Drei Spiele, drei Siege – die Eishockey-Nati ist perfekt in die Gold-Mission an der Heim-WM gestartet. Experte Reto Suri zieht im Gespräch mit blue Sport eine erste Zwischenbilanz.
Als am Montagabend nach dem Gala-Auftritt gegen Deutschland die ganze Swiss Life Arena «W. Nuss vo Bümpliz» von Patent Ochsner singt, gehen die Spieler mit erstaunten Gesichtern auf die wohlverdiente Ehrenrunde. Sie realisieren: Die Euphorie in der Eishockey-Schweiz ist nach dem dritten Sieg im dritten Spiel definitiv entfacht.
«Diese Stimmung in der Halle war das Fragezeichen vor dem Turnier: Ist es zu viel oder ist die Erwartungshaltung zu hoch? Mit diesen drei Spielen hat man es geschafft, das Fundament zu legen, um diese Welle zu reiten», sagt Experte und Silberheld von 2013 Reto Suri. Diese Unterstützung könnte am Ende das Zünglein an der Waage sein.
Die Schweizer mussten in den Spielen gegen die USA, Lettland und Deutschland die eine oder andere Geduldsprobe bestehen, um sie am Ende siegreich gestalten zu können. Insbesondere gegen die Letten und die Deutschen brauchte es viele Chancen, bis das erste Tor fiel.
Suri: «Es ist pures Entertainment»
«Es zeugt von Selbstvertrauen. Der Glaube an die eigenen Stärken. Auf diesem Niveau gibt es solche Momente. Die Spiele sind extrem eng, alle Mannschaften können Eishockey spielen», sagt Suri dazu. Das Team wisse, wann es zuschlagen muss, um solche Partien zu gewinnen.
Als der Bann gegen Deutschland gebrochen ist, zeigt die Mannschaft wie viel Selbstvertrauen in ihr steckt, und beginnt, sehr verspielt zu agieren. Für den 37-Jährigen birgt diese Leichtigkeit keine Gefahren für kommende Spiele: «Diese Verspieltheit kam, als der Match mehr oder weniger entschieden war. Man hat sich mit der Euphorie der Heim-WM und der Atmosphäre im Stadion in einen Rausch gespielt. (...) Es ist pures Entertainment und cool zuzuschauen.»
Herausragend sind die bisherigen Auftritte der Linie von Pius Suter, Sven Andrighetto und Denis Malgin. «Sie leisten einen grossen Beitrag, es ist die Qualität, die jeder Einzelne mitbringt. (...) Malgin und Andrighetto kennen wir aus der Meisterschaft. Pius Suter verdient sich in der NHL seine Sporen ab.»
Für Suri sticht insbesondere der Stürmer der St. Louis Blues hervor. Er gewinnt viele Zweikämpfe, kämpft um jede Scheibe und hat trotzdem die spielerische Qualität, um mit dem kongenialen Duo Malgin/Andrighetto mitzuspielen. «In dieser Linie ist alles vorhanden, was man sich als Trainer wünscht. (...) Hut ab vor allen Dreien.»
Trotz aller Euphorie und Entertainment muss die Schweiz das Grundlegende weiter richtig machen. Dafür wird auch Nati-Coach Jan Cadieux sorgen. Von der frühzeitigen Übernahme des Trainer-Postens lässt sich der 46-Jährige bis anhin nicht aus der Ruhe bringen und hat auch nicht zu fest an den Strukturen und der Mentalität innerhalb der Mannschaft gerüttelt.
Wie wichtig ist der Gruppensieg?
«Die Zeit war sicher limitiert, um Sachen gross anzupassen», hält Suri fest und fährt fort: «An dieser Stelle ein Riesenkompliment, wie er mit der Situation intern umgeht. Denn das ist etwas, was die Handschrift des Trainers auch nach aussen trägt. Ich glaube man kann ihm nicht genug hoch anrechnen, wie er damit umgegangen ist und die Mannschaft eingestellt hat und wie sie performt hat.»
Ein Blick auf die nächsten drei Gegner (Österreich, Grossbritannien und Ungarn) deutet darauf hin, dass die Schweiz im letzten Gruppenspiel in einer Finalissima gegen Finnland um den Gruppensieg spielen wird. Doch, wie wichtig ist dieser?
«Wenn man auf die andere Gruppe schielt, ist der Gruppensieg insofern wichtig, damit man nicht auf Kanada, Schweden oder Tschechien trifft. (...) Man kann im Viertelfinal auf einen kleineren Gegner hoffen. Schlussendlich muss sich die Schweiz vor niemandem verstecken», sagt der 37-Jährige und stellt klar: «In der K.o.-Phase fängt dieses Turnier wieder von vorne an.»
Bevor es soweit ist, muss die Schweiz noch die Pflicht gegen die vermeintlich schwächsten Gegner dieser Gruppe A erfüllen – angefangen mit Österreich am Mittwoch, um 16.20 Uhr.