Kommentar: Ein Entscheid für den Schweizer Hockey-Nachwuchs

Martina Baltisberger

14.11.2018

Fabrice Herzog (links) stammt aus dem Nachwuchs des EHC Frauenfeld – Tim Berni, Jérôme Bachofner und Raphael Prassl (v.l.n.r.) sind «Eigengewächse» der ZSC Lions.
Bild: Keystone

Neun von zwölf Klubs sprechen sich gegen die Aufstockung von vier auf sechs Ausländer in der National League aus. Ein richtiger Entscheid – jetzt sollte man den Nachwuchs weiter fördern. Ein Kommentar.

Die Rede war oft von sogenannten «Zweitklasse»-Ausländern, die wenig kosten, aber trotzdem Leistung bringen. Ganz ehrlich: Die Verlockung wäre gross, auf sechs Top-Ausländer zu setzen, wenn das Geld vorhanden wäre.. Die Folge: Der Graben zwischen den «reicheren» und den «ärmeren» Teams wäre weiter gewachsen, die Liga wäre nicht spannender geworden.

Das Szenario tritt nicht ein. Am Mittwoch haben neun von zwölf Klubs den Sechs-Ausländer-Antrag abgeschmettert. Nur der SC Bern, Davos und Lausanne waren dafür. Servette hat sich in letzter Sekunde und überraschenderweise umentschieden. Ein richtiger und wichtiger Entscheid für die Entwicklung des Schweizer Eishockeys.

Nachwuchs das A und O

Zum Vergleich: In der deutschen Eishockey-Liga (DEL) dürfen neun Ausländer eingesetzt werden. Besser macht dies die Liga nicht. Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) schaut deswegen auch gerne auf die Schweizer Liga und bewundert sie. Bewunderung gibt’s für die Nachwuchsabteilungen. Den ZSC Lions kommt in diesem Fall mit einem sogenannten Pyramidensystem eine Vorreiter-Rolle zu.

So fördern die ZSC Lions den Nachwuchs.

Aber auch der EV Zug, die Rapperswil-Jona Lakers, der EHC Biel, die SCL Tigers und die beiden Tessiner Klubs Lugano und Ambri investieren Geld und Zeit in den Nachwuchs. Und das ist richtig so. Wo sonst liegt die Zukunft des Schweizer Eishockeys?

So überrascht es kaum, dass genau diese Klubs gegen die Ausländer-Initiative gestimmt haben. Man kann nicht erwarten, dass das Marktungleichgewicht durch die Förderung des Nachwuchses vom einen Tag auf den anderen gelöst sein wird. Denn auch im Nachwuchsbereich läuft nicht alles reibungslos. «Die Vereinbarkeit von Schule und Sport» müsse verbessert werden, sagt ZSC-CEO Peter Zahner im Interview mit dem «Tages-Anzeiger». Deswegen könne man die Nachwuchsarbeit in der Schweiz nicht mit jener in Skandinavien vergleichen. Dort ist Eishockey die Sportart Nummer 1 und die Bildung geht mit dem Training einher.

Transparente Debatte 

Eishockey wird in der Schweiz nie die Top-Sportart sein, was es auch nicht sein muss. Trotzdem sollte man sich um den Nachwuchs kümmern, um einen grösseren Spielermarkt zu generieren. Nur so ist es möglich, weiterhin so gute Spieler auszubilden, die den Sprung in die NHL schaffen.

In der Debatte um die sechs Ausländer war es wichtig, dass sich eine Mehrheit der Klubs öffentlich positionierte. So hatten die Fans und die Medien die Möglichkeit, transparent mitzudiskutieren – egal, ob man letztlich dafür oder dagegen war.

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