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Mit ihrem heute erschienen Album «Confessions II» feiert Madonna – sieben Jahre nach ihrem letzten Studioalbum – die Rückkehr auf die Tanzfläche.
Warner Music
Die Queen of Pop ist zurück. Nach 17 Songs ist klar: Der grosse Hit bleibt zwar aus – dennoch ist Madonna ihr bestes Album seit «Confessions on a Dance Floor» gelungen.
Madonna will es noch einmal wissen.
Ich bin mit der Musik der Queen of Pop gross geworden. Entsprechend nervös war ich, als im April bekannt wurde, dass sie mit «Confessions II» an ihr Erfolgsalbum «Confessions on a Dance Floor» von 2005 anknüpfen will.
Damals schenkte uns Madonna mit «Hung Up» ihren bislang letzten grossen Popmoment. In den Jahren danach ging es bergab – zumindest kommerziell: Seither verkaufte sich jedes neue Album schlechter als sein Vorgänger.
Doch kaum eine Popmusikerin hat sich in den vergangenen Jahren so beharrlich gegen Stillstand gewehrt wie Madonna. Kann sie als Königin der Neuerfindung noch einmal ganz oben angreifen?
Hat «Confessions II» wieder Songs, die das Zeug zu einem Welthit à la «Hung Up» haben? Es wäre nur logisch, denn das Album entstand erneut in Zusammenarbeit mit Disco-Mastermind Stuart Price.
Hier mein Schnellcheck aller 17 Songs:
Schon der erste Song der Platte beweist: Die Queen of Pop ist zurück. «I Feel So Free» ist ein schwebender House-Track – gemacht für endlose Afterhours.
Madonna träumt davon, im Schutz der Nacht jemand anderes zu sein – ein Motiv, das sie schon 1984 in «Into the Groove» besang: «Ich kann sein, wer immer ich sein will, eine neue Persona erschaffen.»
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Der Song klingt nostalgisch, aber nicht verstaubt. Statt ihr Alter kaschieren zu wollen, feiert die 67-Jährige Freiheit und Selbstbestimmung. Ein starker Auftakt, der Lust auf mehr macht.
Der Titel ist Programm: Madonna liefert einen Song zum Durchatmen. «Vergiss nicht, dass es gut für die Seele ist», singt sie. Yoga-Liebhaber*innen werden den Song lieben. Im Club dürfte er dagegen kaum für Schweissperlen sorgen.
Kurz vor der Veröffentlichung sagte Madonna: «Ich kann keine Songs über nichts schreiben. Ich muss Geschichten erzählen.» Tatsächlich verarbeitet sie auf «Confessions II» erstaunlich viele familiäre Traumata (dazu später mehr) – verpackt in warme, tanzbare Popmusik.
Endlich, es geht auf den Dancefloor. «Die Leute denken, Tanzmusik sei oberflächlich – dabei liegen sie völlig falsch», singt Madonna.
Und sie hat recht. Der Beat treibt die Beine an, wenn auch entspannter als früher. Keine wilde Clubnacht wie zu «Hung Up»-Zeiten, eher stilvolles Tanzen bis zum Sonnenaufgang.
House, Disco und ein Duett zusammen mit Sabrina Carpenter – auf dem Papier klingt das nach einem musikalischen Volltreffer. Tatsächlich erinnert der Song, den die beiden Musikerinnen im vergangenen April beim Coachella-Open-Air uraufführten, angenehm an «Confessions on a Dance Floor».
Nur ein Problem bleibt: Mich zieht er nicht wirklich auf die Tanzfläche. Na ja, Mensch kann ja auch einmal nur zugucken.
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«Danceteria» ist eine Liebeserklärung an das New York der 1980er. Madonna nimmt uns mit in den legendären Club, in dem sie als unbekannte Tänzerin zwischen Künstlern, Musikstars und Nachtschwärmern ihre ersten grossen Träume hatte.
Der Song sprüht vor Nostalgie. «Danceteria» gehört zu den «erfreulichsten Disco-Ausflügen des Albums», findet auch das Magazin «Rolling Stone».
Wer hätte gedacht, dass Madonna ausgerechnet einen Song mit Fussballstadion-Energie liefert? Zusammen mit dem kolumbianischen Sänger Feid, der einen spanischen Gesangseinschub beisteuert, mischt sie Latin-Pop, Bläser und Marschband-Rhythmen zu einer überraschenden Hymne. Textlich geht es um Lügen, verletzten Stolz und toxische Beziehungen.
Der Höhepunkt des Albums ist «Everything» – ein Club-Banger mit der Härte eines Presslufthammers. Die Beats knallen so kompromisslos, dass man das Poppers förmlich riechen kann. Doch statt nur die nächste Partynacht zu feiern, trifft Madonna einen Nerv: Warum geht eigentlich niemand mehr aus?
Während Clubs reihenweise schliessen und viele junge Menschen lieber zu Hause durch schlechte Nachrichten scrollen, stemmt sie sich gegen den Zeitgeist. «Niemand will nach drausen gehen, das ist nicht in Ordnung», singt sie fast trotzig. Für Madonna ist die Tanzfläche kein Luxus. Sie ist Überlebensstrategie.
Mit treibenden House-Beats, flirrenden Synthesizern und euphorischem Refrain knüpft Madonna nahtlos an den Sound von «Confessions on a Dance Floor» an.
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Der Song funktioniert. Punkt. Er geht sofort ins Ohr und dürfte auf vielen Tanzflächen landen. Trotzdem fehlt ihm das gewisse Etwas, das aus einem guten Song einen Hit macht.
Schöner Einstieg, schöner Beat – und dann bremst sich der Song immer wieder selbst aus. Gerade wenn ich denke: «Jetzt hebt er ab», folgt die nächste ruhige Passage. Schade. Da wäre mehr drin gewesen. Aber Madonna hat natürlich trotzdem recht: Tanzen ist wie Liebe ohne Worte.
Für diesen Song arbeitete die Queen of Pop mit dem niederländischen Musikproduzenten und DJ Martin Garrix zusammen. Ein cooler Tanz-Track. Na ja, scheinbar. Denn viele Fans fragen sich bereits: Ist «Bizarre» eine arg verspätete Spitze gegen Ex-Sean Penn? Das Paar trennte sich 1989.
Madonna singt von einem Star, der mit dem Erfolg nicht umgehen konnte – Penn wird allerdings mit keinem Wort erwähnt. «Man rollt uns den roten Teppich aus, aber du willst ihn nicht mit mir teilen. Ich schätze, du fühltest dich von mir bedroht, willst es aber nicht zugeben.»
Was schrieb ein Kritiker vor Jahren einmal über das Phänomen Madonna? «Sie ist die Indiskretion in Person, die konstruierte Inkarnation des Anrüchigen. Sie weiss: Was nicht auffällt, fällt ab.»
Hier zeigt sich eine der Schwächen des Albums: Madonna blickt immer wieder zurück – musikalisch wie inhaltlich. Das ist oft berührend. Aber nicht jede emotionale Aufarbeitung passt auf die Tanzfläche.
Das nächste Drama, der nächste emotionale Song: «Fragile» ist ihrem 2024 verstorbenen Bruder Christopher gewidmet, der ihre Karriere über Jahrzehnte prägte – zunächst als Tänzer, später als Kreativdirektor ihrer Tourneen. Akustikgitarren statt Clubbeats. Trauer statt Euphorie. Ein Song, der unter die Haut geht.
2010 stürmte der Song «Alors on dance» die Hitparaden: Treibend, tanzbar und doch melancholisch. Der Interpret: Stromae aus Belgien. Ein One-Hit-Wonder? Fehlanzeige. Der belgische Künstler Stromae gesellt sich zu Madonna auf dem katholischen Exorzismus «My Sins Are My Savior».
In diesem Song, mit viel Klavier und Trompete unterlegt, zeigt Madonna keine Nachsicht mit den Menschen aus ihrer Familie. Im Lied, welches mit Erik Saties «Gnossienne Nr. 1» unterlegt ist, geht es um das Thema Verrat und ihre 2024 verstorbene Stiefmutter Joan Ciccone. Ihr macht Madonna klar, dass sie niemals den Platz ihrer Mutter einnehmen konnte.
Es folgt die grösste Überraschung des Albums: Madonna singt gemeinsam mit Tochter Lourdes, die sich als Sängerin Lola Leon nennt, ein Duett.
Der Song ist ruhig, intim und bewegend. Fast wie eine Beichte. In «The Test» entschuldigt sich Mutter bei der Tochter, dass sie in eine so verrückte Promi-Welt hineingeboren hat.
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Madonna zitiert aus dem wiegenliedartigen «Little Star», ihrer zärtlichen Liebeserklärung an ihr neugeborenes Kind aus dem Album «Ray Of Light» von 1998. Die erwachsene Lourdes bekräftigt ihre Zuneigung.
Nach all den Clubbeats landet Madonna mit «L.E.S. Girl» sanft am Morgen danach. Die Nacht ist vorbei, der Eyeliner verschmiert, das Geld knapp – geblieben ist nur die Erinnerung an die junge Frau auf der Lower East Side, die schon damals wusste, dass sie für Grösseres bestimmt war.
«Confessions II» ist nicht das neue «Confessions on a Dance Floor». Der eine unsterbliche Pop-Hit wie «Hung Up» fehlt. Leider.
Trotzdem ist Madonna musikalisch so gut wie seit Jahren nicht mehr. Sie verbindet persönliche Geschichten mit Clubmusik, ohne dabei wie eine Nostalgie-Kopie ihrer selbst zu wirken.
Für mich ist «Confessions II» Madonnas bestes Album seit «Confessions on a Dance Floor». Allein das ist ein kleines Pop-Wunder. Ob daraus auch ein kommerzieller Triumph wird, muss sich erst zeigen.