Titelverteidiger YB trifft im Playoff-Final auf Cup- und Quali-Sieger Servette. Es ist das einzige Team, gegen das Meistertrainerin Imke Wübbenhorst noch nie gewinnen konnte. blue Sport will von ihr vor dem Hinspiel wissen, weshalb es dieses Mal endlich klappt.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Imke Wübbenhorst führte YB in der vergangenen Saison zum ersten Meistertitel seit 2011.
- Nun peilt Wübbenhorst mit ihrem Team die Titelverteidigung an.
- Im Playoff-Final trifft YB allerdings auf Angstgegner Servette. Es ist das einzige Team aus der Schweiz, gegen das die 37-Jährige noch nie gewinnen konnte.
- Im Gespräch mit blue Sport führt sie aus, was sie zuversichtlich stimmt, dass der Fluch bricht.
Am 28. März titelt blue Sport: «Bricht YB-Trainerin Imke Wübbenhorst im Cupfinal endlich ihren Servette-Fluch?» Die Antwort folgt tags darauf – und sie lautet: Nein, sie tut es nicht. In Winterthur unterliegt YB den Genferinnen in einem Final auf Augenhöhe 0:1. Zuvor hatte YB schon die beiden Spiele in der Meisterschaft mit 0:3 und 0:1 verloren.
Damit bleibt Servette das einzige Team in der Schweiz, gegen das die Deutsche als Trainerin noch nie gewinnen konnte. Die Bilanz: 0 Siege, 3 Remis, 9 Niederlagen. Und das bei einem Torverhältnis von 6:27.
Selbst in der letzten Saison, in der YB zum ersten Mal seit 2011 den Meister-Titel gewinnt, bleiben die Bernerinnen in den Direktduellen (0:3 und 0:4) chancenlos. In den Playoffs waren es die GC-Frauen, die Servette im Halbfinal aus dem Weg räumten.
Was also spricht YB-Trainerin Imke Wübbenhorst zuversichtlich, dass es nun endlich klappt mit einem Triumph gegen Servette?
Iman Beney wechselte im Sommer zu Manchester City, Naomi Luyet zu Hoffenheim, Kapitänin Stephanie Waeber hat fast die komplette Saison verpasst und Neuzugang Ramona Bachmann konnte verletzungsbedingt nie spielen. Bist du selbst überrascht, wie stark ihr in dieser Saison seid?
Als wir den Kader zusammengestellt haben, waren wir überzeugt, dass wir Potenzial in der Mannschaft haben. Wir wussten aber auch, dass es an den Mädels liegt, wohin die Reise geht. Nur wenn sie hart an sich arbeiten und wenn die neuen Spielerinnen hier gut aufgenommen werden und unsere Spielphilosophie verinnerlichen, würde eine erfolgreiche Saison möglich sein.
Also hattest du gewisse Zweifel, dass ihr ganz vorne mitspielen werdet?
Als die Mädels vor der Saison von der Titelverteidigung sprachen, habe ich ihnen ganz ehrlich gesagt: Ich weiss, dass Basel, GC und Servette alle viel investiert haben. Ich sehe uns Stand jetzt aktuell noch nicht dort. Aber ihr könnt mich dazu bringen, dass ich im Winter bei euren Zielen mitgehe. Wenn ihr hart arbeitet und die Entwicklung stimmt, dann gehe ich mit.
Und die Entwicklung hat ganz offensichtlich gestimmt …
Im Winter sassen wir zusammen und da habe ich gesagt, dass wir jetzt in der Lage sind, jedes Team zu schlagen. Zu Beginn der Saison haben wir in Genf noch 0:3 verloren und waren wirklich nicht konkurrenzfähig. Doch im Rückspiel im Dezember waren wir aus meiner Sicht besser oder mindestens ebenbürtig. Wir haben dann unglücklich 0:1 verloren. Auch unser erstes Spiel gegen GC hatten wir zu Recht verloren, doch dann haben wir sie später in der Saison aus dem Pokal gekegelt und auch in der Liga gegen sie gewonnen.
Wie war diese Leistungssteigerung möglich?
Da haben uns natürlich in der Hinrunde die ganzen internationalen Spiele geholfen. (YB hat zwei Spiele in der Champions-League-Qualifikation bestritten und danach vier im Women’s Europa Cup – Anm.d.Red.). Die Spielerinnen konnten also viele Spiele auf hohem Niveau bestreiten und wir konnten da ganz viel arbeiten und viele Videoanalysen machen. Für mich war es der Prozess, der stimmen musste, um dann zu sagen: ‹Wir sind jetzt da, wo wir sein können.›
Viele Spielerinnen haben gesagt, dass die europäischen Spiele das Team zusammengeschweisst haben. Man ist länger zusammen und lernt sich besser kennen. Habt ihr zusätzlich etwas Spezielles unternommen oder haben es die Spielerinnen einfach genossen, im Zimmer PlayStation zu spielen?
(Schmunzelt) Nein, nein, das machen sie halt alle nicht. Sie spielen Gesellschaftsspiele. Sie wollen immer einen Raum haben, wo sie dann ihre Zeit gemeinsam verbringen. Und das schweisst enorm zusammen. Du kannst tausendmal in den Hochseilgarten gehen und sagen, das schweisst euch jetzt zusammen. Aber wenn ihnen das quasi von oben aufgezwungen wird, dann bringt das nichts.
Du hast aber sicher auch deinen Anteil daran, dass die Stimmung so gut ist.
Aber ich kann mir nicht auf die Fahne schreiben, dass ich so ein guter Typ bin, der die Leute zusammenbringt. Das macht die Mannschaft selbst. Wenn eine Spielerin ein persönliches Problem hat, stehen zehn Türen offen und da wird gesagt: ‹Okay, dann übernachte heute bei uns, wenn da ein Problem ist, wir passen auf dich auf.› Wir sind füreinander da, auf und ausserhalb des Platzes. Es herrscht wirklich ein gutes Klima in dieser Mannschaft.
Nun zu dir. Du standest schon über 100 Mal an der Seitenlinie von YB und hast im Schnitt 1,88 Punkte pro Spiel geholt. Aber gegen Servette hast du noch nie gewonnen. Was macht es so schwierig, die Genferinnen zu knacken?
Ich glaube, Servette geht immer raus und sagt: ‹So, wir sind besser und wir gewinnen das Spiel.› Und meine Mannschaft geht manchmal raus und sagt: ‹Ja, die sind besser und die gewinnen.› Aber in den letzten beiden Spielen hatte ich das Gefühl, dass wir mit der Einstellung auf den Platz gingen: ‹Nein, jetzt gewinnen wir!› Wenn du das nicht tust, dann schenkst du ihnen immer schon diese fünf oder zehn Prozent des Selbstvertrauens, die den Unterschied ausmachen. Aber jetzt glauben wir daran, dass wir sie schlagen können. Und ich denke, genau das macht es aus, dass wir sie jetzt schlagen.
Letztes Jahr hast du YB zum ersten Titel seit 2011 geführt …
… und da konnten wir Genf aus dem Weg gehen, weil da hat GC Genf für uns aus dem Weg geräumt.
Eigentlich wollte ich wissen, ob dieser Titel für dich fast noch wertvoller wäre als der vom letzten Jahr?
Titel sind das, was zählt. Dann kannst du sagen, ich bin zweimal Schweizer Meister geworden. Ich war zwei Mal im Final, das hört sich immer nicht so schön an. Deswegen ist jeder Titel, ob als Trainerin oder Spielerin, wichtig für deine Karriere.
Aber trotz all der Abgänge den Titel zu holen, das wäre schon eine unglaubliche Leistung.
Nach dem Meistertitel war quasi Ausverkauf. Viele Spielerinnen sind gegangen, nachdem ich zuvor drei Jahre lang fast das gleiche Team hatte und so etwas aufbauen konnte. Um die Abgänge in so kurzer Zeit zu kompensieren, mussten wir auch Spielerinnen holen. Zum Beispiel Maja Jelcic. Sie ist zwar auch noch jung, hat aber schon viel Erfahrung auf hohem Niveau mitgebracht. Bei den Neuzugängen ging es vor allem darum, dass sie sich hier schnell einleben. Aber natürlich war es auch extrem wichtig, dass sich Spielerinnen im Schatten der anderen entwickelt haben.
An welche Spielerinnen denkst du da?
Zum Beispiel Giulia Schlup. Sie spielte letzte Saison nicht viel, jetzt ist sie gesetzt und macht einen super Job in der Innenverteidigung. Oder Malaurie Granges. Sie kam aus einem Kreuzbandriss und hatte letzte Saison wenig gespielt, weil sie sich oft hinter Naomi Luyet und Iman Beney anstellen musste. Aber jetzt spielt sie – und sie performt. Auch Lisa Josten musste sich hier letzte Saison erst Mal eingewöhnen. Viele Spielerinnen waren also auch schon da, die sich jetzt zu Säulen entwickelt haben.
Es wäre also schon etwas ganz Besonderes, den Titel zu verteidigen?
Ich kann aber nicht sagen, dass mir dieser Titel aufgrund der Abgänge mehr bedeuten würde. Aber: Einmal so einen Titel holen, das konnte ja auch Leverkusen. Die haben Bayern ein Jahr lang Paroli geboten und danach waren sie wieder weg. Deshalb wäre es schon richtig geil, den Titel zu verteidigen.