Die UEFA bilanziert die Frauen-EM in der Schweiz als Erfolg – trotz eines Millionenverlustes. Die wirtschaftliche Realität bleibt ernüchternd, trotzdem sieht die UEFA im Frauenfussball grosses Potenzial und investiert.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Die UEFA verbucht für die Frauen-EM 2025 in der Schweiz einen Nettoverlust von 20 bis 25 Mio. Euro, betrachtet das Turnier aber als strategische Investition in die Zukunft des Frauenfussballs.
- Das auf 41 Mio. Euro erhöhte Preisgeld gilt als politisch richtig, sprengt aber angesichts begrenzter TV- und Sponsoreneinnahmen (32,5 Mio. Euro) den finanziellen Rahmen.
- Trotz positiver Entwicklung bleibt Frauenfussball kommerziell ein Nischenprodukt – global kaum vermarktbar und aktuell auf Quersubventionierung durch den Männerfussball angewiesen.
Mehr als 400 Millionen Menschen verfolgten die EM-Partien am TV, 29 von 31 Spielen waren ausverkauft und über 650'000 Fans waren im Stadion – die Frauen-EM in der Schweiz setzt neue Massstäbe.
Von einem «wichtigen Meilenstein in der Entwicklung des Frauenfussballs» spricht UEFA-Präsident Aleksander Čeferin. «Doch dies ist erst der Anfang.» Nadine Kessler, die Leiterin der UEFA-Frauenabteilung, sagte kürzlich dem «Blick», dass sie «super happy und stolz» sei. «Es war wahnsinnig schön, mitanzusehen, wie sich da ein Land gerade in den Frauenfussball verliebt.»
Nur finanziell hat sich der Event für die UEFA nicht gelohnt. Oder zumindest noch nicht. Laut blue Sport Informationen rechnet die UEFA mit einem Verlust von 20 bis 25 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die EM der Männer 2024 brachte der Europäischen Fussball-Union satte 1,2 Milliarden Euro Gewinn. «Das finanzielle Ergebnis dieser EM wird am Ende positiver sein als erwartet. Aber es ist kein Verlust, sondern eine Investition», so Kessler.
Höhere Preisgelder für Verbände und Spielerinnen
Das Turnier hätte schwarze Zahlen geschrieben, wenn die UEFA das Preisgeld gegenüber der EM 2022 nicht um 156 Prozent erhöht hätte, heisst es. Die UEFA teilt mit, dass auch den Spielerinnen erstmals Prämien garantiert werden. Die nationalen Verbände müssen zwischen 30 und 40 Prozent der erhaltenen Prämien an ihr Team weitergeben.
Auch europäische Klubs werden stärker entschädigt, wenn sie ihre Spielerinnen für die EM 2025 freistellen. Das «Club Benefits»-Programm wird auf 9 Millionen Euro erhöht – 2022 lag der Betrag noch bei 4,5 Mio. Euro.
Mit diesen Massnahmen will die UEFA ein klares Signal setzen: Die professionelle Förderung des Frauenfussballs soll vorangetrieben werden. Bis 2030 will die UEFA eine Milliarde Euro in den Ausbau des Frauenfussballs in Europa investieren.
Quersubventionierung durch das Geschäft der Männer
Trotz positiver Trends bleibt der Frauenfussball im kommerziellen Bereich eine Nische. Zwar verdoppelten sich die Einnahmen aus Sponsoring und TV-Rechten im Vergleich zur EM 2022 – auf insgesamt 32,5 Millionen Euro. Im Vergleich zur Männer-EM, die global Milliarden generiert, bleibt dieser Wert überschaubar.
Dazu kommt: 92 Prozent der Medienrechte wurden in Ländern verkauft, deren Nationalteams auch teilgenommen haben. Für Märkte wie Asien oder Amerika bleibt der Frauenfussball aktuell weitgehend uninteressant – ganz im Gegensatz zur Männer-EM, die dort hohe Quoten und Einnahmen erzielt.
Trotzdem hält die UEFA an ihrer Strategie fest, den Frauenfussball nachhaltig zu fördern. Diese Haltung stärkt das Image und signalisiert Entwicklung, ist aber – nüchtern betrachtet – ein Akt der Quersubventionierung durch das Männergeschäft.
So klingt das Ziel zwar edel: mehr Sichtbarkeit, mehr Wertschätzung, mehr Wachstum. Doch bis der Frauenfussball wirtschaftlich auf eigenen Beinen steht, bleibt er auf die Erlöse der Männer angewiesen. Ob sich das in Zukunft ändert, hängt nicht zuletzt vom globalen Interesse und neuen Märkten ab.