Olympia 2026 rückt näher – und Roman Josi glaubt an die Schweiz. Der Nati-Captain spricht über die Stärken des eingespielten Teams, die Lehren aus den letzten WM-Finals und warum sich die Schweiz vor niemandem verstecken muss.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Roman Josi feierte sein 1000. NHL-Spiel mit einem emotionalen Moment, als seine Kinder die Startaufstellung vorlasen.
- Der 35-Jährige spricht über seine Rolle in der Nati als ruhiger Leader im Team.
- Mit Blick auf Olympia 2026 und die Heim-WM zeigt sich Josi realistisch, aber optimistisch: Die Schweiz müsse offensiv auftreten und könne dank Teamstärke um Grosses mitspielen.
Kürzlich knackte Roman Josi die Marke von 1000 NHL-Spielen. Sein Sohn – die Tochter brachte vor Aufregung kein Wort heraus – las vor der Partie die Startaufstellung vor. «Das war schon sehr speziell und sehr emotional», meint Josi an einer Medienrunde über die Matchvorbereitung mit seinen Kindern.
In der Kabine hinterlässt normalerweise Roman Josi selbst Eindruck. Kevin Fiala sprach von einer Aura, die Josi umgebe. «Ich merke es nicht gross» findet Josi und erinnert sich an seine Anfänge zurück, als er zum ersten Mal an der Seite von Mark Streit spielte. «Das war für mich unglaublich cool, ihn kennenzulernen.»
«Für mich ist es wichtig, dass ich mich selber bin und dass sich alle im Team wohlfühlen. Für mich ist es auch wichtig, dass sie wissen, dass sie zu mir kommen können – egal was ist», erläutert er seine interne Rolle. Er sei «ein ruhiger Leader».
In der Nationalmannschaft ist der Captain aber nicht alleiniger Anführer. «Nico (Hischier), Nino (Niederreiter) sind auch schon lange dabei in der Nati. Die Leadership-Aufgabe teilst du mit anderen Spielern», erläutert Josi.
Das Geheimnis hinter seiner langen Karriere? «Die Freude am Spiel. Das ist auch das, was dich immer wieder motiviert. Wir haben sehr viele Spiele. Die Erholung ist extrem wichtig und dass du gut auf deinen Körper schaust. Ich versuche alles zu machen, damit ich bereit bin für die Spiele», resümiert der 35-Jährige.
Zusammen mit Freund Nino die 1000-er Marke geknackt
Dabei kämpfte der Berner mehrmals mit Gehirnerschütterungen. Die letzte erlitt er im vergangenen Februar. Danach befürchtete er gar einen Hirnschaden. Untersuchungen ergaben dann, dass er am posturalen Tachykardiesyndrom (POTS) leidet – eine Störung des autonomen Nervensystems, bei der der Herzschlag nach dem Aufstehen stark ansteigt und Schwindel, Herzrasen oder Erschöpfung auslösen kann.
«Es geht eigentlich sehr gut. Für mich war es wichtig zu wissen, was genau los war in den letzten Jahren. Jetzt kann ich es besser managen. Und ich höre besser auf meinen Körper. Die Erholung ist für mich sehr wichtig», betont Josi.
Nino Niederreiter erreichte die 1000er-Marke knapp vor Josi. «Diesen Sommer haben wir uns gesehen und gesagt, es wäre cool, wenn wir am gleichen Spiel die Tausend schaffen würden. Ich habe mich dann verletzt und Nino war Erster», so Josi. Er freue sich aber sehr für seinen langjährigen Wegbegleiter. «Wir kennen uns seit der U16. Wir sind super Freunde und haben so viel miteinander erlebt in der Nationalmannschaft und auch hier in Nashville das eine Jahr (2022-23). Dass wir das im gleichen Jahr schaffen konnten, war sicher sehr speziell, auch weil wir eine sehr enge Freundschaft haben.»
Bald werden die beiden Kumpels auch wieder zusammen auf dem Eis stehen. 2026 stehen die olympischen Spiele sowie die Heim-WM an. Vor 17 Jahren spielte er seine erste WM, 2014 feierte Josi Olympia-Premiere. «Ein tolles Erlebnis», fasst er das Turnier in Sotschi zusammen. Wie er die Entwicklung des Schweizer Hockey beurteilt?
Nati hat sich in den letzten Jahren extrem entwickelt
«Es hat sich schon sehr, sehr verändert. Ich kann mich noch gut an meine erste WM erinnern. Das war in der Schweiz, was natürlich sehr speziell war. Aber wir sind dann nicht ins Viertelfinale gekommen», blickt er zurück. Mit Ausnahme von 2013 sei man aber «recht weit weg von den Medaillen» gewesen. «Dann hat sich die Selbstverständlichkeit entwickelt, dass das Viertelfinal das Minimalziel ist und die Medaillen immer das grosse Ziel sind», sagt Josi.
2024 und 2025 gab es bei den Weltmeisterschaften für die Schweiz zweimal Silber. «Eine Final-Teilnahme bei Olympia wäre natürlich etwas vom Grössten», meint Josi. Der Olympia-Stellenwert sei noch mal ein bisschen höher mit all den Teams und allen Spielern, die dort sind. Speziell auch für die NHL -Spieler, die seit zwölf Jahren nicht mehr dabei sein konnten, führt er aus.
Die Chancen der Schweiz? «Wie wissen natürlich, dass es extrem schwierig wird und die Teams mit unglaublichen Spielern kommen», zeigt sich der ehemalige SCB-Profi realistisch. Aber verstecken müsse man sich vor niemandem. «Unser Vorteil ist sicher, dass wir ein eingespieltes Team sind, dass wir sehr viel Zeit zusammen verbracht haben und viel zusammenspielen durften. Ich glaube, alles ist möglich», meint Josi.
Ob er lieber als Favorit oder Aussenseiter in eine Partie steige? Wichtig sei, dass man offensives Hockey zeige, egal, wer der Gegner sei, erläutert Josi. «Das ist sicher etwas, das wir in den letzten zwei Finals lernen durften. Wir waren zu passiv. Plötzlich hattest du etwas zu verlieren», findet er.