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Entertainerin Hella von Sinnen öffnet die Türen zu ihrem Wohnzimmerstudio mit dem Video-Podcast «Gestatten, von Sinnen!». Eine neue Folge gibt es jeden zweiten Freitag – überall dort, wo es Podcasts gibt.
Bild: Getty Images
Hella von Sinnen ist zurück: Nach ihrem schweren Unfall startet die Entertainerin einen eigenen Video-Podcast. Im Interview spricht die 67-Jährige über ein mögliches «Genial daneben»-Comeback, das Älterwerden und ihre Arbeit an einer Kölsch-Version von «Asterix bei den Schweizern».
Hella von Sinnen, Ihr Video-Podcast heisst «Gestatten, von Sinnen!». Was erwartet uns?
Zunächst einmal will ich ganz normale Gespräche mit den Gästen führen und mich dabei auch amüsieren. Es kann humorvoll werden oder auch ernsthaft – alles kann ein Thema sein. Jedes Gespräch soll anders laufen, darf auch anders laufen. Natürlich will ich meine Intuition einsetzen. Aber denken Sie dran: Ich bin keine Journalistin. Ich bin das Helli, und ich möchte mich einfach unterhalten.
Also eher eine Unterhaltung als ein Interview?
Ja, Gespräche eben. Ich trete wie gesagt nicht als Journalistin an und möchte auch nicht, dass bei meinen Gästen das Gefühl eines Interviews entsteht.
Sie haben schon früher erklärt, dass Sie gerne mal eine eigene Talkshow hätten. In gewisser Hinsicht erfüllt sich nun dieser Wunsch ...
Absolut richtig. Schon schön, dass da auf meine alten Tage noch ein Traum in Erfüllung geht. Ich erinnere mich an Joachim Fuchsbergers «Heut' abend», das hab ich unglaublich gerne gesehen. Dazu auch die Talks mit Alfred Biolek oder mit Roger Willemsen. Das waren Sendungen, die ich liebte. An deren Ende hatte ich das Gefühl, wirklich mehr über einen Menschen erfahren zu haben.
In den vergangenen Jahrzehnten waren Sie gewöhnt, dass sich vieles um Sie dreht – wann immer man Sie traf, ging es durchaus laut und bunt zu. Nun geht es vor allem ums Zuhören.
Ach, Sie wissen doch, dass es bei diesen erwähnten Auftritten oft um das Bewerben von Fernsehformaten ging. Wobei – nehmen Sie es mir nicht übel: Mir sind einfach viele wiederkehrende Fragen der Journalisten in all den Jahren so auf den Sack gegangen, dass es einfacher für mich war, sehr laut zu sein. Nach dem Motto: «Bamm; bamm, bamm, Ihr wollt mich so knallig hören, also kriegt Ihr mich so.» Aber das Kempers Helli, Wiesenstrasse 10, war dann doch auch jemand anderes. Und diese Person kann durchaus Interesse am Gegenüber entwickeln.
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Es fällt schon auf, dass wir Journalist*innen gerne das Gleiche abfragten: Es ging um die Vorzeige-Dicke-Tante, die Vorzeige-Lesbe, früher mal die Ulknudel – da kann schon die eine oder andere Seite der Hella von Sinnen in der Öffentlichkeit zu kurz gekommen sein.
Da möchte ich Ihnen doch recht geben.
Zwischendrin: Gibt es eigentlich irgendetwas in Sachen der TV-Show «Genial daneben» zu vermelden? Im vergangenen Jahr wurde noch ein paar neue Folgen bei RTLZwei ausgestrahlt, seither hört man nichts mehr. Dabei ist das der Comedy-Klassiker schlechthin. Mit Hugo Egon Balder und Ihnen lief das über 20 Jahre.
Es gibt leider nichts Neues. Hugo schreibt mir ab und an: «Bleib gesund – am Ende müssen wir beide vielleicht ja doch noch mal ran». Ganz ehrlich: Ich hoffe sehr auf eine Rückkehr. Aber ich habe derzeit nicht den Eindruck, dass sich da was rührt. Was ich wirklich schade finde. Klar sind wir alte Schlachtrösser, aber es gibt eine treue Fangemeinde dieser Sendung, die wir über die Jahre ja auch immer wieder mit einer neuen Generation Comedians verjüngt haben.
Mit Ihrem eigenen Podcast sind Sie nun nicht mehr abhängig von Tv-Sendern und quasi Ihr eigener Herr ...
Darf ich korrigieren? Eigene Dame ...
Entschuldigung. Ein gutes Gefühl, oder?
Ein wunderbares Gefühl. Ich habe hier bei der Produktion dieses Podcasts herrliche Menschen um mich herum. Ich habe ja Erfahrung. In den vergangenen vier Jahrzehnten sind mir schon auch eine Menge Idioten in den Redaktionen und Chefetagen über den Weg gelaufen. Aber hier arbeiten so aufgeräumte und zugewandte Menschen, die es gut mit mir meinen. Ich bin wirklich demütig dankbar, wenn ich sehe, welches Geschenk man mir hier macht. Nehmen Sie nur das wunderbare Bühnenbild ...
Das Bild, das da über Ihnen hängt, zeigt Bette Davis, richtig?
Absolut. Ich habe Bette Davis 1980 zu ihrem Geburtstag gratuliert, nachdem ich ihre Autogrammadresse in einer Zeitschrift gefunden hatte.
Was schrieben Sie ihr denn?
«You are the most wonderful actress, I ever saw on the screen. I want to be an actress, too. Is it possible, to get an autographof you?»
Und?
Eine Weile später lag ein sehr grosser Umschlag in meinem Briefkasten – mit Schwarz-Weiss-Bild und persönlicher Widmung. Meine Freundin Karli hat das Original dann für mich vergrössert, farblich bearbeitet, und nun hängt das Ergebnis hier.
Horst Lichter wäre begeistert – was für tolles Stück.
Ich bitte Sie. Sie glauben doch nicht allen Ernstes, dass ich das verkaufen würde. Selbst wenn ich den Löffel abgebe, werden es Menschen hoffentlich in Ehren halten – oder ins Hella von Sinnen Museum geben.
«Alt werden ist nicht für Feiglinge» hat Bette Davis gesagt. Ohne uncharmant sein zu wollen – glauben Sie, Bette Davis hat recht?
Sie hat total recht. Ich kann es noch nicht in allen Konsequenzen beurteilen, weil ich ja noch jung bin. Ich habe mir ja erst einmal nur die Beine gebrochen, was auch einer 30-Jährigen passieren kann. Aber es stimmt schon, es ist schlimm, wenn die Einschläge näherkommen. Wenn Freunde plötzlich nicht mehr da sind ...

«Ich trete wie gesagt nicht als Journalistin an und möchte auch nicht, dass bei meinen Gästen das Gefühl eines Interviews entsteht»: Hella von Sinnen.
Bild: Raab Entertainment GmbH/Willi Weber
Dinge oder Eigenschaften – wird irgendetwas schöner im Alter?
(Denkt lange nach) Nicht so richtig. Ich werde auch nicht versöhnlicher oder so. Ich rege mich immer noch genauso wie vor 50 Jahren über die Faschisten auf, über die Queeren- und Woke-Feindlichkeit. Meine Wut verdampft nicht. Manchmal kokettiere ich damit, ich wäre gelassener geworden, aber wenn es dann mal Spitz auf Spitz geht – am Arsch die Räuber. Da steige ich genauso aus dem Hemd wie früher.
Nichts besser über 60?
Nein, eigentlich nicht. Aber warten sie – mir fällt etwas ein: Durch die Streamingdienste mit den Untertiteln ist mein Englisch erheblich besser geworden. In der Schule hatte ich da ne Beton-Sechs.
Sie schauen gerne TV-Serien. Haben Sie etwas neues Sehenswertes entdeckt im normalen Fernsehprogramm, ausser Ihren Favoriten «Kunst und Krempel» und «Kulturzeit»?
Im analogen Fernsehen: Nein. Nichts. Ich binge also weiter Serien. Zuletzt etwas Neues von den Duffer-Brüdern, die vorher «Stranger Things» gemacht haben. «The Boroughs» heisst es, im Grunde «Stranger Things» mit Rentnern. Mit der offengesichtlich facegelifteten Geena Davis und Alfred Molina. Acht Folgen, sehr sehenswert.
Was steht ausser dem Podcast gerade noch an?
Wir dürfen ein weiteres Asterix-Hefte auf Kölsch übersetzen. Das machen Conny Scheel, Vera Kettenbach und ich. Gerade haben wir «Asterix bei den Schweizern» übersetzt: «Jux, Kies und Edelwiess». Das hat viel Freude gemacht.
Kies?
Käse. Asterix bei den Schweizern!
Sie haben neulich einmal damit kokettiert, dass Sie nach Ihrem Unfall keinen Alkohol mehr trinken. Stimmt das noch?
Naja. Ich muss das etwas korrigieren. Manchmal belohne ich mich schon. Wenn ich hier mit diesem Interview zum Beispiel durch bin, fahre ich mit meinem Lieblingsauto Elsa zur Tankstelle ...
Von Elsa haben Sie schon vor Jahrzehnten einmal erzählt. Die lebt noch?
Aber ja. Baujahr 92. Und mit ihr fahren wir hier dann zur Tanke, wo es Kölsch in Dosen gibt, das so kalt ist, dass frau es kaum fassen kann. Das wird zischen. Da können es dann schon mal zwei werden, und das dritte bleibt daheim dann zur Hälfte stehen. Ehrlich: Ich trinke kaum noch Alkohol. Ich vertrage ja auch nichts mehr, nachdem ich nach dem Unfall über zwei Jahre nichts gesoffen habe. Hätte ich das einmal früher kapiert, da hätte ich mir im Leben viel Geld sparen können.