Das EM-Jahr ist lanciert: Die Schweizer Nati hat vergangene Woche im Rahmen der Nations League ihre ersten Länderspiele 2025 bestritten. blue Sport beantwortet die brennendsten Fragen nach dem 1. Zusammenzug.
Warum hat Bachmann keine Minute gespielt?
Gegen Island und Norwegen erhält Nati-Star Ramona Bachmann keine Einsatzzeit. Nati-Trainerin Pia Sundhage sagt nach dem Norwegen-Spiel darauf angesprochen: «Sie ist noch nicht bei 100 Prozent und auch nicht im Spielfluss.» Sie hätten deshalb nichts überstürzen und so auch kein unnötiges Risiko eingehen wollen. Bachmann gehe jetzt zurück nach Houston und werde das nächste Mal besser vorbereitet sein. «Früher oder später wird sie dann auch wieder spielen, denke ich.»
Hat die Schweiz ein EM-Baby im Camp?
Ramona Bachmann und ihre Ehefrau Charlotte erwarten anfangs Mai Nachwuchs. Darf sie das Baby ins Camp mitnehmen? Für Nati-Coach Pia Sundhage eine Möglichkeit, aber sie wisse nicht, wie das bei der Schweizer Nati geregelt sei, sagt sie zu blue Sport. Grundsätzlich glaubt sie an einen positiven Effekt: «Ich denke, Mutter zu werden, eine Familie zu bekommen, wird sie wachsen lassen.» Es werde toll sein, Ramona spielen zu sehen.
Hat es Platz für Bachmann und Schertenleib?
Sind beide in Form, so ist es durchaus denkbar, dass beide zusammen auf dem Platz stehen. Es würde das Schweizer Spiel unberechenbarer machen, da beide über herausragende Offensivqualitäten verfügen. In den Spielen gegen Island und Norwegen liefen fast alle Angriffe über die 18-jährige Barça-Spielerin. Bachmann kann das Spiel ebenfalls an sich reissen und ist immer für einen Geniestreich gut. Offensiv mit Freiheiten ausgestattet, müssten die Rollen im Spiel gegen den Ball aber ganz klar verteilt sein.
Hat es in der Startelf Platz für Crnogorcevic?
Ana-Maria Crnogorcevic bringt extrem viel Erfahrung mit und das auf höchstem Niveau. Allerdings ist die 34-Jährige auf dem Platz nicht mehr unumstritten. Zuletzt spielte sie am rechten Flügel und wusste dort nicht zu überzeugen. Gegen Island wird sie in der 84. Minute ausgewechselt, in Norwegen bereits in der Pause. Was neben der Erfahrung für Crnogorcevic spricht: Sie ist polyvalent einsetzbar, ihre Kopfballstärke und der Umstand, dass sie alles darauf ausgerichtet hat, im Sommer in Bestform zu sein.
Ist Alisha Lehmann eine Wackelkandidatin?
Die 26-Jährige ist ein Genie in Sachen Selbstvermarktung. Doch was bringt sie dem Team auf dem Platz? Bei Juventus Turin hat sie einen schweren Stand und zuletzt musste sie für die Länderspiele aufgrund einer Verletzung Forfait erklären. Am Wochenende sass sie beim 4:3-Spektakel-Sieg gegen die AS Roma wieder auf der Bank. Während in den sozialen Medien Millionen von Fans vor allem das Glamour-Girl Lehmann feiern, interessiert Pia Sundhage nur das, was die Fussballerin Lehmann zu bieten hat. Und die Welttrainerin von 2012 spricht sehr wohlwollend über die Juve-Angreiferin.
Was bedeutet die Nicht-Nomination für Sow?
«Es war für sie schon auch ein Schock», sagte die 99-fache Nationalspielerin Eseosa Aigbogun über die Nichtnomination ihrer guten Freundin Coumba Sow. Denn im ersten Jahr unter Sundhage kam Sow in 9 von 12 Spielen zum Einsatz, wusste allerdings nicht immer zu überzeugen. Der Umgang mit der Enttäuschung ist lobenswert: Erst schiesst sie Basel in den Cup-Halbfinal und beim Spiel gegen Island sitzt sie auf der Tribüne und drückt ihrem Team die Daumen. Der Zug ist für Sow sicherlich noch nicht abgefahren, solange sie beim FC Basel abliefert. Am Samstag kann sie dies nicht tun, beim 2:1-Sieg gegen GC drückt sie die Bank.
Was ist mit Naomi Luyet los?
Luyet gehörte im vergangenen Jahr zu den grossen Gewinnerinnen. Im Juni gibt sie ihr Debüt in der Nati und kommt auch in den folgenden vier Partien zum Einsatz. Ende Oktober erzielt sie ein Traumtor beim 2:1-Sieg gegen das favorisierte Frankreich. Seit Mitte November fällt die 19-jährige YB-Spielerin aber verletzt aus. Findet sie ihre Bestform wieder, so hat sie allerdings sehr gute Chancen, den Platz am linken oder rechten Flügel zu besetzen.
Welche Spielerinnen sind gesetzt?
Elvira Herzog ist zwischen den Pfosten gesetzt, in der Reihe davor führt kein Weg an Luana Bühler und Viola Calligaris vorbei. Unumstritten ist Nati-Kapitänin Lia Wälti, die Schaltzentrale im zentralen Mittelfeld. Auch die 20-jährige Smilla Vallotto, fleissigste Assistgeberin unter Sundhage, wird kaum aus der Startelf rotiert. Géraldine Reuteler, welche die letzten vier Länderspiele verletzt verpasste, steht auch hoch im Kurs, zumal sie bei Frankfurt in dieser Saison stark performt. Schertenleib hat sich ebenfalls in eine gute Position manövriert, sie könnte aber auch «geopfert» werden, sollte Sundhage eine defensivere Ausrichtung bevorzugen.
Ist die Schweizer Nati im Fahrplan?
Sowohl gegen Island als auch gegen Norwegen wird die Schweiz an der EM spielen. Dabei hat die Nati gezeigt, dass sie sich mit beiden Teams auf Augenhöhe bewegt. Gegen Island lässt die Schweiz vieles vermissen, holt aber einen Punkt. Gegen Norwegen setzt es für das Team von Pia Sundhage trotz Leistungssteigerung eine 1:2-Niederlage ab. Kurz: Die Richtung stimmt, aber Sundhage muss noch an der einen oder anderen Stellschraube drehen.
Wie geht es weiter?
Am 4. April spielt die Schweiz in St.Gallen gegen Frankreich, vier Tage später steht das Rückspiel gegen Island auf dem Programm. Gegen Frankreich wird die Schweiz als Aussenseiterin antreten, ein Punktgewinn käme einem Achtungserfolg gleich. Das Spiel in Island könnte im Kampf gegen den Abstieg aus der höchsten Liga der Nations League bereits wegweisenden Charakter haben. Dort gilt auf jeden Fall: Verlieren verboten.
Tabelle Gruppe A2 nach dem 2. Spieltag
- Frankreich – 6 Punkte (Torverhältnis: 4:2)
- Norwegen – 3 Punkte (Torverhältnis: 2:2)
- Island – 1 Punkt (Torverhältnis 2:3)
- Schweiz – 1 Punkt (Torverhältnis 1:2)