«Klare Rote Karte» – «Keine Absicht»: Görtlers Spuck-Attacke sorgt für grosse Diskussionen

Jan Arnet

18.10.2020 - 19:26

Spuck-Attacke von Görtler – doch der FCSG-Profi kommt ohne Platzverweis davon

Spuck-Attacke von Görtler – doch der FCSG-Profi kommt ohne Platzverweis davon

Hässliche Szene im Spiel Luzern – St. Gallen: Gäste-Profi Lukas Görtler spuckt nach einem Zweikampf in Richtung Gegenspieler Ndenge. Schiedsrichter Fedayi San schaut sich die Szene noch einmal an – und lässt Gnade walten. Ein umstrittener Entscheid.

18.10.2020

Hässliche Szene im Spiel Luzern gegen St. Gallen (2:2): Gäste-Profi Lukas Görtler lässt sich zu einer Spuck-Attacke hinreissen. Schiedsrichter Fedayi San verzichtet aber auf eine Rote Karte. Ein umstrittener Entscheid.

Es läuft die 19. Minute, als Lukas Görtler nach einem Zweikampf mit Luzerns Tsiy Ndenge die Kontrolle verliert: Am Boden sitzend spuckt der St. Galler in die Richtung seines Gegenspielers. Die Luzern-Fans sind völlig aus dem Häuschen, fordern mit einem Pfeifkonzert und «Use, Use»-Rufen den Platzverweis für den deutschen Mittelfeldspieler. 

Schiedsrichter Fedayi San scheint aber nichts gesehen zu haben. Görtlers Reaktion lässt aber vermuten, dass da etwas nicht astrein war: Der FCSG-Profi rennt sofort zu Ndenge, entschuldigt sich. Nun schaltet sich der VAR ein und gibt San das Zeichen, er solle sich die Szene noch einmal anschauen. Das macht der Unparteiische dann auch – und lässt Gnade walten. Görtler darf weiterspielen, sieht nicht einmal Gelb.

Meinungen gehen auseinander

Für viele Fussball-Fans ist das völlig unverständlich. «Eine Rote Karte, ohne Wenn und Aber», meint ein «blue Sport»-Leser auf Facebook. Ein anderer schreibt: «Sehr zu hoffen ist, dass Gortler nachträglich von der Liga für ein paar Spiele gesperrt wird. Das geht nun wirklich gar nicht.» Und ein dritter User meint: «Wie soll ich als Juniorentrainer in Zukunft einem Junior erklären, dass er seinen Gegenspieler nicht anspucken darf?»

Auch für «blue Sport»-Moderator Gianni Wyler ist während der Livesendung der Fall klar: «Er hätte vom Platz fliegen müssen.» Die TV-Experten Rolf Fringer und Philippe Montandon sind aber anderer Meinung. «Das hätte ich zu hart gefunden. Er hätte Gelb sehen müssen. Er hat zwar in Ndenges Richtung gespuckt, ihn aber nicht angespuckt.» Die Aktion sei unsportlich gewesen und hätte eine Verwarnung verdient, meint Fringer.

Montandon will auch die Reaktion von Ndenge hervorheben: «Er hat keine Polemik daraus gemacht. Chapeau! Absolutes Fairplay. Trotzdem war das sehr glücklich für den FC St. Gallen. Görtler hat sofort gemerkt, dass er einen Seich gemacht hat.»

«Ich hätte Rot gegeben» – Görtlers Spuck-Attacke sorgt für Diskussionen

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Görtler: «Das war keine Absicht»

Und was meint der Übeltäter selbst? «Das sind absolut nicht die Werte, die ich vertrete», so Görtler nach dem Spiel im Interview mit «blue Sport». «Das war überhaupt nicht absichtlich.» Er habe sich auch sofort bei Ndenge und San entschuldigt, als er merkte, dass er in die Richtung des Gegners gespuckt hatte. «Ich wollte das schnell aus der Welt schaffen, weil es auf dem Fussballplatz nichts zu suchen hat.»

Es sei ein «normales» Spucken gewesen, «wie ich es im Spiel 25 bis 30 Mal mache», sagt Görtler. «Ich geb's zu: Das war unglücklich. Aber es war absolut nicht die Intention, die von manchen empfunden wurde.»

Görtler: «Es war unglücklich, aber keine Absicht»

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Auf Instagram meldet sich Görtler dann noch einmal zu Wort: «Spucken auf Gegenspieler hat im Fussball nichts verloren. Wer mich kennt weiss, dass ich auf dem Platz zwar aggressiv sein kann, aber Respekt und Fairness für mich ganz wichtig sind. (...) Nachdem ich gerade die TV-Bilder gesehen habe, war ich selbst erschrocken, dass man die Aktion so interpretieren kann.»

Übrigens: Schalke-Spieler Ozan Kabak wurde vor drei Wochen nach seiner Spuck-Attacke im Spiel gegen Bremen nachträglich für fünf Spiele gesperrt. Eine solche Strafe droht Görtler aber wohl nicht, da die Szene in der Bundesliga im Gegensatz zu jener in Luzern von den Unparteiischen übersehen wurde. 

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