2345 Kilometer unterwegs Verrücktes Projekt: Freiburg-Fan radelte mit Velo nach Istanbul

Lukas Esser, Syl Battistuzzi

20.5.2026

Zwischenstop für Johannes Heim.
Zwischenstop für Johannes Heim.

Vom Breisgau bis an den Bosporus: Freiburg-Anhänger Johannes Heim hat eine verrückte Reise hinter sich. Trotz mentaler Tiefs, streunender Hunde und 15'000 Höhenmetern erreichte der 39-Jährige rechtzeitig Istanbul.

Lukas Esser, Syl Battistuzzi

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Johannes Heim ist als Freiburg-Fan mit dem Fahrrad 2345 Kilometer von Deutschland nach Istanbul gefahren, um sein Team im Finale zu unterstützen. Für die Reise brauchte er 27 Tage.
  • Der 39-Jährige hatte kaum Erfahrung mit langen Velotouren und kämpfte unterwegs vor allem mental mit Zweifeln und aggressiven Strassenhunden. Körperlich verlief die Reise überraschend problemlos.
  • Auf seiner Route durch mehrere Länder sammelte Heim viele eindrückliche Erlebnisse und erreichte Istanbul gerade rechtzeitig zum Spiel. 

Johannes Heim ist seit seinem ersten Besuch eines Freiburgs-Spiels – damals noch in der 2. Bundesliga – eingefleischter Anhänger der Breisgauer. Für sich und seinen Klub hat der 39-Jährige ein irres Projekt in die Tat umgesetzt: mit dem Fahrrad von der Heimat in die türkische Metropole.  Am Mittwochmorgen ist der Deutsche nach einer langen Reise in Istanbul angekommen. Und kann sein Team nun vor Ort unterstützen.



«Ich feiere dieses Jahr meinen 40. Geburtstag und wollte deshalb was Besonderes machen. Im Januar hat die Idee Form angenommen, als ich gesehen habe, dass das Finale in Istanbul stattfindet», meint er im Interview mit blue Sport. Den Einzug seines Klubs ins Endspiel war da noch nicht absehbar. «Es wäre schade gewesen, aber ich hätte das Ganze trotzdem gemacht», sagt Heim.

Dabei ist er «gar kein Fahrrad-Fahrer», wie Heim betont. Sachen wie Reifen wechseln hätte ihm ein Arbeitskollege beibringen müssen. Am 24. April fuhr er los, insgesamt 27 Tage braucht der Abenteurer für den Trip. Ab und zu habe er sich auch ein wenig Zeit für «Sightseeing oder zum Ausruhen» gegönnt, so Heim. 

Der verheiratete Familienvater (zwei Kinder) hat in seiner vierwöchigen Odyssee etwa 15'000 Höhenmeter bewältigt und insgesamt 2345 Kilometer zurückgelegt. «Körperlich habe ich es viel schlimmer erwartet», sagt Heim und ergänzt: «Durch gepolsterte Unterhose habe ich keine Schmerzen am Hintern. Zudem habe ich viel mehr Muskelkater erwartet, nach einer Woche waren die Waden wohl bereits daran gewöhnt», mutmasst er.

Streunende Hunde machten ihm das Leben schwer

Dafür sei es mental schwierig gewesen. Oft habe er sich den Kopf zerbrochen, «ob ich ich das jetzt wirklich durchziehe oder ob ich aufgeben soll», gibt er zu. Die grössten Probleme auf seinem Abenteuer bereiteten ihm «streunende Hunde». «In Osteuropa gibt es ein massives Hundeproblem» – täglich habe sich mit aggressiven Vierbeinern auseinandersetzen müssen, erläutert er. 

Dafür hatte er auch viele eindrückliche  Erlebnisse. In Österreich begeisterten ihn die Seen und Berge, auch wenn die vielen Höhenmeter anstrengend gewesen seien. In Kroatien, Serbien oder Türkei sei er oft in ländlichen Zonen unterwegs gewesen und habe mitbekommen, wie die Leute so leben. «Ich bin an Blechhütten vorbeigefahren – wie in Afrika. Kinder sind rausgestürmt, weil sie Essen und Trinken wollten», erzählt Heim und ergänzt: «An solchen Sachen merkt man, wie gut wir es hier haben.»

Da der offizielle Ticketverkauf startete, als er schon unterwegs war, hatte Heim noch gar kein Billet fürs Spiel. «Ich habe mich in Sofia am Strassenrand eingeloggt. Nach zehn Minuten Wartezeit war es ausverkauft. Ich war sehr enttäuscht», gesteht Heim. Doch zum Glück habe sich später «was ergeben». 

Die Ankunft am Zielort war für Heim schlicht «ein mega gutes Gefühl». Bald kommt noch die Familie nach Istanbul, um mit ihm noch ein paar Tage in der Millionen-Stadt zu verbringen. Und dann geht's ab nach Hause – im Flugzeug – und das Velo im Gepäck. 

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