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«Nürnberg» mit Russell Crowe und Rami Malek in den Hauptrollen läuft ab 7. Mai in den Kinos.
Was steckt hinter der Faszination des Bösen? Der neue Film «Nürnberg» mit den Hollywood-Stars Russell Crowe und Rami Malek beleuchtet das Phänomen, wie nahe Abscheu und Anziehung beieinanderliegen. Doch wie viel Wahrheit steckt im historischen Drama?
Die Liste mit Spielfilmen, die den Zweiten Weltkrieg thematisieren, ist lang: Von Chaplins Satire «Der grosse Diktator» über Spielbergs Holocaust-Drama «Schindlers Liste» zu Glazers Nazi-Familienporträt «The Zone of Interest». Mit «Inglourious Basterds» hat Tarantino das Groteske bis an seine Grenzen getrieben.
Auch die Nürnberger Prozesse dienten mehrfach als Vorlage für Spielfilme. Im 2000 erschien ein prominenter Zweiteiler, der die Prozesse aus der Sicht des Chefanklägers Robert H. Jackson (gespielt von Alec Baldwin) darstellt. Der Schotte Brian Cox schlüpfte dabei in die Rolle des selbst ernannten Reichsmarschalls Hermann Göring.
In der neusten Verfilmung kommt es zu einem Gipfeltreffen zweier Oscar-Preisträger: Russell Crowe wurde 2001 für seine emotionsgeladene Interpretation des Tribuns Maximus in «Gladiator» ausgezeichnet. Nun spielt er den 1945/46 bei den Nürnberger Prozessen angeklagten Hermann Göring, einen der Kriegsverbrecher des faschistischen Deutschlands der Jahre 1933 bis 1945. Er galt als Adolf Hitlers rechte Hand, war Reichsminister und Oberbefehlshaber der Luftwaffe.
Rami Malek ist bekannt für seine ausgeprägten Charakterstudien und mitreissenden Darstellungen. 2019 erhielt er für seine Rolle in «Bohemian Rhapsody» den begehrten Academy Award als Bester Hauptdarsteller. In «Nürnberg» spielt Malek den US-amerikanischen Psychiater Douglas M. Kelley.
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Der Film basiert auf dem Buch «The Nazi and the Psychiatrist», welches 2013 erschien. Der Autor Jack El-Hai schildert darin – basierend auf persönlichen Unterlagen – die Beziehung zwischen Kelley und dem Nazi-Verbrecher Göring.
Im Frühsommer 1945 wurde der US-Militärpsychologe Douglas M. Kelley eingeflogen. Er sollte vor den Nürnberger Prozessen die Zurechnungsfähigkeit hochrangiger Nazis im Gefängnis beurteilen und dafür sorgen, dass diese gesund vor Gericht erscheinen. Einer davon war Hitlers Stellvertreter Hermann Göring, welcher sich wenige Wochen zuvor den alliierten Streitkräften ergeben hat.
Aus psychologischer Sicht war für Kelley spannend, ob es einen gemeinsamen Nenner für das Böse gibt. Sowohl im Film als auch im Buch steht diese Frage im Fokus. So geht Kelley der Frage nach, ob es einen «Nazi-Virus» gibt.
Inspiriert vom Roman «The Nazi and the Psychiatrist» zeigt der Thriller Oscar-Gewinner Malek und Crowe im Duell zwischen Moral und Manipulation. Der Film lebt von psychologischer Spannung zwischen Kelley und Göring.
Bild: © 2025 Ascot Elite Entertainment. All Rights Reserved.
Regisseur James Vanderbilt weicht jedoch an verschiedenen Stellen vom Buch ab. So enthält der Film gleich mehrere fiktive Szenen, um die Spannung zu erhöhen, wie beispielsweise private Treffen zwischen Kelley und Göring, die so nicht stattgefunden haben.
Weiter stellt Russell Crowe Göring als charismatischen, intelligenten und souveränen Strategen dar. Im Buch hingegen wurde er eher als korpulent und schlicht manipulativ beschrieben. Während Douglas Kelley im Buch ein objektiver Beobachter ist, der seine Erkenntnisse in Protokollen festhält, wird er im Film zu einer zentralen Figur, die eine intensive, fast parasoziale und manipulative Beziehung zu Göring eingeht.
Der von dem Sachbuch angeregte Spielfilm verheddert sich, so wie vor achtzig Jahren wohl schon der wirkliche Douglas M. Kelley, zwischen Abscheu und Faszination. Nicht zuletzt ist diese Wirkung auf die schauspielerische Leistung von Crowe und Malek zurückzuführen.
So klug und spürbar engagiert Russell Crowe auch auftritt: Man nimmt ihm den perfiden Massenmörder nicht ab. Der Ruhm, den sich der beliebte Hollywood-Star als Freiheitskämpfer im alten Rom erarbeitet hat, steht dem Schauspieler beim Versuch der authentischen Darstellung eines widerlichen Menschenschinders und Mörders im Weg. Hier zeigt sich deutlich, inwiefern der «Fluch des Erfolgs» Einfluss haben kann. Wo Crowe ist, schwingt Glamour mit – und der stört hier.
«Nürnberg» läuft ab 7. Mai 2026 in den blue Cinemas.