Der Schweizer Philippe Senderos spielte von 2003 bis 2008 für Arsenal. Mit blue Sport spricht er über den anstehenden Champions-League-Final, sein neues Leben in Katar und schwärmt von Mikel Arteta. Ausserdem verrät er, was in die WhatsApp-Gruppe des Meisterteams von 2004 geschrieben wird.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Der ehemalige Arsenal-Spieler Philippe Senderos spricht im Interview mit blue Sport über seine Zeit in London.
- Er schwärmt von Mikel Arteta und erinnert sich an gemeinsame Momente als Spieler und Gegenspieler.
- Der Schweizer steht bis heute in engem Kontakt mit Arsenal und seinen einstigen Mitspielern.
Philippe Senderos, wo schaust du dir den Final am Samstag an?
Ich arbeite in Katar für beIN Sports als TV-Experte und werde das Spiel vom Studio aus verfolgen.
Du lebst in Katar. Warum bist du dorthin gezogen?
Ich hatte die Chance, für die Fifa hier zu arbeiten. Ich arbeite viel mit Saudi-Arabien, Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammen. Hier habe ich mehr regionale Präsenz und bin näher an den Ländern dran.
Spürst du den Krieg?
Es herrschte ein paar Wochen ein bisschen Spannung. Aber es ist wirklich okay. Die Familie ist ja auch hier und das Leben ist eigentlich ganz normal.
Also musstet ihr nicht in einen Bunker flüchten, wie zum Beispiel Fabian Schär in Saudi-Arabien?
Nein, nein, hier ist alles okay.
Lass uns über Arsenal sprechen. Was war dein coolstes Spiel mit Arsenal?
2006 gegen Real Madrid im Bernabeu. Wir haben 1:0 gewonnen, das war wie ein Traum für mich. Mein Vater ist Spanier und in seiner Familie sind alles Real-Fans. Auch ich war als Kind immer Fan von Real Madrid. Wenn du jung bist, hast du einen Traum. Und an diesem Tag habe ich meinen Traum gelebt.
Hat es dann fast schon wehgetan, Real zu schlagen?
(Lacht) Im Traum war nicht klar, für welches Team ich spiele.
Wie ist dein Bezug zu Arsenal heute?
Sehr eng. Ich habe mit Mikel Arteta bei Everton zusammengespielt. Ich bin auch sehr eng mit Andrea Berta, der ist jetzt gekommen. Einmal pro Jahr gehe ich ins Trainingsgelände. Ich bin immer in Kontakt und kenne auch ein paar Leute in Staff.
Stehst du auch mit Arteta in Kontakt?
Ja. Er war sehr busy in den letzten Wochen, aber wir schreiben uns regelmässig über SMS oder WhatsApp.
Wie ist der Kontakt zu den alten Mitspielern?
Wir haben einen «Invincibles»-Gruppenchat auf WhatsApp. Dort sind alle drin: Lehmann, Henry, Vieira, Pires, David Dean und Arsène Wenger. Letzte Woche war in der Gruppe viel los.
Was wird so in dieser Gruppe geteilt?
Ein bisschen alles. Geburtstage oder News von unserer Seite. Cesc Fabregas hat sich mit Como für die Champions League qualifiziert. Wir haben alle gratuliert.
Was sind deine Erinnerungen an den Champions-League-Final 2006 gegen Barcelona?
Es war eine tolle Erfahrung. Ich hatte aber leider eine Verletzung und sass nur auf der Bank. Es war sicher kein guter Final für uns. Aber die Erfahrung, in einem Champions-League-Final zu stehen, war toll. Auch wenn du siehst, wie lange es gedauert hat, bis Arsenal wieder im Final steht. Da haben wir schon etwas Grosses erreicht.
Was hast du dieses Jahr für ein Gefühl für den Final zwischen Arsenal und PSG?
Ich habe ein gutes Gefühl. Und jetzt, wo Arsenal den Meistertitel gewonnen hat, haben die Spieler vielleicht weniger Druck. Sie denken, ja, wir haben schon etwas gewonnen, wir müssen nur dort hingehen und unser Spiel machen. Das ist sicher positiv. Aber es wird sicher ein hartes Spiel. PSG ist offensiv unglaublich gut. Viele Spieler können den Unterschied machen.
Sa 30.05. 16:55 - 21:30 ∙ blue Sport Live ∙ Paris Saint-Germain - Arsenal FC
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Wie ist Arteta als Mensch?
Intensiv. Er liebt den Fussball, er lebt jede Aktion. Er war auch als Spieler so. Er war ein Leader in der Garderobe. Er hat viel gesprochen und war wirklich gut für die Mannschaft. Was er jetzt als Trainer macht, ist super. Aber auch wie der Klub ihm Zeit gegeben hat, diese Mannschaft aufzubauen, ist toll.
An welche Momente erinnerst du dich mit ihm?
Ich erinnere mich, wie ich gegen und mit ihm gespielt habe. Er ist wirklich ein guter Mensch. Spanisch hat mir sicher immer geholfen. Er hat viel erlebt, war schon als Spieler sehr jung. In dieser Zeit hatten es so technische Spieler wie er schwer. Er war Captain bei Everton und bei Arsenal. Wirklich ein starker Mensch.
Für den Trainer nach Wenger war es wahrscheinlich schwierig, oder?
Nach einem Trainer, der so viel für einen Klub gemacht hat, ist es immer schwer, der Nächste zu sein. Arsenal hat ein bisschen gesucht. Unai Emery war sicher eine gute Wahl, aber vielleicht im falschen Moment. Und sie haben ihm nicht diese Zeit gegeben, die Mikel Arteta bekommen hat. Danach haben sie Mikel geholt und ihm die Zeit gegeben. Sie wurden zweimal Achter. Für einen Klub wie Arsenal ist es katastrophal, nicht europäisch zu spielen. Aber sie haben an ihm festgehalten, ihm die Zeit und auch die Spieler gegeben. Man hat die Entwicklung gesehen und dieses Jahr konnten sie den Titel gewinnen.
Wärst du heute gerne Innenverteidiger bei den Eckbällen von Arsenal?
Ja, und allgemein in dieser Mannschaft. Alle rennen füreinander, alle verteidigen. Sie haben alle diese Mentalität. Ich denke, sie haben in dieser Saison 18 oder 19 Clean Sheets. Das ist unglaublich in der grössten Liga der Welt.
Siehst du einen Schweizer Spieler, der zu Arsenal passen würde?
Ja, es gibt viele. Momentan mag ich vor allem Johan Manzambi sehr. Und nicht nur, weil er aus Genf ist. Er bringt etwas Spezielles auf den Platz. Er nimmt Risiken und ist gefährlich. In England könnte er sich nochmals weiterentwickeln.