Kommentar Der FC Basel «entlässt» die Kleinsten – und das ist gut so

Von Patrick Lämmle

18.5.2020

Ein Bild aus dem Jahr 2013: Junioren posieren anlässlich der feierlichen Eröffnung des neuen Nachwuchs-Campus FC Basel auf dem Areal St. Jakob.
Ein Bild aus dem Jahr 2013: Junioren posieren anlässlich der feierlichen Eröffnung des neuen Nachwuchs-Campus FC Basel auf dem Areal St. Jakob.
Bild: Keystone

Negativschlagzeilen rund um den FCB gibt es in den letzten Wochen und Monaten immer wieder. Nun sorgen die Basler mit einer Umstrukturierung im Nachwuchsbereich erneut für Wirbel.

Was einige Medien bereits von den Dächern gezwitschert haben, ist nun offiziell auf der Homepage des FC Basel zu lesen: Im Nachwuchsbereich wird es per sofort keine U7-, U8- und U9-Auswahl mehr geben. «Die Konsequenz daraus ist, dass die jüngste Mannschaft des FCB neu die U10 sein wird – wie das bei vielen europäischen Top-Klubs ebenfalls die Regel ist», heisst es dort.

Die Kleinsten wegzuradieren, das mag sich im ersten Augenblick besonders herzlos anhören. Doch das Gegenteil ist der Fall, auch wenn sich das für manche Direktbetroffene nicht so anfühlen mag. Der FCB begründet den Entscheid unter anderem mit den Worten: «Der FCB hält es pädagogisch für angezeigt, sechs-, sieben- oder achtjährige Kinder nicht mehr unter dem Erwartungsdruck eines Leistungszentrums trainieren und spielen zu lassen.»

In der Tat ist es fraglich, ob es Sinn macht, wenn sich Kinder bereits in ganz frühen Jahren das Trikot eines grossen Vereins überstülpen dürfen. Schliesslich ist es bei den Kleinsten nicht einfach zu erkennen, ob sie tatsächlich besonders talentiert sind. Mit der Umstrukturierung will der FCB Enttäuschungen verhindern. Es solle vermieden werden, «dass den Kindern und ihrem Umfeld zu früh Hoffnung auf eine aussichtsreiche Karriere gemacht wird, ehe die Entwicklung dann vielleicht wenig später bereits wieder in eine andere Richtung geht», steht in der Meldung.

Der FCB handelt im Sinne des Kindeswohls

Gegen diese Begründung gibt es auch nichts einzuwenden. «Es geht in diesem Alter um Spass und Freude am Spiel und nicht um Leistung», meint etwa Thomas Steinemann, Präsident des FCB-Partnervereins FC Concordia. Dieser Aussage kann man nur beipflichten.

Auch der grosse FC Bayern München entwickelt sich in diese Richtung und zieht seine Kindermannschaften zur Saison 2021/22 zurück. Der stellvertretende Leiter des Nachwuchszentrums, Holger Seitz, begründete dies so: «Den Kindern soll es mit diesem Schritt ermöglicht werden, sich länger ohne Leistungsdruck und ohne zusätzlichen zeitlichen Aufwand in ihrem gewohnten Umfeld des Heimatvereins entwickeln zu können.»

Dass der FCB diesen Entscheid mitten in der Corona-Krise trifft, dagegen gibt es auch nichts einzuwenden. Schliesslich ruht der Kinderfussball derzeit ohnehin und so bleibt den Eltern und Kindern auch genügend Zeit, sich Gedanken über die weitere Zukunft zu machen. Der FCB sei zudem darum bemüht, «für alle Kinder gute Lösungen zu finden, damit diese bei einem regionalen Verein mit Freude weitertrainieren können».

Was sich also zunächst wie ein bösartiger Radikalschlag anhört, entpuppt sich bei genauerer Betrachtung als ein sanfter Entscheid im Sinne des Kindeswohls. Der Ernst des Lebens wird auch so noch früh genug beginnen.

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