«Das macht Angst» – ein Kampf gegen den unsichtbaren Gegner

lbe

23.3.2020 - 12:12

Wird erneut von seinem Schicksal eingeholt: Ambri-Trainer Luca Cereda.
Bild: Keystone

Vor 20 Jahren ist Luca Cereda auf bestem Weg, in der besten Hockeyliga der Welt Fuss zu fassen, bevor ihm ein angeborener Herzfehler diagnostiziert wird. Ein Schicksalsschlag, der dem 38-Jährigen auch in Zeiten der Corona-Krise arg zu schaffen macht.

1999 wird Luca Cereda von den Toronto Maple Leafs in der ersten Runde gedraftet und steht am Anfang einer grossen Karriere. Doch bevor diese in Nordamerika in Schwung kommt, wird der Center von einer niederschmetternden Diagnose gebremst. Die Klubärzte in Toronto erkennen kurz nach seiner Ankunft Herzrhythmusstörungen, worauf Cereda in der Schweiz operiert wird.

Den Sprung ins NHL-Team schafft er mit diesem Handicap nie, nach drei Spielzeiten in der AHL kehrt er in die Schweiz zurück. Nach einer Saison in Bern zieht es in 2005 zurück nach Ambri, wo er seine Karriere im Alter von 26 Jahren wegen Herzproblemen schliesslich per sofort beenden muss.

Die Angst vor dem unsichtbaren Gegner

Wegen den Schlägen gegen den Körper ist das Hockeyspielen zu gefährlich. «Es ist ein grosser Teil meiner Geschichte und hat mein Leben verändert. Ich habe deswegen das Vertrauen in meinen Körper etwas verloren und kämpfe immer noch damit», sagt Cereda jüngst. Seit 2017 steht der heute 38-Jährige bei seinem Stammverein an der Bande.

Nun holt ihn sein Schicksal erneut ein. Wegen seines Herzfehlers gehört er zur Risikogruppe, an Covid-19 lebensgefährlich zu erkranken. Cereda sieht Parallelen zu damals: «Schon damals wusste ich vor der Diagnose nicht, was genau das Problem war. Und jetzt kämpfe ich erneut gegen einen unsichtbaren Gegner. Das macht schon etwas Angst», erklärt der 22-fache Nationalspieler gegenüber «SRF». Er brauche viel Geduld und dürfe das Haus unter keinen Umständen verlassen.

«Es ist anders als im Eishockey»

Gleiches gilt für seine sechsköpfige Familie, die erst vor einem Monat Zuwachs erhiet. Die vier Kinder halten Papa Cereda auf Trab: «Das Ziel ist, dass sie am Abend immer noch gut gelaunt sind». Denn für diese Generation sei es das erste Mal, dass sie in ihrer Freiheit eingeschränkt werde.

Im Tessin steigen die Zahlen der Coronavirus-Infizierten weiterhin rasant – für Cereda aus verschiedenen Gründe. Einerseits habe man die Wucht des Virus wohl unterschätzt, andererseits fehlt das nötige Wissen: «Es ist anders als im Eishockey. Hier ist der Gegner unsichtbar. Wir wissen nicht, wie stark oder wie schnell er ist.» Deshalb gebe es nur einen Weg, den unsichtbaren Gegner zu besiegen: «Die Massnahmen des Bundes und der Kantone befolgen. Alle zusammen.»

Zurück zur StartseiteZurück zum Sport