Die Schweizer Eishockey-Nati gehört vor der Heim-WM zum Favoritenkreis. Experte Reto Suri schätzt im Gespräch mit blue Sport ein, was für den Schweizer Gold-Coup spricht.
Nach zwei Finalniederlagen in Folge und insgesamt vier Silbermedaillen in den letzten 13 Jahren will die Schweiz an der Heim-WM in Zürich und Fribourg endlich den grossen Triumph feiern.
Die Grundlage dafür ist gelegt. Das Team von Jan Cadieux wird von sechs NHL-Spielern verstärkt, hat National-League-Akteure in den eigenen Reihen, die viel Erfahrung auf internationaler Stufe mitbringen, und mit Leonardo Genoni, Reto Berra und Sandro Aeschlimann das bestmögliche Torhüter-Trio des Landes. Die Nati gehört damit zum Favoritenkreis.
Eishockey-WM 2026
Vom 15. bis 31. Mai 2026 ist die Eishockey-WM in der Schweiz zu Gast. blue Sport bringt den Hockey-Grossevent in Zürich und Fribourg zu dir mit News, Highlights, allen Goals und Resultaten.
Ist also alles angerichtet für den Gold-Coup? «Es spricht sicher viel dafür und wenig dagegen», sagt Experte und Silberheld von 2013 Reto Suri im Gespräch mit blue Sport. «Man muss Spiel für Spiel nehmen und probieren, Erfolgserlebnisse zu sammeln. Man muss das Ganze wachsen lassen über die nächsten zwei Wochen.»
Für Suri ist klar, dass die Nati insbesondere mit dem Druck der Heim-WM umgehen können muss. «Das ganze Land steht hinter dieser Mannschaft und hat diese Erwartungshaltung. Gleichzeitig ist es ein Turnier, das mit der Gruppenphase beginnt und hoffentlich in diese K.o.-Phase reingeht. Das ist ein extrem langer und harter Weg», fährt der 37-Jährige fort.
Heim-WM: Vor- oder Nachteil?
Dass zu hohe Erwartungen für die Schweiz hemmend sein können, hat sich in der Vergangenheit gezeigt, so auch bei der letzten Heim-WM 2009. Nach einem starken Turnier das Jahr davor in Kanada, bei dem es das Team vom damaligen Trainer Ralph Krueger bis ins Viertelfinale schaffte, träumte die Eishockey-Schweiz an der WM in Bern und Kloten von mehr – und wurde enttäuscht.
Die erste Gruppenphase beendete die Nati auf dem zweiten Platz. In der damaligen Zwischenrunde war dann allerdings Endstation. Im wichtigen Spiel gegen Lettland gingen die Schweizer als Verlierer vom Eis und mussten ausgerechnet den Letten den Platz in der K.o.-Phase überlassen.
«Es ist wichtig, dass man einen guten Start hat. Dass alle positiv an die Sache rangehen und die Mannschaft unterstützen, damit man eine Euphorie entfachen kann», sagt Suri dazu, wie man den Heimvorteil aktivieren kann.
Es sei auch wichtig, nicht zu viel Wert auf das Resultat des Auftaktspiels gegen die USA zu legen – insbesondere sollte dieses negativ ausfallen. Das Turnier sei lang und hänge nicht von dieser ersten Partie ab. Man solle sich als Nation mehr auf ein Eishockey-Fest freuen und sich auf eine positive Stimmung fokussieren, so Suri.
Wie das gelingt, wurde bei der zweitletzten Heim-WM im Jahr 1998 bewiesen. Die Schweiz schaffte es als Aufsteiger in der Top-Gruppe bis ins Halbfinale, wo sie an Schweden scheiterte. Das Spiel um Platz 3 ging dann schlussendlich gegen Tschechien verloren.
Spielt der Fischer-Schock noch eine Rolle?
Die kurzfristige Entlassung von Patrick Fischer knapp einen Monat vor dem Auftaktspiel gegen die USA trübte für die Eishockey-Schweiz etwas die Vorfreude auf die Heim-WM – und sorgte auch innerhalb der Mannschaft für Meinungsverschiedenheiten.
Es sei natürlich für alle ein grosser Schock gewesen, aber mittlerweile nehme man rund um die Mannschaft kaum mehr Diskussionen diesbezüglich wahr, sagt Suri und fügt an: «Es war ein harter Einschnitt, aber jetzt geht es vorwärts. (...) Ich bin optimistisch, dass man retourgeht und den Fokus auf die Sachen legt, die man für das grosse gemeinsame Ziel beeinflussen kann.»
Das Fehlen vieler Top-Spieler
Während die Schweiz beinahe in Bestbesetzung antreten kann, auch wenn die verletzungsbedingten Absenzen von Kevin Fiala und Jonas Siegenthaler schwer zu kompensieren sind, müssen andere Nationen auf viele Stars verzichten. Einige von ihnen bestreiten die NHL-Playoffs, andere entscheiden sich nach einer langen Saison inklusive Olympische Spiele im Februar bewusst gegen eine WM-Teilnahme. Belastungssteuerung und Verletzungsrisiko sind dabei oftmals Argumente.
Suri sieht es als Vorteil, dass bei der Konkurrenz die Mehrheit der grossen Namen fehlt. Dennoch gilt es, die Gegner nicht zu unterschätzen: «Es gibt in den anderen Kadern viele interessante Spieler. (...) Auch andere Nationen haben NHL-Spieler dabei, die auf höchstem Level spielen. Aber am Schluss könnte es trotzdem das Zünglein an der Waage sein, wenn die ganz grossen Namen nicht dabei sind.»