Umstrittener Sportwettbewerb Enhanced Games enden mit nur einem neuen Weltrekord

Lea Oetiker

25.5.2026

Gkolomeev verdiente an einem Abend 1,5 Millionen US-Dollar an Preisgeld.
Gkolomeev verdiente an einem Abend 1,5 Millionen US-Dollar an Preisgeld.
Jae C. Hong/AP/dpa

In Las Vegas sind erstmals die umstrittenen «Enhanced Games» ausgetragen worden, bei denen der Einsatz von Dopingmitteln erlaubt war. Trotz dieser Bedingungen blieben spektakuläre Rekorde jedoch weitgehend aus.

Lea Oetiker

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Bei den ersten «Enhanced Games» in Las Vegas war Doping ausdrücklich erlaubt, doch die erwarteten Rekorde blieben grösstenteils aus.
  • Zwar stellte der Schwimmer Kristian Gkolomeev über 50 Meter Freistil eine inoffizielle Bestzeit auf, andere Stars wie Fred Kerley blieben klar hinter ihren Ankündigungen zurück.
  • Die Spiele werden von Anti-Doping-Organisationen scharf kritisiert, während die Organisatoren sie als Zukunftsmodell für eine «Supermenschheit» darstellen.

In Las Vegas sind am Sonntag erstmals die umstrittenen «Enhanced Games» über die Bühne gegangen. 42 Athletinnen und Athleten traten in Disziplinen wie Leichtathletik, Schwimmen und Gewichtheben an. Der entscheidende Unterschied zu klassischen Wettkämpfen: Der Einsatz leistungssteigernder Substanzen – also Doping – war ausdrücklich erlaubt.

Nach Angaben der Veranstalter hatten 38 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zuvor unter medizinischer Aufsicht leistungssteigernde Substanzen wie Testosteron, Wachstumshormone oder EPO eingenommen. EPO wird als Dopingmittel verabreicht, um die Sauerstofftransportkapazität des Blutes zu erhöhen. Details zu Dosierungen oder konkreten Substanzen wurden nicht veröffentlicht.

Trotz der erlaubten Dopingmittel blieben die erhofften Rekordleistungen weitgehend aus. Bei den insgesamt 22 Wettkämpfen verbesserten zwar zwölf Schwimmer und Gewichtheber ihre persönlichen Bestleistungen. Eine Flut von überraschenden Resultaten gab es aber nicht.

Einen neuen Weltrekord

Unter anderem hatte der ehemalige Sprint-Weltmeister Fred Kerley im Vorfeld angekündigt, Usain Bolts Weltrekord über 100 Meter (9,58 Sekunden) werde «zerlegt». Tatsächlich gewann der US-Amerikaner das Rennen zwar, blieb mit 9,97 Sekunden aber klar über der Bestmarke.

Diese Zeit hätte bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris nicht einmal für den Finaleinzug gereicht. «Ich glaube schon, dass ich glücklich bin», sagte Kerley nach seinem Sieg und der Prämie von 250'000 Dollar. «Aber wir wissen alle, wofür wir hier sind: für einen Weltrekord.»

Doch einen neuen Weltrekord gab es tatsächlich, obwohl er nicht offiziell anerkannt wird: Der griechische Schwimmer Kristian Gkolomeev unterbot über 50 Meter Freistil in 20,81 Sekunden den bestehenden Weltrekord (20,88).

Da bei den Enhanced Games jedoch verbotene Hightech-Anzüge erlaubt waren, bleibt die Zeit ohne offizielle Gültigkeit. Gkolomeev kassierte dafür eine Million Dollar Prämie. «Noch eine Million, das ist gar nicht schlecht», sagte er.

Welt-Anti-Doping-Agentur verurteilt die Spiele

Als «gefährliches und unverantwortliches» Konzept verurteilte die Welt-Anti-Doping-Agentur die Spiele. «Die Macher der Enhanced Games wollen vielleicht schnelles Geld verdienen, aber dieser Gewinn geht auf Kosten von Kindern auf der ganzen Welt, die glauben, dass sie Dopingmittel nehmen müssen, um ihre Träume zu verwirklichen», erklärte der Chef der amerikanischen Anti-Doping-Agentur, Travis Tygart.

Lars Mortsiefer, Vorstandsvorsitzender der Nationalen Anti Doping Agentur Deutschland, betonte: «Ein Wettbewerb, der gezielt auf den Einsatz von Dopingmitteln setzt, ist ethisch und moralisch absolut verwerflich.»

«Neue Supermenschheit schaffen»

Gründer der Spiele ist Aron D'Souza. Er sieht sich auf einer Mission, «eine neue Supermenschheit zu schaffen». Der Mitte der 1980er Jahre geborene Australier machte seinen Abschluss in Rechtswissenschaften in Oxford. Er ist auch Gründer eines KI-Tribunals, das Behauptungen in Medien überprüfen soll. Der Kampf gegen Doping ist für D'Souza heuchlerisch, 99 Prozent der Sportler würden ohnehin zu Doping greifen, behauptete er.

Geschäftsführer der Spiele ist der gebürtige Münchner Maximilian Martin. Ein ehemaliger Investmentbanker, der in Deutschland und den USA studierte. Martin investierte viel in das neue Projekt. «Ich habe schnell bemerkt, dass Enhanced für mich die aufregendste Firma ist, die ich je gesehen habe», sagt er in einem «Forbes»-Bericht.

Er und Christian Angermayer, der als Vorstandsvorsitzender und Mitbegründer geführt wird, waren D'Souza 2023 begegnet. Angermayer ist Milliardär, Filmproduzent und unter anderem auch Mitgründer eines Biopharma-Unternehmens. Er stammt aus der Oberpfalz und investierte schon in Kryptowährungen, Psychedelika, Gehirnimplantate und Longevity (Langlebigkeit). Zu den begeisterten Investoren der Enhanced Games gehören auch der PayPal-Gründer Peter Thiel oder US-Präsidentensohn Donald Trump Jr..


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