Nati-Star Schertenleib liebt das Kreative «Ich habe jeden Tag meine 5 bis 10 crazy Minuten»

Sandro Zappella

25.12.2025

Schertenleib: «Ich habe jeden Tag meine 5-10 Minuten, in denen ich crazy bin»

Schertenleib: «Ich habe jeden Tag meine 5-10 Minuten, in denen ich crazy bin»

Das Nati-Juwel Sydney Schertenleib spricht mit blue Sport über ihre Ziele in der Schweizer Nati.

23.12.2025

2025 war ihr Jahr: Sydney Schertenleib holte mit Barcelona das Double und spielte mit der Nati an der Heim-EM mit. Selbst auf der Bank kamen ihr vor Stolz die Tränen.

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Michael Schifferle, Michael Wegmann, Ronja Zeller

Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen

  • Sydney Schertenleib erlebte die Heim-EM mit der Schweizer Nati als emotionalen Höhepunkt, geprägt von grossem Teamzusammenhalt, begeisterten Fans und persönlichen Momenten, die sie nachhaltig prägten.
  • Trotz eines schwierigen Turnierstarts auf der Ersatzbank kämpfte sie sich in die Startelf, zeigte grosse Motivation und wurde zu einer wichtigen Teamstütze auf dem Weg in die Viertelfinals.
  • 2025 war für Schertenleib auch auf Klubebene ein Erfolgsjahr mit dem Double beim FC Barcelona, internationaler Anerkennung und dem klaren Ziel, künftig die Champions League zu gewinnen.

Sydney Schertenleib ist keine Ausnahme. Fährt die Fussballerin mit ihren Kolleginnen im Bus zum Stadion, setzt sie ihre Kopfhörer auf und taucht in ihre eigene Welt ab. Sie ist dann ganz bei sich, beim Spiel, baut ihre Konzentration auf. Als sie aber in diesem Sommer im Bus sass, der die Schweizer Fussballerinen in den Basler St. Jakob-Park fuhr, etwa zum Startspiel der Heim-Europameisterschaft gegen Norwegen – da konnte auch sie sich der Umwelt nicht mehr entziehen. «Eigentlich höre ich wirklich nur Musik in diesen Momenten, aber als ich da hinausschaute, habe ich gemerkt, wie viel das alles für uns und die Menschen bedeutet. Das war krass.»

Besonders «krass» wars für Schertenleib, als die Schweizerinnen die zähen Isländerinnen niedergerungen hatten und damit auf dem in die Viertelfinals waren. «Ich rannte zu meiner Familie, und alle umarmten mich fest – ein richtiger Group Hug», sagt sie. «Das war ein sehr emotionaler Moment.»

«Wir hatten es fantastisch zusammen»

Und als sie beim letzten Nati-Zusammenzug Videos vom Sommer sah, von den Spielen und jubelnden Fans – da war Schertenleib ebenso überwältigt. «Da sind mir die Tränen gekommen. Es war so schön. Das wird mich und uns alle für immer prägen.»

Dabei begann das Turnier nicht ganz nach Wunsch für sie. Trainerin Pia Sundhage setzte Schertenleib zunächst auf die Bank. An ihrem Feuer, alles zu geben, änderte das gleichwohl nichts. «Ich habe trotzdem auf der Bank vor Stolz geheult. Und ich war umso motivierter, für mein Land alles zu geben.» Vor dem Spiel schon hatte sie zahlreiche Nachrichten erhalten.

Vom zweiten Spiel an stand sie dann auch immer in der Startelf. Ob sie nun gespielt habe oder nicht: Der Zusammenhalt im Team sei herausragend gewesen, sagt Schertenleib. «Wir hatten es fantastisch zusammen.» Die Leibchen des Turniers hat sie natürlich behalten. Aufhängen wird sie diese jedoch erst nach der Karriere – mit anderen, vielleicht noch bedeutenderen Ereignissen.

Sydney Schertenleib konnte mit der Nati und mit Barcelona überzeugen.
Sydney Schertenleib konnte mit der Nati und mit Barcelona überzeugen.
KEYSTONE

«Lia holt mich dann wieder runter …»

Für Schertenleib selbst war das Jahr 2025 ohnehin von Erfolg gekrönt. Mit dem FC Barcelona gewann die frühere Mittelfeldspielerin von GC und dem FCZ im Sommer das spanische Double. Ende 2024 war sie überdies für den Golden-Girl-Award nominiert, bei dem das grösste Talent unter 21 prämiert wird. Eine grosse Ehre für die Zürcherin.

Und überhaupt, Barcelona! Für Schertenleib nahm die Karriere im Süden so richtig Fahrt auf. «Die Leute sind mega lieb, sie haben mich super aufgenommen.» Das Spiel mit dem Ball, wie es die Blaugrana pflegen, liebt sie. «Ich habe gerne den Ball am Fuss. Bin sicher jemand, der kreativ ist.» Aber übertreiben soll sie es nicht. «Ich habe schon meine 5 bis 10 Minuten am Tag, an denen ich crazy bin», sagt sie und lacht. Den Ball spielt sie dann nicht so gerne ab, sondern dribbelt, als gäbe es kein Morgen. «Aber Lia (Wälti, Kapitänin, Red.) holt mich dann schon wieder runter.»

Ihre spanischen Kolleginnen hätten übrigens auch von der EM geschwärmt. «Sie fanden auch die Schweiz sehr schön.»

Ihre Ziele? Noch mehr in entscheidenden Spielen in der Startelf stehen – und: «Die Champions League gewinnen!»

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