So spannend ist der Kampf um die Playoff-Qualifikation 

Luca Betschart

30.11.2018

Nach 21 Spieltagen präsentiert sich die oberste Schweizer Eishockeyliga so ausgeglichen wie nie zuvor. Auch ein Vergleich mit den europäischen Topligen zeigt: Die Ausgangslage in der National League verspricht viel Spannung.

Der HC Ambri-Piotta hat aktuell bloss drei Saisonsiege weniger auf dem Konto als Leader Zug, trotzdem befinden sich die Leventiner unter dem Strich. In der obersten Schweizer Liga sind die ersten zehn Mannschaften innerhalb von acht Punkten klassiert und machen diese wohl zur ausgeglichensten Topliga in ganz Europa. Drei Gründe, warum sich die Schweizer Hockeyfans auf einen hochspannenden Playoff-Kampf freuen dürfen.

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Kein echter Ligadominator

Nachdem Biel zu Beginn der Saison die Spitzenposition über längere Zeit halten konnte, zeigte sich die Ausgeglichenheit der National League spätestens letztes Wochenende auch in der Tabellenspitze. Weil Biel gegen Genf unterlag, besassen gleich vier Mannschaften die Chance auf den Sprung auf den Leaderthron. Dieser gelang schliesslich den Bernern, die ihrerseits aber bereits tagsdarauf von Zug wieder abgelöst wurden. Die Zuger führen die Liga mit 13 Siegen aus 21 absolvierten Matches an und weisen mit 61,9% gewonnener Ligaspiele im Vergleich mit den aktuellen Tabellenführer anderer Topligen Europas tatsächlich die schlechteste Erfolgsbilanz auf. 

In Russland gewann Leader ZSKA Moskau 29 seiner 33 Spiele (87,8%), Kärpät Oulu behält bei Auftritten in der finnischen Meisterschaft zu 83,3% die Oberhand. Auch in den vergleichbar ausgeglichenen Ligen in Tschechien und Schweden siegen die aktuellen Tabellenführer Ocelari Trinec und Lulea in rund zwei Dritteln ihrer Partien und damit weit häufiger als der EVZ.

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Zehn Teams auf Augenhöhe

Dass sich gleich zehn Mannschaften während langen 21 Spieltagen praktisch auf Augenhöhe begegnen und sich innerhalb acht Punkten befinden, gab es so auch in der National League noch nie. Den kleinsten Vorsprung bisher hatte vor zwei Jahren der ZSC. Zu einem ähnlichen Zeitpunkt der Saison hatten die Löwen 16 Zähler mehr auf dem Konto als die SCL Tigers auf dem zehnten Platz. Ansonsten war die Abstände um einiges grösser: In der Saison 2014/2015 hatte der HC Davos einen satten Vorsprung von 26 Punkten auf das zehntplatzierte Fribourg Gottéron. 

So überrascht auch nicht, dass Ambri-Piotta im europaweiten Vergleich mit Mannschaften in ähnlichen Positionen die beste Erfgolsquote aufweist. In der deutschen DEL verlassen die Nürnberg Ice Tigers in 23 Partien das Eis nur sieben Mal als Sieger. Timra gewinnt in Schweden als zweitbeste Mannschaft unter dem Strich 38,1% der Spiele, IFK Helsinki in Finnland auf gleicher Position deren 41,6%. Der HC Ambri-Piotta dagegen hat hingegen 10 seiner 21 Spiele (47,6%) für sich entschieden.  

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Trügerisches Tabellenbild

In der National League haben selten alle Mannschaften die gleiche Anzahl Spiele absolviert. Vor allem die ZSC Lions hinken der Konkurrenz oft hinterher, da das Hallenstadion den Zürchern nicht immer zur Verfügung steht. So haben die Lions auch im Moment weniger gespielt (bis zu drei Partien) als die Konkurrenz. In der Tabelle sind sie mittlerweile auf Position sieben abgerutscht. Rein nach Verlustpunkten befinden sie sich aber mitten im Kampf um Position eins. Lausanne dagegen befindet sich in der Tabelle nach Verlustpunkten nicht mehr im Mittelfeld auf Rang fünf, sondern bloss zwei Zähler über dem Strich auf dem letzten Playoff-Platz. Die National-League-Tabelle ist eine Momentaufnahme, die oft schneller als erwartet wieder auf den Kopf gestellt wird. Und den Kampf um die Playoff-Plätze von neuem anheizt.