drehen?
Na und ob. Berlin besteht nicht nur aus Menschen, die in der Stadt geboren und aufgewachsen sind. Der Blick von aussen ist immer spannend – und sowieso: Oliver Rihs lebt seit fast 25 Jahren in Berlin und hat hier schon so einiges erlebt.
Und so viel ich gehört habe, sogar Geschichten, die viel krasser waren als die, welche er jetzt «#Schwarze Schafe» erzählt. Ich habe ja bereits am Anfang unseres Gespräches erwähnt: Manchmal spielt das Leben noch die verrückteren Geschichten als sie im Kino erzählt werden.
Der Film «Schwarze Schafe» läuft ab Donnerstag, 24. Juli 2025, in den Schweizer Kinos.