Bernhard Heusler prägte die erfolgreichste Ära des FC Basel. Im Gespräch mit Francisco Rodriguez und Sven Dalla Palma blickt er zurück – auf starke Persönlichkeiten, schwierige Entscheidungen und emotionale Anekdoten.
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- Ex-FCB-Präsident Bernhard Heusler betont im «Cic-Off Talk», dass starke Führungspersönlichkeiten wie Delgado, Samuel und Streller entscheidend für den Erfolg des Klubs waren.
- Solche Spieler müssten «vergoldet» werden, da sie Verantwortung übernehmen und das Team auch abseits des Platzes prägen.
- Schmerzhafte Entscheide wie das Trennen von verdienten Spielern seien notwendig für die Klubzukunft – trotz Fanprotesten und emotionaler Belastung.
Bernhard Heusler war bei der grossen Erfolgsära des FC Basel federführend – acht Meistertitel in Folge gewann der FCB unter dem damaligen Präsidenten. 2017 verliess er den Klub, heute ist der Rechtsanwalt in verschiedenen Bereichen tätig, unter anderem redet der 61-Jährige an Vorträgen über Führungsqualitäten und Leadership.
Im «Cic-Off Talk» mit Ex-Fussballer Francisco Rodriguez und Sven Dalla Palma verrät Heusler, wer und was ihn in seiner Amtszeit besonders beeindruckte.
Samuel und Delgado als Glücksgriff
«Wir sind über Jahre erfolgreich gewesen, weil wir das Glück – vielleicht hatten wir auch ein Händchen dafür – Führungspersönlichkeiten im Team zu haben», hält Heusler fest. Für den Erfolg brauche es nicht unbedingt den besten Präsidenten oder Sportchef, aber auf dem Platz Persönlichkeiten, ist er sich sicher.
Neben Walter Samuel – mit dem Argentinier, der als Co-Trainer 2022 Weltmeister wurde, steht Heusler noch heute in Kontakt – schwärmt Heusler besonders von Matias Delgado: «Delgado ist mit allen spanisch sprechenden Spielern durch die Stadt gegangen, hat ihnen erklärt, wo sie in Ausgang können, wo man parkieren kann, wo man Essen kriegt – er hat sich um sie gekümmert, sodass sie nicht alleine in der Wohnung hocken.»
Die ganze Betreuung habe der Argentinier, der auch auf dem Feld ein Publikumsliebling war, ohne Auftrag der Vereinsverantwortlichen gemacht. Auch die Fussballer aus der eigenen Region haben Führung übernommen. «In der Garderobe sass Marco Streller mit dem Laptop auf dem Schoss und zeigte Mohamed Salah die Aufzeichnung der letzten Meisterfeier auf dem Barfi», so Heusler. Solche Sachen sind «Gold wert», schwärmt Heusler und ergänzt: «Das hat eine ganz eine andere Wirkung, als wenn einer mit Krawatte in die Garderobe komme und sagt: ‹Du bist beim FC Basel, da ist es wichtig, Schweizer Meister zu werden.›»
«Solche Menschen zu haben – die musst die vergolden. Da darfst du nicht knausrig oder neidisch sein. Sie sind auch die ersten, die attackiert werden, wenn es nicht läuft. Sie exponieren sich in jedem Match, sie haben den Ball in Hand in der 90. Minute, wenn es Penalty gibt», erläutert Heusler.
Schmerzhafte Entscheide
«Ganz gefährlich ist es, Spieler zu haben, die diesen Anspruch in der Garderobe haben, es aber auf dem Platz nicht mehr bringen. Da ist es gefährlich als Präsident zu sagen, jetzt ist es Zeit, sich zu trennen – das macht weh», sagt Heusler. Nicht alle Spieler würden solche Entscheide gleich gut aufnehmen. Heusler weiter: «Die Klubs, die den Fans zuliebe mit solchen Spielern noch den Vertrag verlängern, bekommen zwar von überall Jubel, aber eigentlich sind mehr eine Last als Segen.»
Wie es sich als Teammitglied anfühlt, wenn eine Leaderfigur gehen muss, weiss auch Francisco Rodriguez, der das Beispiel von David da Costa erwähnt. «Er war beim FCZ eine Ikone. Von einem Tag auf der anderen ist er nicht mehr Stammgoalie und musste wechseln. Das als Junior vom FCZ und als einer wo in der Südkurve gestanden – es war unglaublich», erinnert sich der 30-Jährige.
«Jetzt kannst du dir mal vorstellen, wie schmerzhaft das als Entscheider ist», antwortet Heusler. Im Prinzip sei es ja angenehm, wenn man sich nach der Meinung im Stadion richten würde. Solche Spieler würden halt vergöttert von den Fans. Die Anhänger seien auch nicht verantwortlich für die Zukunft des Klubs. Mit solchen Entscheiden mache man sich keine neuen Freunde, führt der 61-Jährige aus. Aber solche Trennungen würde man nicht aus Boshaftigkeit machen, sondern mach intensiven Diskussionen, um auf gewissen Positionen neue Impulse zu setzen.
In solchen Konstellation gebe es im Grunde zwei Typen, meint Heusler. Spieler wie ein Walter Samuel, die sich egal in welchem Szenario im Dienst für das grosse Ganze stellen sowie Spieler – oft seien es Offensivspieler – die Mühe hätten, ins zweite Glied zu treten.
Anekdoten über Akanji, Elneny und Salah
Doch nicht nur der Umgang mit alternden Routiniers gehört zu den Aufgaben eines Klubverantwortlichen. So erzählt Heusler, wie der Transfer von Manuel Akanji 2015 zustande kam: «Unser damaliger Trainer Paulo Sousa wollte einen Innenverteidiger von Barcelonas zweiten Mannschaft, was eigentlich eine grosse Chance für uns war. Akanji hingegen spielte noch in Winterthur in der Challenge League. Ein Scout schrieb dann in einem Report: ‹Manuel Akanji ist kein Spieler für den FC Basel. Er ist ein Spieler für einen grösseren Klub.›
Als Klub haben wir uns nach diesem klaren Statement durchgesetzt und holten Manu.» Inzwischen hat Akanji 75 Länderspiele für die Schweiz und spielt bei Inter.
Ebenfalls bei den Beppi spielten Mo Salah und Mohamed Elneny. «Das sind Menschen, die mich wahnsinnig berührt haben.» Bei einem Fan-Talk habe Salah den Unterschied zwischen ihm und seinem ägyptischen Landsmann auf den Punkt gebracht: ‹Ich bin ein City-Man (Stadtjunge) und er ist ein Farmer-Man (Bauer).›»
«Salah ist der extrovertierte der beiden und Elneny ist einfach so bescheiden. Ich finde es grossartig, was sie für Karrieren gemacht haben», schwärmt Heusler.
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