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Sophie Thatcher spielt die Schauspielerin Elle in dem traumartigen Neo-Noir-Thriller.
© byNWR
Zehn Jahre ist es her, seit der dänische Filmemacher Nicholas Winding Refn seinen letzten Film «The Neon Demon» rausbrachte. Mit «Her Private Hell» präsentiert er in Cannes sein neustes Werk und bricht dort in Tränen aus.
Sein einzigartig cooler Thriller «Drive» hat Kultstatus erreicht – wegen seines extravaganten Looks und Designs, Ryan Goslings auffälliger Bomberjacke mit Skorpion-Motiv und nicht zuletzt auch wegen seines sphärischen elektronischen Synthwave-Soundtracks. Der dänische Regisseur Nicholas Winding Refn hat einen ganz eigenen Filmstil entwickelt: Knallige Neonfarben in düsteren Umgebungen, ausgefallene Dekors, traum- oder albtraumartige Stimmungen, geheimnisvolle Figuren.
Sein letztes Werk «The Neon Demon», welches vom knallharten Geschäft in der Modewelt handelt, liegt bereits zehn Jahre zurück. Nun kehrt Winding Refn endlich wieder auf die grosse Leinwand zurück und präsentiert seinen neuen Film «Her Private Hell» in Cannes, wo seine letzten drei Filme allesamt auch ihre Weltpremieren feierten.
Die lange Auszeit ist unter anderem auch auf ein gesundheitliches Problem zurückzuführen, wie der Filmemacher bei der Weltpremiere und der Pressekonferenz erklärt. Die positive Resonanz des Publikums und die lange Standing Ovation rühren ihn zu Tränen und sichtlich mitgenommen erzählt er von einer Nahtoderfahrung. Während einer Herzoperation, der er sich unterziehen musste, sei er 25 Minuten lang tot gewesen, bevor er dank der Elektrizität wieder zurückgebracht wurde. Seine Sichtweise auf das Leben habe sich seither drastisch geändert und er wolle das Bestmögliche aus seiner verbleibenden Zeit herausholen.
Seinem Filmstil ist er in «Her Private Hell» treu geblieben. Allerdings scheint es fast so, als wären ihm die visuellen Aspekte noch wichtiger geworden als das Storytelling. Die Handlung des Neo-Noir-Thrillers bewegt sich irgendwo zwischen der dargestellten Realität und einer Traumwelt. Und stellenweise ist nicht auszumachen, wo wir uns gerade befinden.
Sophier Thatcher – bekannt aus den Horrorfilmen Heretic und Companion – spielt die erfolgreiche Schauspielerin Elle, die für ihr neustes Projekt in ein futuristisch aussehendes Hotel eincheckt. Dort begegnet sie zuerst einer aufgeregten neuen Arbeitskollegin (Kristin Froseth) und später ihrer Konkurrentin Dominique (Havana Rose Liu). Elle und Dominique pflegen nicht nur wegen der Arbeit ein spezielles Verhältnis. Die gleichaltrige Dominique ist auch die Freundin von Elles Vater. Und dieser bleibt nicht der einzige Mann, um dessen Gunst sie buhlen.
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Parallel wird die Geschichte eines amerikanischen Soldaten (Charles Melton) erzählt, der auf der Suche nach seiner verschollenen Tochter ist. Und während all dem treibt in der dystopischen Stadt ein Serienkiller, vor dem sich alle fürchten, sein Unwesen: «The Leather Man».
Die Geschichte ist wahrlich nicht einfach nachzuvollziehen. Und Sinnhaftigkeit in der ganzen Erzählung auszumachen, ist auch schwierig – bis auf ein paar oberflächliche Statements zur weiblichen Emanzipation allenfalls.
Trotzdem schafft es Nicholas Winding Refn aber irgendwie, zu faszinieren mit seiner kunstvollen Interpretation dieser schrägen Story. Es ist ein spannendes Erlebnis, diese dystopische, geheimnisvolle Welt mit allen ihren Neonlichtern zu entdecken. Die Bilder sind komplett durchgestylt und jede Einstellung ins letzte Detail arrangiert. Die Figuren sind cool, gutaussehend, verführerisch und sie führen teils sehr witzige, skurrile Dialoge.
Und auch der grossartige mal poppige, mal romantisch-träumerische Soundtrack trägt zur dichten Atmosphäre bei. Wem die Filme von Winding Refn generell zusagen, wird auch an «Her Private Hell» Gefallen finden – obwohl der Film seinen Vorgängern das Wasser nicht ganz reichen kann.