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Patrick Fischer wurde am Mittwoch – 30 Tage vor Start der Heim-WM – als Nati-Trainer freigestellt.
Keystone
Als Patrick Fischer am Montag seinen Zertifikatsschwindel öffentlich machte, stärkte der Eishockeyverband dem Nati-Trainer zunächst den Rücken. Zwei Tage später beugt sich die SIHF dem grossen Druck und stellt Fischer frei. Verbandsboss Urs Kessler erklärt, weshalb.
Montagabend, 20:17 Uhr. In einer Medienmitteilung mit dem Titel «Stellungnahme Patrick Fischer» wird enthüllt, dass der Nati-Trainer vor vier Jahren ungeimpft und mit einem gefälschten Covid-Zertifikat zu den Olympischen Spielen nach Peking gereist war. Fischer zeigt Reue, Verbandspräsident Urs Kessler findet es «anerkennenswert», dass Patrick Fischer seinen Fehler öffentlich einräumt. Für den Verband sei die Angelegenheit damit abgeschlossen, heisst es.
48 Stunden später folgt die nächste Medienmitteilung. Die SIFH teilt mit, dass Fischer von seinem Amt als Nationalcoach freigestellt wird. «Aus heutiger Sicht war unsere erste Beurteilung, wonach die Angelegenheit abgeschlossen ist, zu kurz gegriffen», wird Kessler diesmal zitiert. Vertrauen und Integrität seien zentral im Eishockey, «diese Werte wurden von Patrick Fischer 2022 nicht gelebt.»
Am Freitag nimmt der Verbandspräsident an einer virtuellen Medienkonferenz ein drittes Mal Stellung zum Fall Fischer und macht noch einmal klar, weshalb es alternativlos gewesen sei, den Nationaltrainer freizustellen. «Es geht um Verantwortung, um Werte, um Vertrauen. Als Verband müssen wir die Konsequenzen ziehen», so Kessler. «Fischers Fehlverhalten steht im klaren Widerspruch zu dem, wofür wir im Schweizer Eishockeyverband stehen.»
Kessler hält in seinen Antworten auf die kritischen Fragen der Journalisten vage, deutet aber an, wie gross der Druck seitens Medien, BASPO, Swiss Olympic sowie Sponsoren und Partner wurde. «Der Fall war juristisch abgeschlossen, aber es geht um weit mehr.»
Es gehe um Ethik, um Vertrauen und Ehrlichkeit. «Der Verwaltungsrat hat am Mittwochmorgen an einer ausserordentlichen Sitzung entschieden, dass Fischer freigestellt wird. Es war ein schwieriger, aber notwendiger Schritt», so Kessler. Fischer wurde am Mittwochmorgen der Rücktritt angeboten, diesen lehnte er ab. «Aber unser Entscheid stand da schon fest», erklärt der Präsident.
Wie Patrick Fischer reagierte, will Kessler nicht im Detail verraten. «Es war natürlich eine besondere Situation für ihn. Er hat sich Gedanken gemacht.» Das Team habe er am Mittwoch per Videocall informiert. Die Reaktion der Nati-Spieler? «Es ist eine grosse Verbundenheit zu Fischer vorhanden. Aber wir müssen jetzt nach vorne schauen», sagt Kessler nur. Bislang wurde den Spielern ein Maulkorb verpasst. Und auch heute Freitag, wenn die Nati ein zweites Mal gegen die Slowakei antreten wird, dürfen sie nichts sagen.
Er hoffe, dass sich die Mannschaft mit ihrem neuen Chefcoach Jan Cadieux nun schnell wieder aufs Sportliche konzentrieren könne, sagt Kessler. Schliesslich geht die Heim-WM schon in wenigen Tagen los. Eine Heim-WM, die zum letzten grossen Schaulaufen des erfolgreichsten Schweizer Nati-Trainers aller Zeiten hätte werden sollen. Nach dreimal WM-Silber wird Patrick Fischer die Chance genommen, sich mit dem ganz grossen Coup verabschieden zu können.
«Er hat dem Schweizer Eishockey sehr viel gegeben. Gleichzeitig müssen wir festhalten, dass er etwas falsch gemacht hat. Er hat in eigener Verantwortung einen heiklen Fehler begangen. Gerade in einer Zeit, in der die Welt sehr auf Fairness und Zusammenhalt geschaut hat», resümiert Kessler. Der Vertrauensbruch würde die Erfolge aber auch nicht relativieren.
Fischers Verdienste seien riesig gewesen. Und Kessler scheint mit dem abgesägten Nationaltrainer auch ein Stück weit mitzuleiden. «Es tut mir sehr leid für die Person Patrick Fischer. Ich fühle mit ihm, die Heim-WM war sein grosses Ziel. Es wäre seine letzte grosse Bühne gewesen vor dem Rücktritt.»
Dass der Verbandschef, der nach eigenen Angaben erst am Montagmorgen von Fischers Fehltritt erfuhr, selbst zurücktritt, stehe nicht zur Debatte. «Wir haben in den letzten 48 Stunden auch im Verband Fehler gemacht. Aber aus meiner Sicht wäre es das Schlimmste, den Verband jetzt so kurz vor der Heim-WM führungslos zu machen», so Kessler.
Nun wurde eine externe Agentur beauftragt, die ganze Sache gründlich zu untersuchen. Von Olympia 2022 bis zu jenem verhängnisvollen Mittagessen mit zwei SRF-Journalisten, das Fischer letztlich den Job kostete und bei dem auch der SIHF-Medienchef anwesend war.
Der Verband wünscht sich weniger als einen Monat vor dem WM-Eröffnungsspiel in Zürich gegen die USA, dass bald wieder Ruhe einkehrt. Das wird vorerst Wunschgedanke bleiben: Weil sich diese Woche die Spieler (noch) nicht äussern dürfen, werden sie nächste Woche anlässlich der Heimspiele in Biel gegen Ungarn erst recht im Fokus stehen.
Der Schweizer Torsong, erst vor wenigen Tagen abgeändert mit der Stimme von Ex-Nationalcoach Patrick Fischer, muss erneut angepasst werden. Und weitere Verfahren mit Bezug auf den Covid-Schwindel Fischers wurden in den letzten zwei Tagen von verschiedensten Seiten eingeleitet.