«Die Jahre sind gezählt» Goldene Generation ohne Krönung – sind Josi, Niederreiter und Genoni bald weg?

Syl Battistuzzi

1.6.2026

Captain Roman Josi und Nino Niederreiter wieder nur mit Silebr um den Hals. 
Captain Roman Josi und Nino Niederreiter wieder nur mit Silebr um den Hals. 
IMAGO/CTK Photo

Nach dem nächsten gescheiterten Gold-Coup steht das Schweizer Eishockey an einem Wendepunkt. Mehrere Führungsspieler nähern sich dem Karriereherbst, gleichzeitig fehlt es an Nachwuchstalenten, die nahtlos in ihre Fussstapfen treten könnten.

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DPA, Syl Battistuzzi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Die Schweiz verpasst trotz Heim-WM, starker Turnierleistung und Favoritenrolle erneut den ersten Weltmeistertitel.
  • Im Final unterliegt die Nati Finnland und verliert zum fünften Mal ein WM-Endspiel.
  • Die goldene Generation um Roman Josi, Nino Niederreiter und Leonardo Genoni bleibt ohne Krönung. Wegen ihres Alters und fehlender Top-Nachwuchsspieler wird die Zeit für einen Titelgewinn knapper.

Tränen bei den Schweizer NHL-Stars, Schockstarre in der Arena in Zürich und jubelnde Gegner: Das Finaltrauma bei der Eishockey-Weltmeisterschaft geht weiter. «Es ist einfach zum Kotzen», brachte es Christoph Bertschy auf den Punkt. Wie schon bei den Final-Niederlagen 2013, 2018, 2024 und 2025 waren die Schweizer bereits in der Kabine, als der neue Champion – in diesem Fall Finnland – den Pokal hochreckte.

Dabei war alles angerichtet für den ersten WM-Titel. 10'000 Fans im Stadion, Euphorie im ganzen Land, Tennis-Ikone Roger Federer sowie Ski-Star Marco Odermatt als Einpeitscher in der Kabine und ein Lied, das zur neuen Lieblingshymne der Schweizer mutierte. Doch die «W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner wurde am Sonntagabend nicht gespielt, anders als in den vorherigen neun Partien. Mit teils furiosen Erfolgen und 48:8 Toren spazierte die Nati durch das Turnier und scheiterte erneut am letzten, entscheidenden Schritt.

Die goldene Generation um den NHL-Star Roman Josi von den Nashville Predators bleibt weiter ohne Krönung. «Wir hatten das Gefühl, es sei unser Tag», meinte der Captain nach der fünften Niederlage im fünften Endspiel. Erstmals ging seine Mannschaft als Favorit ins finale Match. Und doch scheiterte das Team von Jan Cadieux am Ende an den eigenen Erwartungen.

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Top-Spieler vor Ende – ungelöste Nachwuchsprobleme 

Die Schweiz ist zwar mittlerweile ein Eishockey-Land geworden, die Vielzahl an Topspielern wie in Schweden, Finnland und vor allem in den USA und Kanada gibt es jedoch nicht. Der aktuelle Nachwuchs scheint aktuell keine Top-Cracks hervorzubringen – es drohen wie früher magere Zeiten. Die Wolken am Horizont sind bereits aufgezogen. In den letzten acht NHL-Drafts wurde mit Lian Bichsel (2022, Nummer 18) lediglich ein Schweizer in der ersten Runde berücksichtigt. Vor einem Jahr stieg die Schweiz an der U18-WM ab – ein deutliches Warnsignal.

Bisher haben die Liga und der Verband – Präsident Urs Kessler trat am Montag per sofort zurück – noch keine tragfähige Lösung gefunden, wie man wieder stärkere Junioren ausbildet, die eines Tages das Erbe der heutigen Helden antreten können. Mit einem Durchschnittsalter von 29,6 Jahren stellten die Schweizer die älteste Equipe des Turniers.

Viele Möglichkeiten hat die Mannschaft um das Trio Josi, Leonardo Genoni und Nino Niederreiter nicht mehr. «Die Jahre sind gezählt, vor allem für mich», betonte Niederreiter. Der Stürmer der Winnipeg Jets ist zwar erst 33 Jahre alt, aber der Churer musste sich in der jüngeren Vergangenheit mit Verletzungen herumschlagen. Kürzlich musste der Power-Flügel sich am Knie operieren lassen.

Ein Foto von 2017: Roman Josi, Nino Niederreiter und Leonardo Genoni (v.l.n.r.).
Ein Foto von 2017: Roman Josi, Nino Niederreiter und Leonardo Genoni (v.l.n.r.).
KEYSTONE

Leonardo Genoni hat in seiner Karriere praktisch nie auf dem Matchblatt gefehlt, im August wird auf dem Papier auch schon die 39 stehen. Der an grossen Turnieren fast immer überragende Torhüter äusserte offiziell nie Rücktrittsgedanken – zumal sein Vertrag beim EVZ noch bis 2027 läuft. Doch vielleicht lässt der erneute Nackenschlag den dreifachen Familienvater nun umdenken. Zwölf Mal nahm Genoni schon an einer WM teil. Mit Reto Berra (39) befindet sich sein nomineller Stellvertreter ebenfalls im fortgeschrittenen Eishockeyalter. 

Nur einen Tag nach der Final-Pleite «feiert» Josi seinen 36. Geburtstag. Bei «SRF» hat der MVP noch keine Antwort, ob er die Kraft aufbringen wird, weiter für sein WM-Gold zu kämpfen: «Ich weiss es nicht. Im Moment ist einfach die Enttäuschung gross. Wir hatten das Gefühl, es klappt, aber es ist nicht passiert. Es ist unerklärlich – im Moment ist einfach diese Leere da.»

Nächste Chance in Deutschland

Die nächste Chance der Schweizer gibt es ausgerechnet im Land des Erzrivalen. Lange Jahre war die deutsche Mannschaft auf Augenhöhe mit dem Vize-Weltmeister, aktuell ist die Nati weit enteilt. Bei der kommenden WM 2027 in Mannheim und Düsseldorf gehört sie als neuer Führender der Weltrangliste zu den Favoriten. «Wir werden wieder aufstehen», kündigte Timo Meier von den New Jersey Devils an. «Aber momentan ist das alles nur ein scheiss Gefühl.»

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