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Jetzt meldenPatrick Fischer spricht erstmal seit der Covid-Affäre öffentlich. In einem von einer PR-Agentur produzierten Interview spricht er über sein gefälschtes Covid-Zertifikat.
«Erstmals seit meiner Freistellung spreche ich offen über die Ereignisse rund um die Covid-Affäre, die vergangenen Monate und meine Sicht auf vieles, was damals geschehen ist», schrieb Patrick Fischer am Montagabend auf Instagram. Am Dienstag hat er nun ein Video-Interview auf Youtube gepostet, welches seine Sicht der Dinge aufzeigen soll.
Die Bezeichnung «Interview» ist jedoch mit Vorsicht zu geniessen. Aufgezeichnet wurde das Gespräch nämlich von der Signorell GmbH, der PR-Agentur des ehemaligen Hockey-Profis Riccardo Signorell. Die Fragen stellte der ehemalige Blick-Chefredaktor Peter Röthlisberger, der heute mit seiner Firma «Chefredaktion» Unternehmen und Führungskräfte in Kommunikationsfragen berät. Röthlisberger ist also Profi darin, Führungskräfte bei Medienauftritten gut aussehen zu lassen.
Das Gespräch mit Patrick Fischer ist deshalb nicht als journalistisches Interview zu betrachten, sondern als PR-Auftritt mit professioneller Agentur im Hintergrund.
«Ich beschäftige mich mit gewissen Themen, vor allem wenn es um meine Gesundheit, um meinen Körper geht. Ich höre stark auf mein Bauchgefühl. Das ist mein Anker. Darauf vertraue ich. Deshalb war für mich klar, dass ich mich nicht impfen lasse.»
«Die Covid-Zeit war sehr neblig und unsicher. In der Schweiz war es da schon etwas lockerer, aber China hatte noch immer einen Impfzwang für die Einreise. Da habe ich gewusst, ich hatte ein Problem, weil ich mit den Jungs nach China wollte. Deshalb habe ich mich für den Weg entschieden, ein Zertifikat zu kaufen. Als Nationalcoach hätte ich das nicht tun dürfen, aber mein Gefühl wies mich auch auf eine Verantwortung für meinen Körper hin. Das hat mich in eine schwierige Situation gebracht, die schwierigste in meinen zehn Jahren als Nati-Coach. Ich habe die Verantwortung als Nati-Coach nicht wahrgenommen, aber für mich selbst. Als Nationaltrainer habe ich meine Vorbildfunktion verletzt, da gibt es nichts schönzureden. Aber persönlich bin ich mir treu geblieben.»
«Das Covid-Protokoll sah so aus: Wir sind im Leistungszentrum in der Schweiz jeden Tag getestet worden, beim Abflug und dann auch in Peking selbst. Bei einem positiven Test gehst du in Quarantäne. Ich habe gewusst, ich bin kein grösseres Risiko als die anderen – sobald ich das Virus habe, bin ich in Quarantäne. Das gab mir die Sicherheit, dass ich die Mannschaft nicht gefährde.
«Das war auch das Schwierigste an der ganzen Kampagne. Es wurde behauptet, ich hätte alle gefährdet. Das stimmt so einfach nicht. Das gab es in der Geschichte der Olympischen Spiele noch nie. Wenn jemand ein Vergehen beging, beispielsweise ein Dopingsünder dann wird die Person als Einzelne herausgepickt. Russland wurde einmal ausgeschlossen, weil es im Jahr 2014 systematisch gedopt hat. Aber ich glaube, das kann man nicht vergleichen. Darum war ich mir sicher, dass nicht die ganze Delegation heimgeschickt worden wäre, auch wenn sie mich erwischt hätten. Wir wissen es nicht, aber es ist einfach noch nie passiert.»
«Ich bin ein Mensch, der schnell vertraut und das Vertrauensverhältnis mit SRF war sehr gross. Dann wurde Covid zum Thema und darüber bin ich gestolpert. Ich habe keine Gefahr gesehen. Für mich war Covid vorbei und ich wusste, dass ich das kommunizieren werde. Das war für mich wichtig.»
«Ich bin nicht der Einzige, der ‹off the record› Dinge erzählt. Unser Medienchef hat das ganz klar gesagt. Er sagte, dass es logisch sei, dass es nicht für die Öffentlichkeit gedacht ist. Das wurde durch Schmitz auch bestätigt. Er schrieb uns sogar am nächsten Tag in einer E-Mail, dass ihm die ‹Off-the-Record›-Vereinbarung bewusst sei. Das irritierte mich. Dass dann vom SRF kommuniziert wurde, es sei nie ‹off the record› gewesen. Das stimmt so einfach nicht. Es wurde eine Vereinbarung gebrochen. Das war sehr irritierend, denn so sah auch unser Medienchef schlecht aus. Warum es vom Verband aus nie kommuniziert wurde, weiss ich heute noch nicht. Warum wir nie klargestellt haben, dass wir diese Vereinbarung hatten.»
«Ich bin gut beraten worden. Mir ist gesagt worden, dass ich Ruhe reinbringen soll, sodass sich die Mannschaft auf ihre Aufgabe konzentrieren kann. Das war das Wichtigste in dieser Situation.»
«Ich war in der Slowakei und habe sehr viel Rückendeckung von Staff und Spielern gespürt. Es war auch für sie nicht einfach. Die Heim-WM steht vor der Tür – auch, ob sie boykottieren wollen, ist thematisiert worden. Ich habe ihnen immer gesagt: Get the job done! Ihr wisst, wie es geht.»
«Sie wussten, dass ich mit mir ringe. Sie haben mir eines Tages einen Vertrag vorgelegt, in dem drinstand, dass ich an der U20-WM in Edmonton (Dezember 2021) und der WM in Helsinki (Mai 2022) dabei sein muss. Dafür brauchte es eine Impfung. Und wenn ich fehle, würde es Sanktionen in der Höhe von über einer halben Million Franken geben. Das habe ich unterschrieben. Aber ich habe es als störend empfunden, es hat den Druck noch einmal erhöht. Der Verband hatte damit die Bestätigung, dass ich geimpft war. Deshalb konnte ich nicht mehr in Quarantäne.»
«Rückblickend wäre es der richtige Entscheid gewesen, den Vertrag nicht zu unterschreiben und die Konsequenzen zu tragen.»
«In dieser ganzen Zeit sind so viele Leute auf mich und meine Frau zugekommen, haben uns unterstützt und uns Mut zugesprochen, mitgelitten. Dafür bin ich sehr dankbar, das hat wahnsinnig gut getan. Gleichzeitig ist sich der Hauptkern, meine Familie, meine Frau solche Stürme nicht gewohnt. Ich habe gesehen, was für eine unglaubliche Familie ich habe. Sie hat mich schwer unterstützt.»
«Was mich emotional traf, war, was nach der Entlassung passierte. Die Nati hatte ein Heimspiel zwei, drei Tage danach in Biel. Ein Mädchen hatte für mich dieses Plakat gemacht (zeigt Plakat im Gespräch).
Dieses wurde dem Mädchen dann einfach aus der Hand gerissen. Den Fans wurden diese Dankesbotschaften auch während der WM – Fähnchen und Ähnliches – einfach weggenommen. Das finde ich sehr spannend. Wer gibt das in Auftrag? Die Botschaften waren ja nicht gegen jemanden gerichtet. Es war nur ein Danke an mich. Das hat mich am meisten getroffen.»
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