Playoffs verpasst Servettes Sportchef Gautschi verflüchtigt sich nicht in Ausreden

sda

2.3.2025 - 11:36

Mit Genève-Servette und dem EHC Biel verpassen zwei der besten Teams der letzten zwei Jahre die Playoffs in der National League. Nach dem verfrühten Saisonende beginnt die Aufarbeitung.

Keystone-SDA, sda

Für Servette endete die Saison 2024/25 am Samstag mit einer 1:5-Klatsche in Bern schmerzlich. Für die Genfer, vor zwei Jahren noch erstmals in ihrer Klubgeschichte Schweizer Meister und vor einem Jahr Gewinner der Champions Hockey League, ist es nach einer verkorksten Saison ein Scheitern mit Ansage. Trotz viel Qualität im Kader vermochten die Grenats nicht an die Erfolge der letzten beiden Jahre anzuknüpfen. Auch die Entlassung des jungen Erfolgstrainers Jan Cadieux Ende Dezember brachte nicht die erhoffte Wirkung.

Wenig überraschend zog Servettes Sportchef Marc Gautschi eine zwangsläufig negative Bilanz für seinen Verein. Der 42-Jährige beschönigte das neuerliche Verpassen der Playoffs – im letzten Jahr war Servette in der ersten Play-in-Runde an Biel gescheitert – keinesfalls.

Wie «Le Matin» berichtet, nahm er im Bauch der SCB-Arena vor den Journalisten kein Blatt vor den Mund. «Die Bilanz unserer Saison ist sehr schlecht. Es gibt keine Entschuldigung. Alles, was wir seit Finaleinzug vor fünf Jahren aufgebaut haben, nämlich unsere Kultur und den Respekt, den wir uns in dieser Liga erarbeitet haben, haben wir am Ende mit einer solchen Saison in den Müll geworfen.»

Misserfolg «ist die Schuld der Spieler»

In den Saisonprognosen wurde Servette oft als Top-4-Team eingestuft. Dass es am Ende nur zu Platz 12 gereicht hat, daran war nicht erst die Niederlage am Samstag in Bern Schuld. «Der Januar mit den vielen Verletzten und 17 ausstehenden Spielen hat uns wahrscheinlich die ganze Saison gekostet», meint Gautschi. «Insgesamt haben wir jedoch fast nie auf unserem wahren Niveau gespielt. Ausser am Ende, als wir das Messer an der Kehle hatten und sieben der letzten neun Spiele gewannen. Das war das wahre Gesicht von Genf-Servette.»

Und wer trägt die Schuld für den Misserfolg? Der Sportchef hat eine klar Meinung: «Es ist zu einfach, immer mit dem Finger auf den Trainer, den Sportchef oder die Manager zu zeigen. Am Ende sind die Spieler schuld.» Er habe festgestellt, dass sie weder die nötige Kultur noch den Kopf gehabt hätten, um eine gute Saison zu spielen.

Dabei nahm Gautschi auch sich selbst in die Pflicht. «Mein grösster Fehler war, dass ich nach dem 10. Platz in der letzten Saison nicht die notwendigen Änderungen vorgenommen habe. Ich hätte zwei, drei oder sogar mehrere Spieler austauschen müssen. Man hätte zeigen müssen, dass man nicht zufrieden ist, auch wenn man den Titel in der Champions Hockey League gewonnen hat.»

Biels schwerer Neuanfang

Das Scheitern von Servette und Biel zeigt, wie eng es in der National League zu geht. Noch vor zwei Jahren duellierten sich die beiden Klub im Playoff-Final. Für die Bieler kommt das frühe Saison-Out nicht ganz überraschend.

Der Seeländer Klub befindet sich in einer Neuaufbauphase. Dabei kam für den neuen schwedischen Trainer Martin Filander erschwerend dazu, dass er über viele Wochen auf zahlreiche verletzte Stammkräfte verzichten musste. Captain Gaëtan Haas fiel aufgrund einer Gehirnerschütterung fast die ganze Saison aus. Deshalb kamen viele junge Spieler wie der 15-jährige Jonah Neuenschwander zum Zug, die wertvolle Erfahrungen sammeln konnten.

Der Schlussspurt mit zwei Siegen zu Beginn der finalen Woche wurde letztlich nicht belohnt. Biel enttäuschte am Samstag bei der 2:4-Niederlage in Lugano auf ganzer Linie und verpasste dadurch erst zum dritten Mal seit dem Einzug in die neue Arena im Sommer 2015 die Playoffs.