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Komiker Michael Elsener tritt oft im Ausland auf: Plant er eine internationale Karriere?
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Komiker Michael Elsener

«Wir Schweizer sind auch lustig, wenn kein Bundesrat versucht Englisch zu reden»

«Ich zeige in meiner Show, wo die Schweiz paradiesisch ist, aber auch, wo sie mal nicht so paradiesisch ist»: Michael Elsener über seine Show «How To Live in Paradise».

«Ich zeige in meiner Show, wo die Schweiz paradiesisch ist, aber auch, wo sie mal nicht so paradiesisch ist»: Michael Elsener über seine Show «How To Live in Paradise».

Bild: Keystone

Michael Elsener ist einer erfolgreichsten Schweizer Komiker. Das hat auch der britischen Comedy-Star Russell Howard bemerkt, der ihn als Begleitact auf seine Tour mitnahm. Plant Elsener nun eine internationale Karriere?

Bruno Bötschi

Bruno Bötschi

13.06.2025, 17:00•15.06.2025, 10:26

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Komiker Michael Elsener gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten Kabarettisten hierzulande.
  • Das hat auch der britische Comedian Russell Howard bemerkt und Elsener Anfang Jahr als Supporting Act für seine Europa-Tournee eingeladen.
  • «In europäischen Städten wie Paris in so schönen grossen Venues auftreten zu können, mit einem Publikum, das super zu meiner Comedy passt: Ich fühlte mich sehr privilegiert», sagt Elsener.
  • Mittlerweile bekommt Elsener auch immer mehr Anfragen aus der Schweiz, ob er auf Englisch auftreten könne. Da liegt die Frage nahe: Träumt der 39-Jährige gar von einer internationalen Karriere?
Zusammenfassung erstellt mitmyAi

Michael Elsener, Anfang des Jahres warst du mit dem britischen Comedy-Star Russell Howard auf Europa-Tournee. Wie war es?

Es war grossartig. In europäischen Städten wie Paris in so schönen grossen Venues auftreten zu können, mit einem Publikum, das super zu meiner Comedy passt: Ich fühlte mich sehr privilegiert.

Ich habe jeweils die ersten fünf Minuten meines Auftritts zu Aktualitäten gemacht. So war ich ständig am Neues entwickeln. Und Russell war unglaublich wertschätzend. In der Garderobe haben wir jeweils über unsere Auftritte gesprochen und uns gegenseitig Feedback gegeben. Ich habe durch ihn nochmals viel gelernt.

Weisst du, warum Russell Howard gerade dich als Supporting Act ausgesucht hat?

Wir sind uns einmal am Fringe Festival in Edinburgh begegnet, als ich hauptsächlich Zuschauer war und einfach bei ein paar Mixed Shows aufgetreten bin. Dort meinte er: «Wenn ich wieder mal einen Opening Act suche, dann gerne dich.»

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Nun, ein paar Jahre später, hat sich sein Manager darum gekümmert und irgendwie schien die Notiz von damals im Büro untergegangen zu sein. So hat er bei Veranstaltenden rumgefragt, wen er als Opening Act buchen solle. Zu meinem Glück haben dann die Leute, die er um Rat gefragt hat, gesagt: «Buch den Elsener.» (Lacht)

Jetzt wurdest du auch noch ausgewählt, um beim Fringe Festival in Edinburgh, dem grössten und renommiertesten Comedy-Festival der Welt aufzutreten. Was macht dieses Engagement mit dir – und wie nervös bist du?

Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie mich ins offizielle Festival-Programm aufnehmen. Es ist ein riesiges Festival mit Shows von morgens früh bis nachts um 2 Uhr. Eine richtig gute Venue hat mich ausgesucht und sie bringen mir sehr viel Vertrauen entgegen.

Ich darf zur Prime Time um 20.20 Uhr auftreten. Das hat mich extrem gefreut. Und spornt mich sehr an. Aktuell bin ich so vertieft am Feilen meiner Stand-up-Stories, dass es für Nervosität keinen Platz hat. Aber die kommt dann schon noch.

Wo und wie oft darfst du deine Show «How To Live in Paradise» am Fringe Festival zeigen können?

Ich werde im August praktisch jeden Abend auf der Bühne stehen und meine 60-minütige Show performen. Direkt im Festival-Zentrum beim George Square. Es geht in der Show darum, dass viele sagen: «Das Paradies ist immer grad da, wo man nicht ist.» Und: «Die Schweiz ist doch das Paradies.»

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Ich zeige in meiner Show, wo die Schweiz paradiesisch ist, aber auch, wo sie mal nicht so paradiesisch ist. Im Angesicht des Zustandes der Welt, zeige ich in der Show, wie man sich ins Paradies denkt – quasi meine Interpretation von «The Secret Swiss Recipe».

Bist du der erste Schweizer Komiker, der beim Fringe Festival in Edinburgh auftreten darf?

Die grossartigen Ursus & Nadeschkin waren vor einigen Jahren auch schon dort. Aber ansonsten ist mir gerade kein Schweizer Solo-Comedian bekannt, der im offiziellen Festival-Programm aufgetreten ist. Ich möchte die Schweiz natürlich auf gute Art vertreten und zeigen: Leute, wir Schweizer sind auch lustig. Also nicht nur dann, wenn ein Bundesrat auf CNN versucht Englisch zu reden ...

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Verändert sich dein Humor als Komiker, wenn du der Bühne Englisch sprichst – und wenn ja, wie?

Das ist eine total spannende Frage. Ich finde tatsächlich: Wenn ich Englisch rede, werde ich zu einer etwas anderen Persona auf der Bühne. Ich formuliere Dinge direkter. Ich finde die englische Sprache übrigens extrem praktisch für Humor.

Warum?

Sagen wir das Wort, das einem zum Lachen bringt, ist «Apfel». Auf Englisch kann ich sagen: «And so: I ate the apple.» Die Leute hören «Apple» und lachen direkt. Auf Deutsch muss ich sagen: «Und dann habe ich den Apfel gegessen.» Die Leute wollen eigentlich bei «Apfel» schon lachen, müssen aber noch warten, bis ich den Satz fertig habe. Das führt zu einem weniger unmittelbaren Gefühlsausdruck.

«In europäischen Städten wie Paris in so schönen grossen <em>Venues</em> auftreten zu können mit einem Publikum, das super zu meiner Comedy passt: Ich fühlte mich sehr privilegiert»: Michael Elsener (links) über seine Tournee mit dem britischen Comedy-Star Russell Howard.

«In europäischen Städten wie Paris in so schönen grossen Venues auftreten zu können mit einem Publikum, das super zu meiner Comedy passt: Ich fühlte mich sehr privilegiert»: Michael Elsener (links) über seine Tournee mit dem britischen Comedy-Star Russell Howard.

Bild: Privat

Der britische Komiker Ricky Gervais sagte in einem Interview: «Wer es schafft, Widrigkeiten ins Gesicht zu lachen, ist kugelsicher.» Was bringt dich in diesen komplizierten Zeiten zum Lachen?

Das sehe ich auch so. Ganz viele Geschichten, die ich in meinem englischen Stand-up-Programm erzähle, waren für mich einmal schmerzhafte Erlebnisse. Ich versuche auch in schwierigen Situationen den Humor zu finden. Manchmal gelingt es mir besser, manchmal weniger. Häufig braucht es etwas Zeit. Wenn ich meine Comedy daraus schöpfe, ist sie tiefgründiger und die Zuschauenden erkennen sich häufig in meinen Storys wieder. Von daher: In der aktuellen Weltsituation lache ich vor allem über mich selber.

Die aktuelle Lage der Welt ist beklemmend. Verändert das deine Aufgabe als Komiker?

Ich finde, dass sich das Feedback der Zuschauenden verändert hat. Ich habe direkt nach der Bundestagswahl im vergangenen Februar in München einen Auftritt auf Englisch gemacht. Die AfD hatte 20 Prozent geholt. Das Publikum war zu Beginn extrem betrübt. Ich habe mein Set gestartet mit Jokes über Alice Weidels Widersprüche und das Verhalten von ein paar Leuten aus der CDU.

Bis zum Ende von meinem Set habe ich probiert den Bogen zu einer positiven Lebenseinstellung zu spannen. Als ich danach kurz im Foyer unterwegs war, sagten sicher 10 Leute: «Danke dir. Darf ich dich bitte auf einen Drink einladen?» Und meinten «Du hast uns mit deiner Comedy die Hoffnung zurückgegeben.»

Ich finde, Comedy ist ein wichtiges Ventil und eine Möglichkeit sich auf kreative Art zu wehren gegen Leute, die Macht über uns ausüben.

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Bötschi fragt

Torsten Sträter: «Jetzt muss mir das auch noch ein Schweizer unter die Nase reiben»

Im Vergleich zum Rest der Welt betrachten sich die Menschen auf der britischen Insel selbst als Weltmeister*innen des Witzes. Meinst du, dass sie den Humor eines Schweizers ebenfalls lustig finden werden?

Ich bin sehr inspiriert von britischem Humor. Vor kurzem habe ich meine Show «How To Live in Paradise» in der Schweiz ausprobiert. Und am meisten positives Feedback bekam ich von Menschen, die ursprünglich aus London stammen. Sie meinten, sie mögen diese frische, für sie neue Art des Humors.

Englischer Humor ist ein erfolgreicher Exportartikel. Träumst du von einer internationalen Karriere – oder wie sehen deine weiteren Pläne aus?

Mir gefällt es hier. In der Schweizer Bevölkerung gibt es sehr viele Menschen, die hauptsächlich Englisch reden. Das heisst, ich bekomme in der Schweiz mittlerweile immer mehr Anfragen, ob ich auf Englisch auftreten kann.

Die englische Stand-up-Comedy mache ich aber vor allem, weil ich mich selbst neu herausfordern möchte und so viel Neues lernen kann. Ich sehe dadurch auch meine Schweizer Comedy aus einer neuen Perspektive. Das fühlt sich sehr inspirierend an. So denke ich die Dinge neu. Von daher: Mein aktuelles Vorhaben ist, dank der englischen Comedy mehr über mich selber herauszufinden.


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