Arno Del Curto: «Wahrscheinlich habe ich den richtigen Zeitpunkt verpasst»

S10B

28.11.2018

Arno Del Curto: «Die Zukunft interessiert mich im Moment nicht»
Bild: Keystone

Der Davoser Eishockey-Trainer Arno Del Curto gesteht im Interview mit der «NZZ», er hätte wohl schon früher zurücktreten sollen. 

Was kaum jemand für vorstellbar hielt, ist Realität geworden: Nach 22 Jahren beim HC Davos gibt Trainer Arno Del Curto am Dienstag kurz vor dem Cup-Viertelfinal seinen Rücktritt bekannt. Die Bündner Spieler schienen auch geschockt zu sein. Der Liga-Vorletzte unterliegt Liga-Schlusslicht Rapperswil-Jona mit 3:4 nach Verlängerung. Marc Wieser sagte dem «Blick»: «Der Geist von Arno ist noch da». Und Félicien Du Bois sprach an gleicher Stelle von einer «Überraschung, vor allem am Matchtag.»  



Nicht überrumpelt wurde hingegen HCD-Präsident Gaudenz Domenig, wie er gegenüber «Teleclub» meint: «Ich habe mich in den letzten Tagen viel mit Arno ausgetauscht und wusste, dass er mit diesem Entscheid ringt. Wir hätten uns einen anderen Entscheid gewünscht, er wählte nun aber von zwei oder drei Optionen diese aus.»

Sein Kommentar zum Rücktritt: «Er ist in seinen Entscheiden sehr konsequent. Ich kann es nur so interpretieren. Ich kann aber nicht in seinen Kopf hineinsehen, weiss nicht, was im Einzelnen diesen Entscheid bewirkt hat.» 

Der Abgang von Arno Del Curto hinterlässt im Schweizer Eishockey eine grosse Lücke.
Bild: Keystone

Der «NZZ» erzählt der Haputdarsteller in diesem Drama erstmals selbst seine Beweggründe. Arno Del Curto will dabei nicht über den Zeitpunkt diskutieren: «Irgendwann kommt der Punkt, an dem es besser ist, aufzuhören. Wahrscheinlich habe ich ihn sogar verpasst. Vielleicht wäre es vor einem oder sogar vor zwei Jahren besser gewesen. Vielleicht hätte ich bereits nach dem fünften Meistertitel 2011 aufhören sollen. Dann kam noch ein sechster. Es ist schwer, den richtigen Zeitpunkt zu finden

«Ich hatte immer Freude an meiner Arbeit»

Auf die Frage, ob die Budgetkürzungen ihn zermürbt hätten, meint der St. Moritzer: «Wir müssen unser Budget einhalten, konnten deshalb gar nicht anders, als immer wieder Spieler abzugeben. Durch die Verpflichtung des ausländischen Torhüters Anders Lindbäck sind wir auch in dieser Saison im Prinzip bereits wieder über den Vorgaben. Hätten wir auch noch Samuel Walser behalten , wäre das Loch noch grösser. So sind die Rahmenbedingungen. Ich hatte immer Freude an meiner Arbeit, und sie macht mir auch jetzt noch Spass. Das Einzige, was ich nie gerne gemacht habe, ist, Interviews zu geben.»

Als Höhepunkt seiner Schaffenszeit zählt für ihn die Champions-Hockey-League-Saison 2015/16 nach seinem sechsten Meisterschaftstitel. Da habe sein Team Eishockey nach seiner Vorstellung gespielt. Die Hauptgründe für den verpassten Kaderumbruch liegen für den 62-Jährigen in den vielen Verletzten, dazu verfügten die Jüngeren noch über wenig Erfahrung, so Del Curto.  Letztlich habe auch etwas Glück gefehlt. 

Von einer mangelnden Wertschätzung will Del Curto nichts wissen: «Man sollte nie Dankbarkeit erwarten – nicht in der Politik, nicht in der Kultur und schon gar nicht im Sport.»

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport