BAG-Direktorin über Fall Fischer «Er hätte auch ohne Impfung an den Olympischen Spielen teilnehmen können»

SDA

19.4.2026 - 06:22

Für Patrick Fischer hätte es noch einen anderen Weg gegeben, an den Olympischen Spielen in Peking dabei zu sein.
Für Patrick Fischer hätte es noch einen anderen Weg gegeben, an den Olympischen Spielen in Peking dabei zu sein.
KEYSTONE

Die Direktorin des Bundesamts für Gesundheit (BAG), Anne Lévy, verteidigt im Interview mit dem «SonntagsBlick» die Bestellung von 61 Millionen Covid-Impfdosen für die Schweiz. Zudem äussert sie sich zum Fall Patrick Fischer.

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Keystone-SDA, Tobias Benz

Seit vergangenem Montag schlägt das Geständnis von Eishockey-Nationaltrainer Patrick Fischer hohe Wellen. Er war 2022 unter Verwendung eines gefälschten Covid-Impf-Zertifikats nach China eingereist, um an den Olympischen Spielen in Peking teilnehmen zu können. Nun hat auch BAG-Chefin Anne Lévy auf den Skandal rund um den Ex-Eishockey-Nationaltrainer reagiert.

Ob man sich impfen lassen wolle oder nicht, sei ein persönlicher Entscheid, sagt Lévy in einem Interview mit dem «SonntagsBlick». Impfungen würden aber dazu beitragen, sich vor schweren Infektionskrankheiten zu schützen, und seien sinnvoll.

In Bezug auf den Fall Fischer sagt die BAG-Direktorin: «Warum Herr Fischer so gehandelt hat, muss er selbst erklären. In jedem Fall sind Regeln einzuhalten. Er hätte ja auch ohne Impfung an den Olympischen Spielen in China teilnehmen können – das wäre mit Quarantäne gegangen. Andere Sportler haben das gemacht.»

Lévy verteidigt Bestellung von 61 Millionen Covid-Impfdosen

Die Schweiz habe während der Corona-Pandemie eine «auf Sicherheit ausgerichtete Strategie» verfolgt, so Lévy gegenüber der Zeitung. «Sowohl in Bezug auf Impfstoffe als auch auf deren Mengen.» Insgesamt habe die Schweiz 61 Millionen Impfdosen gekauft. 17 Millionen der gekauften Dosen seien in der Schweiz verimpft, acht Millionen an andere Länder gespendet worden. Der Rest sei teils vernichtet, teils nicht bezogen, aber bezahlt worden.

In einer Pandemie gelte es, lieber zu viel als zu wenig Impfdosen zu bestellen, sagte Anne Lévy, Direktorin des Bundesamts für Gesundheit, im «SonntagsBlick». (Archivbild)
In einer Pandemie gelte es, lieber zu viel als zu wenig Impfdosen zu bestellen, sagte Anne Lévy, Direktorin des Bundesamts für Gesundheit, im «SonntagsBlick». (Archivbild)
Keystone

«Es gab zu Beginn der Pandemie einen harten Wettbewerb um die Verfügbarkeit. Es war nicht klar, welche Firma die besten Impfstoffe hat. Stellen Sie sich vor, wir hätten auf den falschen gesetzt oder zu wenig bestellt!», erläutert Lévy.

Die Oberaufsicht des Parlaments habe im Prüfbericht festgestellt, dass richtig gehandelt worden sei. In einer Pandemie gelte es, lieber zu viel als zu wenig zu bestellen.

Bis Anfang 2026 seien beim Bund 408 Gesuche um Entschädigung nach Impfschäden eingegangen. Davon seien gemäss Lévy 300 nach einer ersten Prüfung zurückgewiesen, zwei gutgeheissen und zwei abgelehnt worden, weitere seien noch hängig.

Mehrheitlich setze die Schweizer Bevölkerung auf Impfungen. Während der Pandemie hätten sich knapp 70 Prozent impfen lassen, bei Menschen über 65 Jahren seien es sogar über 90 Prozent gewesen. 

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