Der letzte Sieg ist der schwierigste – bei Zug könnte diese Floskel sogar stimmen

#Von Marcel Allemann

7.5.2021

Zug's goaltender Leonardo Genoni gestures, prior the second leg of the National League Swiss Championship final playoff between Geneve-Servette HC and EV Zug, at the ice stadium Les Vernets, in Geneva, Switzerland, Wednesday, May 5, 2021. The game is played behind semi closed doors (only 50 personnes can be present in the arena) due to the coronavirus COVID-19 pandemic. (KEYSTONE/Salvatore Di Nolfi)
Bringt die Erfahrung von fünf Meistertiteln mit: Goalie Leonardo Genoni wird sich durch die Aussichten auf einen weiteren Titelgewinn kaum nervös machen lassen.
Bild: Keystone

Auf diesem Tag hat eine ganze Region eine gefühlte Ewigkeit gewartet: Der EV Zug kann heute Geschichte schreiben und erstmals nach 1998 wieder Meister werden.

#Von Marcel Allemann

7.5.2021

2:0 führt der EVZ in der Best-of-five-Serie gegen Servette und hat nun drei Meisterpucks. Es ist angerichtet – der 7. Mai 2021 könnte deshalb zu einem geschichtsträchtigen Tag für eine ganze Region werden. Doch diese Aussicht kann auch gefährlich sein.

Deshalb wird in Zug nun die altbewährte Playoff-Floskel, dass der letzte Sieg einer Serie immer der schwierigste ist, strapaziert. Nur: Im Fall des EVZ könnte diese Floskel sogar stimmen. Da die Zentralschweizer schon so lange nicht mehr Meister werden konnten, sind die Erwartungshaltung und die Aufregung entsprechend gross. Es knistert in der Luft.


Ein Zuger Spieler stemmt am Samstagabend, den 11. April 1998, in der Davoser Eissporthalle den Meisterpokal in die Hoehe. Der EV Zug bezwang zuvor den HC Davos im sechsten Final-Playoff-Spiel mit 2:5 und sicherte sich damit den ersten Schweizer Meistertitel der Vereinsgeschichte. (KEYSTONE/Arno Balzarini)
Der Meisterpokal war noch blau statt gelb und die Trikots sehr bunt: der EV Zug bei seinem ersten und bislang einzigen Titelgewinn am 11. April 1998, nach dem Sieg im Final gegen den HC Davos.
Bild: Keystone

Da besteht dann schon die Gefahr, dass die Konzentration der Spieler vom Wesentlichen (der Leistung auf dem Eis) zum Unwesentlichen (die möglichen Festivitäten) abgleiten könnten. Darüber freuen würde sich dann Gegner Servette. Jede Zuger Schwäche erleichtert es ihnen, in den Final zurückzufinden und diesem doch noch eine Wende zu geben. 

Simion: «Genf wird alles versuchen»

Gefragt sind in solchen Momenten vor allem jene Spieler, die schon Vergleichbares erlebt haben, wie der fünffache Meistergoalie Leonardo Genoni oder Jan Kovar, Sven Senteler, Jérôme Bachofner, Gregory Hofmann und Dario Simion, die in ihrer Karriere ebenfalls schon Meister geworden sind.

Simion, 2015 Meister mit dem HC Davos, sagt denn auch: «Dieser Final ist noch nicht fertig. Wir liegen zwar mit zwei Siegen vorne, aber Genf wird alles versuchen, um die Serie noch zu drehen. Darum müssen wir höchst konzentriert bleiben und weiterkämpfen.»

Obwohl es himmeltraurig ist, dass nur 50 Fans in die Zuger Bossard Arena dürfen und diese somit nicht in eine Festhütte verwandelt werden kann, ist es unter diesen besonderen Umständen vielleicht sogar besser für den EVZ. So ist es für die Mannschaft einfacher, in ihrem Playoff-Tunnel zu bleiben, die Spieler sind bis zu einem gewissen Punkt durch die «Double Bubble» von der Aussenwelt abgeschottet, kriegen von der Erwartungshaltung viel weniger mit und diese spezielle, knisternde Stimmung der Vorfreude wird im Stadion ebenfalls nicht entstehen. 

Vielleicht ist dann der letzte Sieg unter diesen Umständen gar nicht mehr der schwierigste, sondern dieser Ausspruch erweist sich am Ende als eine in die Jahre gekommene Floskel.