«Valon, du bist gefeuert» – Die etwas andere Saison-Prognose

Tobias Benz

15.7.2019 - 13:00

Zwei dieser Männer haben Ende Saison keinen Job mehr.
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Vier Tage vor dem Start der Super-League-Saison 2019/20 wagt «Bluewin» den Blick in die Kristallkugel. Keine Angst liebe Fussballfans, es bleibt vieles beim Alten.


Saisonstart

Die erste Runde der neuen Saison birgt keine grossen Überraschungen. Die Young Boys setzen eine erste Duftmarke und positionieren sich nach einem klaren 7:0 gegen Aufsteiger Servette an der Tabellenspitze. Der FC Basel kann nicht mithalten. Sion-Neuzuzug Behrami läuft im Tourbillon die Abwehr des ehemaligen Serienmeisters schwindelig und erzielt beim 2:0-Heimsieg beide Treffer. Direkt im Anschluss der Partie wird Marcel Koller als Trainer des FC Basel entlassen.

«Die Leistungen der ersten Mannschaft seit dem Trainings- und Saisonbeginn entsprachen nicht den Erwartungen der sportlichen Leitung», heisst es in einer Medienmitteilung des FCB.

«Ihn bereits vor der Saisonvorbereitung gehen zu lassen, wäre ein grosser Fehler gewesen. Wer hätte dann das Training im Sommer geleitet?»
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Erstes Quartal

In Bern herrscht nach neun Runden bereits wieder Meisterstimmung. Acht Siegen steht gerade einmal ein Remis gegenüber. Dieses aber ausgerechnet gegen Basel, was FCB-Präsident Burgener dazu verleitet, grosse Ziele anzupeilen: «Wir beim FC Basel denken immer an die Schweizer Meisterschaft. Auch dieses Jahr wieder.»

Auf Platz zwei steht derzeit allerdings nicht der FCB, sondern ein gross aufspielender FC St. Gallen. Zuletzt holten die Espen sechs Siege in Serie. Allerdings müssen die Ostschweizer nun auf Cédric Itten verzichten. Nach einem Horror-Foul an Luganos Fabio Daprelà wurde der Stürmer nachträglich für sechs Partien gesperrt.

Luganos Fabio Daprelà (links) bleibt nach dem überharten Einsteigen am Boden liegen. Der St. Galler Cédric Itten bejubelt sein Tackling.
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Im Wallis ist man ebenfalls positiv in die Saison gestartet. Valon Behrami führt mit acht Treffern die Torschützenliste an. Christian Constantin ist entzückt: «Wenn ich 200 Soldaten habe und ich muss 199 opfern, dann behalte ich Valon.»

Weniger gut sieht es beim FC Zürich aus. Nach einer schlechten Phase hat der Stadtklub nur noch einen Punkt Vorsprung auf den Barrage-Platz. Derweil dominieren die Grasshoppers in der Challenge League nach Belieben und grüssen von Platz eins. Das Wort «Fusion» geistert durch die Limmatstadt.

Winterpause

Der Höhenflug des FC St. Gallen ist längst beendet. Auf sechs Siege folgen acht Niederlagen und Grün-Weiss kegelt wieder in der unteren Hälfte der Liga. Am Trainer und der Mannschaft will man aber weiterhin festhalten, denn «die Mannschaft spielt trotz der Resultate wirklich attraktiven Fussball». Und das ist ja schliesslich das Wichtigste.

Die Young Boys ziehen weiter vorne weg und steuern auf eine neue Rekordmarke zu. Die Basler spielen den ersten Verfolger, allerdings beträgt der Rückstand auf die Berner bereits wieder 16 Punkte. «Wir wollen einfach vorne mitspielen», meint Sportchef Zbinden zuletzt.

«Vielleicht mal den Stürmer ins Tor stellen. Nur zum Spass.» – YB-Trainer Gerardo Seoane und Assistenztrainer Patrick Schnarwiler versuchen die Liga spannender zu machen.
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Wie ein Jahr zuvor sieht es in Neuenburg zur Winterpause überhaupt nicht gut aus. Xamax trägt die rote Laterne und liegt weit zurück. Es wird über einen Trainerwechsel gemunkelt – Stephane Henchoz soll kommen und das Team vor dem Abstieg bewahren, danach darf er wieder gehen.

Drittes Quartal

St. Gallen hat zum Siegen zurückgefunden und liegt nur noch zwei Punkte hinter den schwächelnden Young Boys. «Wir werden bestimmt nicht ins fu***** Bundeshaus gehen», antwortet Alain Sutter auf die Frage, ob er im Falle der Meisterschaft einer Einladung Ueli Maurers folgen würde.

Der FCB dümpelt derweil auf dem vierten Platz. Vom Titel will man in Basel nichts mehr wissen. «Die Saison ist abgehakt.» Ganz anders sieht es in Thun aus, Dejan Sorgic ist neuer Leader der Torschützenliste und schiesst die Berner Oberländer im Alleingang auf Platz drei. Die Young Boys bekunden Interesse.

Valon Behrami, der im Wallis mittlerweile schon unter vier Trainern gespielt hat, wird nach einer erneuten Entlassung zum Spielertrainer erkoren. Als Assistenztrainerin wird Lara Gut-Behrami vorgestellt.

Lara Gut-Behrami fühlte sich beim Skifahren zu weit von ihrem Mann entfernt.
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Im Ligakeller atmet Xamax wieder ein wenig Luft, der Abstiegsplatz konnte an Servette Genf abgetreten werden. Zurzeit befindet man sich zudem im Gespräch mit Philippe Senderos. Der ehemalige Arsenal-Verteidiger soll die Super League aufwirbeln. Er scheint jedoch nicht besonders fit zu sein.

Saisonende

Mit einem gewaltigen Abstand werden die Berner Young Boys zum dritten Mal in Folge Schweizer Meister. Basel schliesst die Saison auf dem zweiten Rang, dahinter folgt das grosse Durcheinander. Die Liga überlegt sich für's nächste Jahr die Plätze drei bis zehn einfach auszuwürfeln, das Ergebnis wäre wohl in etwa dasselbe.

Lugano wird überraschend Dritter, wofür niemand eine genaue Erklärung hat. Zürich beendet die Saison im Hoch und landet auf dem vierten Rang. Dahinter kommt Luzern, dicht gefolgt vom FC Thun. Die Plätze drei bis sechs trennt nur das Torverhältnis.

St. Gallen steigt nach acht Niederlagen in Folge beinahe noch ab, kann sich aber dank eines 5:0-Erfolgs über YB immerhin auf Platz Sieben retten. Die Berner geben zu: «Wir waren wieder auf Ibiza.»

In die Challenge League muss letztlich Servette Genf. Neuchâtel Xamax droht der Abstieg über die Barrage. Knapp davor bewahren kann sich der FC Sion. Christian Constantin ist trotzdem ausser sich: «Es fühlt sich an wie auf der Titanic. Aber am Schluss sind alle tot. Sogar Kate Winslet.» Kurz darauf entlässt er Valon Behrami.

«Valon, du bist gefeuert!»
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