«Es war schon gerade etwas viel» Jetzt brechen die Nati-Stars ihr Schweigen zum Fischer-Rauswurf
Eine Woche nach der Entlassung von Patrick Fischer äussern sich die Nati-Stars und Nachfolger Jan Cadieux erstmals. Im Gespräch mit blue Sport sprechen sie über die unerwartete Trennung.
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- Eine Woche nach der Entlassung von Patrick Fischer äussern sich die Nati-Stars bei einem Medientermin in Biel erstmals zur unerwarteten Trennung.
- «Der Entscheid ist gefallen, wir müssen das akzeptieren und weiterschauen», sagt Goalie Leonardo Genoni.
- Sven Andrighetto verrät, dass nicht alle Spieler im Team die gleiche Auffassung vertreten und auch der Brief von Roman Josi an den Verband ein Thema war.
Am vergangenen Mittwoch herrschte nach turbulenten Stunden Klarheit: Patrick Fischer ist nicht mehr Trainer der Schweizer Eishockey-Nationalmannschaft. Nachdem Fischer die Fälschung eines Covid-Zertifikats im Rahmen der Olympischen Spiele 2022 zugibt, wird der öffentliche Druck zu gross. Fischer wird durch den Rauswurf sein letztes Highlight nach über 10 Jahren an der Nati-Bande genommen, danach wäre er ohnehin zurückgetreten.
Rund um den Medientag tauchen erneut Informationen auf – dass Patrick Fischer bei seiner ersten Verurteilung vor mittlerweile sieben Jahren (Geschwindigkeitsübertretung) auf der Autobahn mit 164 km/h geblitzt worden ist. Und dass Fischer nach der Entlassung vom letzten Mittwoch noch bis Donnerstag im Hotel bei der Mannschaft geblieben ist.
Genoni: «Fischer hat uns die Mitteilung selbst überbracht»
Vor den beiden Testspielen gegen Ungarn äussern sich die Nati-Stars bei einem Medientermin in Biel erstmals zum Aus ihres langjährigen Chefs. «Wir haben uns alle auf den Zusammenzug gefreut. Dann kam die riesige Bombe, die uns alle betroffen hat und auf die wir keinen Einfluss hatten», sagt Gaëtan Haas und fügt an: «Ich persönlich bin etwas über vereinzelte Medien enttäuscht. Ich habe etwas Vertrauen verloren.»
Auch für Goalie Leonardo Genoni kommt Fischers Entlassung sehr überraschend. «Aber der Entscheid ist gefallen, wir müssen das akzeptieren und weiterschauen», sagt der 38-Jährige im Gespräch mit blue Sport. «Es sind doch schon ein paar Tage vorbei, deshalb glaube ich, dass sich die Emotionen langsam gelegt haben.»
Fischer habe sich in der Slowakei von allen verabschiedet. «Es gab einen Austausch und wir haben seine Reaktion selbst miterlebt. Er hat uns die Mitteilung überbracht», erzählt Genoni, der seinen langjährigen Coach in höchsten Tönen lobt. «Er ist ein grossartiger Trainer und hat dem Schweizer Eishockey extrem viel gebracht», so der 38-Jährige. «Auch für mich persönlich. Er schenkte mir das Vertrauen, das werde ich nie vergessen.»
Andrighetto: «Es gibt verschiedene Meinungen»
Sven Andrighetto spricht von einer speziellen Situation. «Es ist nichts Alltägliches. Es kam für uns auch überraschend, und auch wir kriegen den Rummel mit», sagt der ZSC-Stürmer. «Es wurde viel im Team diskutiert. Auch in einer Mannschaft mit vielen Charakteren und Leuten. Es gibt verschiedene Meinungen, so ist es in einem Team. Nicht alle haben die gleiche Meinung. Es ist ein respektvoller Umgang mit allen Meinungen. Und es sind am Ende Entscheidungen, die wir nicht beeinflussen.»
«Es war schon gerade etwas viel», gibt Andrighetto zu. Auch der Brief von Roman Josi, in dem der Captain den Eishockeyverband auffordert, die Entlassung des Trainers zu überprüfen, ist Diskussionsthema im Team. Nun wolle man den Blick aber nach vorne richten: «Nichtsdestotrotz haben wir eine WM, auf die wir uns vorbereiten. Wir wollen uns auf das fokussieren, was wir als Spieler und Team kontrollieren können», so Andrighetto.
Cadieux spürt Vertrauen
Und wie erlebt der neue Nati-Coach Jan Cadieux, der die Nati knapp einen Monat vor der Heim-WM überraschend übernehmen muss, die aktuelle Situation? «Es ist schwierig, denn ich war dafür nicht vorbereitet. (...) Im Leben kann man aber Angst haben oder sagen: ‹Ich werde das Beste geben, um alles aus dieser Situation herauszuholen.› Ich konzentriere mich auf die Jungs und gebe alles für diese Mannschaft.»
Das Team spürt der 46-Jährige hinter sich – auch nach dem Brief von Josi: «Wir haben über die Affäre letzte Woche in der Slowakei viel diskutiert, auch mit den Spielern aus der NHL. Ich wusste von Josis Vorhaben. Er hat mir persönlich versichert, dass die Aussagen im Brief nicht gegen mich gerichtet sind», so Cadieux.