Erling Haaland spricht im Podcast «The Rest Is Football» über seine Kindheit, den Wechsel zu Manchester City, die Rolle von Pep Guardiola – und warum ihn einfache Tore am meisten freuen.
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- Erling Haaland schildert im Podcast «The Rest Is Football» seinen Weg vom Golf spielenden Kind zum Weltklasse-Stürmer.
- Der Norweger sieht seine Rolle bei City klar: Tore schiessen – und das unter ständigem Leistungsdruck.
- Sein Respekt für Trainer Pep Guardiola und die Liebe zum Fussball prägen auch sein Privatleben.
Erling Haaland sorgte Anfang Dezember beim 5:4-Erfolg von Manchester City über Fulham einmal mehr für einen Rekord in der Premier League. Haaland hatte mit seinem 100. Liga-Tor im 111. Einsatz für eine Bestmarke gesorgt. Alan Shearer benötigte zuvor für das Jubiläumstor 124 Liga-Einsätze, Harry Kane 141. Spiele für den 100. Treffer in der höchsten englischen Spielklasse.
Mi 10.12. 19:55 - 00:00 ∙ blue Sport Live ∙ Real Madrid CF - Manchester City
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Der City-Superstar war im Podcast «The Rest Is Football» zu Gast. Gastgeber Gary Lineker will vom Norweger wissen, wie er sich fühlte, als er den Rekord von seinem Co-Host Shearer schnappte: «Natürlich wusste ich schon seit einiger Zeit, dass es möglich war, die 100-Tore-Marke zu knacken», so Haaland. Ansonsten mache er sich nicht viele Gedanken über Rekorde, nur einen kenne er: Die Marke von 260 Toren in der Premier League – die (noch) von Shearer gehalten wird.
Haaland geht für die Citizens seit dreieinhalb Jahren auf Torejagd. Von 2020 bis 2022 stand er in Dortmund unter Vertrag. «Die Premier League ist physischer als die Bundesliga», hebt er hervor. Die Duelle Mann-gegen-Mann sagen ihm aber zu: «Wegen meines Vaters bin ich in vielen Dingen ein bisschen altmodisch. Die charmanten Dinge wie Rennen und Tackeln gefallen mir. Ich habe die Premier League seit meiner Kindheit verfolgt. Man wird mich auch nie mit Handschuhen spielen sehen. Das liegt daran, dass mein Vater das nicht erlaubt hätte», schmunzelt Haaland und deutet eine imaginäre Ohrfeige an. Vater Alf-Inge spielte von 2000 bis 2003 ebenfalls für Manchester City.
«Sein grösster Traum war es, dass ich Profigolfer werde. Also habe ich von 10 bis 13 jede Woche Golf gespielt. Dazu auch Handball, Fussball und Zehnkampf (Haalands Mutter war Siebenkämpferin – Anm. d. Red.)», erinnert sich Haaland. «Mein Wunsch war es, der beste Fussballer der Welt zu werden – und das hat mich schon seit meiner Kindheit angetrieben.»
Spiel gegenwärtig etwas vertikaler
Der Wechsel zu den Skyblues habe er auch darum gemacht, weil er Star-Trainer Pep Guardiola etwas beweisen wollte: «Pep hat manchmal ohne Stürmer gespielt – er liebt es, den Ball zu halten. ‹Also habe ich mir vorgestellt, ich komme zu City, Ederson (Ex-Goalie bei City) haut die Bälle nach vorne und ich renne los und schiesse ein Tor.› Das Spiel ein wenig aufzubrechen war eine Motivation für mich, um Pep zu zeigen, dass man auch direkt spielen kann und nicht nur den Ball weitergibt.»
Das Gespräch mit dem Spanier vor dem Transfer sei kurz und bündig gewesen, erinnert sich Haaland. «Wir wollen tollen Fussball zeigen und dass du viele Tore schiesst», köderte ihn Guardiola. Aktuell spiele man den Ball ab und zu ein wenig schneller ab als früher, um auch mal mehr Räume vorzufinden. Das komme ihm tendenziell gelegen, findet Haaland.
Das grösste Kompliment in seinem Beruf als Stürmer sei, wenn die Leute sagen: «Ah noch ein Abstauber, noch ein einfaches Tor.» Haalands Erklärung: «Die einfachsten Tore sind die besten, weil es am schwierigsten ist, Tore zu schiessen. Und wenn man das auf einfache Weise schaffen kann, ist das sogar noch besser. Die meisten Tore werden natürlich innerhalb des Strafraums beziehungsweise des Fünfmeterraums geschossen. Man muss sich also perfekt positionieren – und das ist wirklich schwierig.»
Seine Aufgabe ist klar: «Ich bin Stürmer von City. Ich muss Tore schiessen. Wenn nicht, müssen sie mich ersetzen. Ich stehe also unter grossem Druck, Leistung zu bringen und meinen Job zu machen.»
Am meisten helfe ihm dabei, in einem Spiel mental bereit zu sein. «Wenn man nur ein paar Prozente nachlässt, kann das schon reichen. Denn wenn man es am wenigsten erwartet, passiert es normalerweise.»
Haaland hasst Abseits
Kürzlich wurde Haaland in der Liga (in einem Auswärtsspiel) nach über zwei Jahren ohne Abseits wieder mal vom Linienrichter gestoppt. «Das Schlimmste, was ich kenne, ist im Abseits zu stehen. Denn dann hat man keine Chance, ein Tor zu schiessen», fasst er zusammen.
Inzwischen steht der 25-Jährige schon bei 54 Toren (in 53 Partien) in der Champions League – darunter war auch ein Fünferpack (2023 gegen Leipzig), bei dem Guardiola Haaland nach 57 Minuten vom Feld nahm. «Natürlich wollte ich ein sechstes Tor machen», gibt der Angreifer zu. Trotzdem werde er nie Probleme machen, wenn er raus müsse, betont Haaland. Man könne auch unmöglich 80 Spiele in der Saison absolvieren, resümiert Haaland, der sich mit Norwegen souverän für die WM qualifizierte.
Weniger gut lief die letzte Saison für Man City. Die sonst so erfolgsverwähnte Star-Truppe scheiterte früh in der Champions League (Niederlage gegen Real im Achtelfinal-Playoff) und verpasste als Dritter auch den Meistertitel. Einerseits seien Verletzungen, andererseits eine mentale Müdigkeit nach den vielen Titeln zuvor auschlagsgebend gewesen, glaubt Haaland. Es brauche nach Abgängen von Schlüsselspielern wie Kevin de Bruyne oder Ederson zudem Zeit, sich neu zu finden.
Mit dabei beim Umbruch ist sicher Haaland, der im Vorjahr bei City gleich einen neuen 10-Jahres-Vertrag bis zum Sommer 2034 unterschrieb. «Ich bin hier wirklich glücklich. Es ist ein guter Ort, um sich weiterzuentwickeln – England ist ein Fussballland und ich denke, es ist der beste Ort, um zu spielen.»
«Guardiola ist ein Genie»
Zudem ist er ein grosser Befürworter von Guardiola: «Ich halte ihn für eine Art Genie. Aber was mich wirklich beeindruckt hat, ist seine harte Arbeit. Er arbeitet härter als alle anderen. Er ist der Fleissigste im Verein. Er ist der Erste der kommt und der Letzte der geht.» Zusammen mit seiner Passion für Fussball sei das Geheimnis hinter dem Erfolg des 54-Jährigen, ist sich Haaland sicher.
Natürlich ist auch Haaland ein grosser Fussballfan. Darunter leide auch manchmal seine Partnerin Isabel Haugseng Johansen. Die beiden sind seit Ende 2024 auch Eltern. «Wir haben kürzlich zu Abend gegessen und ich habe nachgesehen, ob irgendwelche Spiele laufen – Man United spielte gegen West Ham, was ich dann auch einschaltete.»
«Meine Freundin beklagte sich: ‹Ich habe Fussball so satt. Wir schauen es ständig.› Und ich sagte: ‹Das ist der Grund, warum wir hier sitzen›. Und dann haben wir es natürlich geschaut», schmunzelt Haaland.
Ob Haaland am Mittwoch auch auswärts im Santiago Bernabeu gegen Real Madrid trifft, erfährst du ab 21 Uhr live auf blue Sport.