«War nicht bereit dafür» Cadieux spricht über die plötzliche Nati-Übernahme und Josis Brief

Luca Betschart

22.4.2026

Jan Cadieux: «Ich gebe alles für diese Mannschaft»

Jan Cadieux: «Ich gebe alles für diese Mannschaft»

22.04.2026

Jan Cadieux tritt vor den Testspielen gegen Ungarn erstmals als Nati-Coach vor die Medien. Er spricht über den Fischer-Knall, den Brief von Roman Josi an den Verband und die Causa Lian Bichsel.

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Keystone-SDA, Andreas Lunghi, Evita Rauber

Eine Woche nach seinem Einstand als Nati-Trainer spricht Jan Cadieux in einer Medienrunde mit rund 25 Medienschaffenden in der Bieler Tissot Arena erstmals öffentlich über die turbulenten Tage. 

«Es ist schwierig, denn ich war nicht dafür bereit. Letzten Mittwoch war niemand im Staff oder in der Mannschaft bereit dafür. Es waren alle sehr überrascht, dass es so passiert ist. Aber am Ende kann man im Leben Angst haben oder sagen: ‹Ich werde das Beste geben, um alles aus dieser Situation herauszuholen.› Ich konzentriere mich auf die Jungs und gebe alles für diese Mannschaft», sagt der 46-Jährige, der in den letzten beiden Saisons bereits als Assistent von Patrick Fischer fungierte.

Er werde seine Energie ins Team bringen und auf Fischers Vorarbeit aufbauen. An der WM werde kein Fischer- oder Cadieux-Eishockey, sondern das für diese Mannschaft bestmögliche Eishockey gespielt. So hält Cadieux auch am Entscheid seines Vorgängers fest, Lian Bichsel bis nach dieser Heim-WM von der Nationalmannschaft auszuschliessen. 

Roman Josis Brief

Innerhalb der Mannschaft wurde letzte Woche viel diskutiert. «Was meint ihr? Wir reden auch miteinander. Auch bei uns hat jeder seine Meinung – und die soll er auch sagen», so Tristan Scherwey. Die Kommunikations-Drähte liefen heiss. Die NHL-Spieler wurden aus Übersee zugeschaltet. Sie brachten sich ein, wie es sich für Leader gehört. Womöglich gab es den Plan, ein gemeinsames Statement zu verfassen. Die Meinungsvielfalt liess das nicht zu. So kam es am Wochenende zum Protestschreiben, das von Captain Roman Josi verfasst worden ist.

Dieses Schreiben, in dem Josi den Eishockeyverband auffordert, die Entlassung des Trainers zu überprüfen und «ausschliesslich für den internen Gebrauch bestimmt ist» (Zitat aus Josis Brief), wurde am Dienstag den Medien zugespielt – und sorgte nicht nur in der Medienlandschaft, sondern auch im Team für Diskussionen.

«Es wurden viele verschiedene Sachen diskutiert. In einer Mannschaft mit verschiedenen Charakteren und Leuten gibt es verschiedene Meinungen und die gehen auseinander», sagt ZSC-Stürmer Sven Andrighetto und fügt an: «Das ist normal so. In keiner Mannschaft haben alle dieselbe Meinung. Es ist trotzdem respektvoll und als Team findet man einen gemeinsamen Weg.»

Der neue Nati-Coach Jan Cadieux nimmt Josis Initiative gelassen: «Wir haben über die Affäre letzte Woche in der Slowakei viel diskutiert, auch mit den Spielern aus der NHL. Ich wusste von Josis Vorhaben. Er hat mir persönlich versichert, dass die Aussagen im Brief nicht gegen mich gerichtet sind.»

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