«Ich sagte mir: Hey, geniess es!» Das verrückte Jahr von Nati-Goalie Livia Peng

Jan Arnet

27.12.2025

Peng über die EM: «Im Nachhinein war schon ein grosser Druck da»

Peng über die EM: «Im Nachhinein war schon ein grosser Druck da»

Wie geht man mit Erwartungsdruck um? Livia Peng gibt bei blue Sport ehrliche Einblicke in ihre Heim-EM.

23.12.2025

Kurz vor Turnierbeginn wurde sie zur Nummer eins erkoren und hat zu Chelsea gewechselt. Livia Peng aber blieb cool – und spürte den Druck erst nach der Heim-EM.

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Michael Schifferle, Michael Wegmann, Ronja Zeller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Livia Peng wurde in der Nati kurz vor Beginn der Heim-EM zur Stammtorhüterin ernannt und stand damit unter immensem Druck, den sie erst im Nachhinein voll realisierte.
  • Trotz der kurzfristigen Beförderung und ihrer jungen 23 Jahre bewältigte sie die Herausforderung mit mentaler Stärke und grosser Dankbarkeit für die Erfahrung.
  • Parallel zu ihrer EM-Teilnahme erfüllte sie sich mit dem Wechsel zum FC Chelsea einen Kindheitstraum und strebt dort wie in der Nationalmannschaft die Nummer-eins-Rolle an.

Sie steht in einer Reihe mit Eugène Parlier und Diego Benaglio. Parlier? Der hütete 1954 an der Heim-WM das Schweizer Tor. Immerhin in den Viertelfinal brachte es das Team von Trainer Karl Rappan. Und Benaglio gehörte 2008 zu jenem Unglücksteam von Köbi Kuhn, das sich nach vier Tagen von der Heim-EM verabschieden musste.

Was das mit Livia Peng zu tun hat? Viel! Sie weiss seit diesem Sommer, was es heisst, den Druck aushalten zu müssen, als Nummer eins in ein Heim-Turnier zu gehen. Und Peng, gerade mal 23 Jahre alt, wurde erst kurz Turnierbeginn von Trainerin Pia Sundhage auf den Goaliethron gehoben. Eine besondere Situation.

«Wenn wir mit dem Bus fuhren, sahen wir draussen nur rot-weisse Fahnen. Man spürte, wie alle stolz waren auf den Weg, den wir gingen», sagt Peng.

«Ich wollte einfach liefern»

Und wie ging gerade sie als Torhüterin, die kurz erst zur Stammkraft aufstieg, mit den Erwartungen und der Vorfreude um? Peng sagt: «Ich habe mir gar nicht viele Gedanken gemacht. Ich wollte einfach liefern. Erst jetzt merke ich, wie viel Druck da war, den ich gar nicht so schnell verkraften konnte.»

Vor den Spielen habe sie sich Mut gemacht. «Ich sagte mir: Hey, geniess es. Es wird ein Spiel wie jedes andere. Spass haben ist das Wichtigste.» Sie habe immer von der Nati geträumt, sagt Peng. Dass er Realität wurde, zumal so schnell, überraschte sie erst recht. «Und dann noch an einer Heim-EM – daran hätte ich nicht geglaubt.»

Sie habe viel darauf hingearbeitet, malocht, trainiert, gebissen. «Nun bin ich mega dankbar, dass ich dabei war und auch noch gespielt habe», sagt Peng.

Chelsea – das Ziel ihrer Träume

Wie einige ihrer Teamkolleginnen hat sie die jüngste Entwicklung des Schweizer Frauenfussballs und des Interesses daran verblüfft. «Es ist unglaublich. Es war nicht zu erwarten, dass in der Schweiz so etwas stattfindet.» Fabelhaft.

Einen anderen Traum lebt Peng seit diesem Jahr ebenso: Sie steht beim FC Chelsea unter Vertrag, dem Club ihrer Kindheitsträume. «Von klein auf war ich Fan. Von den Männern, von den Frauen. Von allem. Cool, dass ich den Wechsel durchziehen konnte.»

Im letzten Winter fragten die Engländer bereits bei Pengs damaligem Club an, dem SV Werder Bremen. Der aber blockte noch ab. Im Sommer aber gaben die Norddeutschen Peng frei und ermöglichten ihr den Weg ins gelobte Land. «Es war sehr aufregend, aber ich bin total unterstützt worden», sagt Peng.

Ihr Prinzip? «Have fun, win titles!» Spass haben und gewinnen. «Und die Nummer eins werden.» Wie in der Nati.

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