Bundesliga-Abstiegskampf «Bodenständig» und «eklig»: So will Urs Fischer Mainz retten

Syl Battistuzzi

8.12.2025

Fischer: «Die Aufgabe in Mainz reizt mich»

Fischer: «Die Aufgabe in Mainz reizt mich»

08.12.2025

Neuer Coach, anderer Typ: Mainz will mit Urs Fischer die Wende in der Bundesliga schaffen. Seinen Werten will der Schweizer treu bleiben.

Syl Battistuzzi

Trainer Urs Fischer will den Krisenclub FSV Mainz 05 mit schweizerischer Besonnenheit zum Klassenerhalt in der Bundesliga führen. «Ein Vulkan bin ich nicht», sagte Fischer bei der Vorstellung als neuer Coach des Tabellenletzten. Fünf Zähler beträgt der Rückstand nach 13 Spieltagen auf den Relegationsrang, sechs Punkte auf einen Nichtabstiegsplatz.

Fischer, der von Sommer 2018 bis zur Trennung vor gut zwei Jahren Union Berlin trainiert hatte, will sich trotz der schwierigen Situation nicht verstellen. Der 59-Jährige wolle «authentisch» bleiben – ähnlich wie bei seiner letzten Station in Köpenick. Fischer selbst bezeichnete sich als «bodenständig». Aber er könne auch «eklig» sein.

In Mainz hat Fischer einen Vertrag bis Sommer 2028 erhalten. Für den Schweizer ist es die erste Station seit der Trennung von Union. Er habe sich trotz der aktuellen Situation des Clubs für den FSV entschieden, weil er ein «positives Gefühl» habe.

Erst Posen als Gegner, dann geht's zu den Bayern

Sein Debüt als Mainzer Trainer gibt Fischer am Donnerstag (21.00 Uhr) in der Conference League beim polnischen Club Lech Posen. Drei Tage später geht es in der Bundesliga zum FC Bayern München (17.30 Uhr).

Doch mit dem deutschen Rekordmeister will sich der neue Trainer erst am Freitag beschäftigen. «Ich habe die Aufgabe Posen im Kopf – mit der beschäftige ich mich.»

Die PK zum Nachschauen

  • Liveticker
    Neue Beiträge
  • Liveticker beendet
  • Über Zeit ohne Traineramt

    «Natürlich habe ich mich mit Fussball beschäftigt, sowohl erste als auch zweite Bundesliga angeschaut. Natürlich habe ich auch die Schweizer Liga und die Champions League verfolgt. Dann habe ich aber auch versucht, die Zeit mit meiner Familie verbringen, bin biken gegangen und habe mich sogar im Golf versucht.»

  • Aufgabe

    «Mit sechs Punkten Rückstand befinden wir uns im Abstiegskampf. Es sind aber noch viele Punkte zu vergeben. Du musst deine Aufgabe erledigen, dann darfst du danach auf die anderen Teams schielen. »

  • Fan-Beliebtheit

    «Union-Popularität hat keine Rolle bei Jobwahl gespielt. Bei Mainz hatte ich nun ein positives Gefühl, diese schwierige Aufgabe anzunehmen.»

  • Frauenfussball-Abteilung ausbauen?

    «Meine Tochter hat mal Fussball gespielt, weshalb ich mich für Frauenfussball interessiere. Wir hatten ja die EM in der Schweiz, die wunderbar war. Natürlich ist auch die Jugend wichtig für den Klub. Aber alles hängt davon ab, wie viel Zeit ich habe.»

  • Transferzugänge?

    «Das muss zuerst intern angeschaut werden. Ich bin sowieso nicht zuständig für Transfers.»

  • Bayern als grosse Hürde

    «Ich hab zuerst die Aufgabe Posen. Erst danach beschäftige ich mich Bayern.»

  • Wieso Mainz?

    «Einfache Situationen gibt's nicht. Trainerwechsel gibt es meistens halt in schlechten Phase. Christian Heidel und Niko Bungert haben mich in den Gesprächen überzeugt, dass ich die passende Personalie bin.»

    «Unsere Werte passen gut zueinander, weshalb ich mich für Mainz entschieden habe. Ich will die Mannschaft nicht mit Informationen überladen. Kleine Dinge anpassen, da beginnen wir. Heute war der erste Schritt: Wie bewegen wir uns auf dem Feld – gemeinsam. »

  • Fischer über Spielidee

    «Als Union-Trainer habe ich nicht gerne gegen Mainz gespielt, weil wir einen ähnlichen Ansatz hatten: eklig, kompakt, organisiert, langer Ball ist auch ein Thema.»

  • Fischer über sich selbst

    «Bodenständig, authentisch, pragmatisch. Ein Vulkan bin ich nicht, ich bin also kein Bo, einfach ich selbst.»

  • Sportchef Heidel

    «Haben jetzt einen Kontrast zu Bo gebraucht.»

  • Fischer über erste Eindrücke

    «Ich bedanke mich bei den Mainz-Verantwortlichen, dass ich hier übernehmen darf. Es ist nicht selbstverständlich, in der Bundesliga Trainer zu sein. Ich hatte einen guten Eindruck von den Jungs bei der ersten Trainings-Einheit. Bereits am Freitag hätten die Jungs einen Punkt verdient gehabt (0:1 gegen Gladbach). Wir befinden uns in einer schwierigen Situation, man muss aber weitermachen.»

  • Feuerwehrmann Fischer 

     Der FSV Mainz 05 hat am Sonntag Urs Fischer als Trainer verpflichtet. Der 59-Jährige tritt die Nachfolge von Bo Henriksen an und erhält einen Vertrag bis 2028.

    Fischer hatte zuletzt bis November 2023 den Ligarivalen Union Berlin gecoacht und war seit der Trennung vereinslos. Gleich zum Jahresauftakt am 10. Januar gibt es für Fischer ein Wiedersehen an der Alten Försterei.

    Am Donnerstag in der Conference League steht für Fischer beim polnischen Club Lech Posen das erste Pflichtspiel als Mainzer Coach an. 

    Nur ein Saisonsieg in der Bundesliga unter Vorgänger Henriksen

    Hauptaufgabe wird aber sein, das Schlusslicht aus dem Tabellenkeller der Bundesliga zu führen und den Abstieg nach 17 Spielzeiten im Oberhaus zu verhindern. An den ersten zwölf Spieltagen holten die 05er unter Henriksen nur einen Sieg.

    Fischers Bundesliga-Debüt als Mainz-Coach in München

    Die erste Aufgabe in der Bundesliga könnte aber kaum kniffliger sein: Nach dem Europapokal-Spiel in Posen sind die Mainzer am Sonntag um 17.30 Uhr beim Meister und Leader Bayern München zu Gast.

    «Es gibt keine einfachen Aufgaben im Fussball, aber genau das macht es auch interessant», sagte Fischer über seinen neuen Job und fügte hinzu: «Ich freue mich auf die Herausforderung und bin davon überzeugt, dass wir das Ruder als Team rumreissen werden.»

    Fischer führte Union in die Champions League

    Fischer war von Sommer 2018 bis zur Trennung vor etwas mehr als zwei Jahren Coach des 1. FC Union. Er prägte die erfolgreichste Ära der Club-Geschichte. 2019 führte er die Berliner erstmals in die Bundesliga. Nach dem Klassenerhalt in der ersten Saison zog Union dreimal in Folge ins europäische Geschäft ein, 2023 sensationell in die Champions League.

    Mit seiner bescheidenen und pragmatischen Art war Fischer äusserst beliebt. Fussballerisch definierten sich die Köpenicker unter ihm über grosse Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit. Nach einer langen Negativserie trennten sich die Eisernen und der Coach einvernehmlich.

    Seitdem war Fischer, der zuvor auch erfolgreich in seiner Heimat unter anderem beim FC Zürich und beim FC Basel arbeitete, zwar bei einigen Clubs im Gespräch, blieb aber zunächst ohne neuen Trainerjob.