Wann kann im Amateurfussball wieder gekickt werden?

Jan Arnet

26.3.2020 - 14:44

Viele passionierte Fussballer vermissen das Spiel mit dem runden Leder.
Bild: Keystone

Am letzten Wochenende wären vielerorts in der Schweiz die Amateur- und Hobbyfussballer in die Rückrunde gestartet. Aufgrund der Corona-Krise ist aber natürlich auch dieser Spielbetrieb zurzeit auf Eis gelegt. «Bluewin» versucht, herauszufinden, wann wieder gekickt werden kann.

Am vergangenen Samstag hätte das lange Warten in der Winterpause für viele Hobbyfussballer endlich sein Ende gefunden. Die 2. Liga interregional wäre in die Rückrunde gestartet. Genauso wie viele untere Ligen. Doch die leidenschaftlichen Kicker müssen sich noch länger gedulden. Noch viel länger. Mindestens bis zum 30. April.

Bis dann gilt in der Schweiz das Veranstaltungsverbot. Die Fussballverbände haben gemeinsam entschieden, dass bis dann auch sämtliche Spielbetriebe ausgesetzt werden. Der SFV rät den Vereinen auch dringend davon ab, Trainings durchzuführen. Dafür gibt es offiziell zwar kein Verbot. Weil der Bundesrat seit letztem Freitag aber Ansammlungen von mehr als fünf Personen verbietet, werden auch die Teamsportler sozusagen zu Einzeltrainings gezwungen.

Wie lange dieser Ausnahmezustand anhält, ist aktuell natürlich noch überhaupt nicht abzusehen. Und doch stellt sich wohl jeder begeisterte Fussballer die Frage, wann er denn endlich wieder kicken kann.

Wäre sinnlos, wenn untere Ligen den Spielbetrieb früher wieder aufnehmen 

Je tiefer die Liga, desto weniger Zuschauer stehen an der Seitenlinie. Bedeutet das, dass 5.-Liga-Fussballer schneller auf den Rasen zurückkehren können als etwa Amateure der 2. Liga interregional, da sich bei den 5.-Liga-Spielen deutlich weniger Leute versammeln?

Nicht wirklich. Zwar ist der regionale Verband für alle Ligen ab 2. Liga regional und tiefer zuständig und kann dementsprechend – sobald der Bund grünes Licht gibt – entscheiden, wann wieder gespielt werden kann. Dass die Regionalligen früher ihren Spielbetrieb wieder aufnehmen als die Amateur Liga, würde aber keinen Sinn machen, meint Hannes Hurter, der Geschäftsführer des Aargauerischen Fussballverbands, auf «Bluewin»-Anfrage.

«Würden die unteren Ligen früher wieder spielen, würde die 2. Liga interregional unter Zugzwang kommen, weil es ja Auf- und Absteiger geben muss. Das wollen wir nicht. Deshalb braucht es ein gutes Zusammenspiel aller Ligen und eine nationale Lösung», sagt Hurter. Die Regionalverbände müssten mit dem SFV und der Amateur Liga eine Lösung finden. Eine Spezialstellung hat innerhalb des SFV einzig die Swiss Football League, da es sich bei der Super und Challenge League um Profiligen handelt.

Trainings sind zwar offiziell nicht verboten, jedoch sind Ansammlungen von mehr als fünf Personen zurzeit nicht erlaubt.
Bild: Keystone

In den interregionalen Ligen liegen die Besucherzahlen bei vielen Vereinen im Schnitt pro Spiel bei über 200. Bedeutet, dass der Bundesrat zuerst Veranstaltungen mit mehreren hundert Personen wieder erlauben muss, bevor selbst in der 5. Liga wieder gespielt werden kann. Es sei denn, man führt sogar bei den Amateurligen Geisterspiele ein.

«Wir wollen nichts durchboxen»
Hannes Hurter, AFV-Geschäftsführer

Dass das Veranstaltungsverbot am 30. April aufgehoben wird, ist aktuell wohl mehr Hoffnung als Realität. So ist auch schwer vorstellbar, dass die Fussball-Saison der Hobby- und Amateurfussballer wie geplant Mitte Juni zu Ende geht. AFV-Geschäftsführer Hurter sagt, dass es durchaus möglich ist, dass die Rückrunde auch im August noch nicht beendet ist. «In dieser aussergewöhnlichen Situation ist es möglich, dass auch mal die Saison verlängert wird», sagt er.

Der FVRZ setzt sich eine Deadline bis zum 1. Mai

Auch ein Abbruch der Saison ist denkbar. Auf dieses Worst-Case-Szenario hat sich aber offenbar beim Aargauischen Fussballverband noch niemand vorbereitet. «Da kann man zum jetzigen Zeitpunkt noch nichts betreffend Spielwertungen sagen», meint Hurter. Das müsste dann wiederum vom SFV, der Amateur Liga und den regionalen Verbänden diskutiert werden. 

Anders sieht die Lage beim Fussballverband Region Zürich (FVRZ) aus. Der Verband teilte den Vereinsverantwortlichen am Donnerstagmorgen mit, dass der Spiel- und Trainingsbetrieb für die aktuelle Saison nur gewährleistet werden könne, wenn der Ball ab dem 1. Mai wieder rollt. Ist dies nicht mehr der Fall, muss die Meisterschaft abgebrochen werden. Auf- und Absteiger würde es keine geben. Die nächste Saison würde also so starten, wie die aktuelle begonnen hatte.

Im Aargau ist die Hoffnung noch grösser. AFV-Geschäftsführer Hurter beteuert, dass man natürlich wolle, dass in dieser Saison noch sehr viel Fussball gespielt wird. Voraussetzung sei aber immer, dass dies auch Sinn macht. «Wenn es nicht sinnvoll ist, Fussball zu spielen, wollen wir nichts durchboxen», sagt er. So müssen sich die Fussballer in diesem Land wahrscheinlich noch wochenlang, vielleicht sogar monatelang, wohl oder übel die Zeit mit Joggen, Liegestützen oder der Playstation vertreiben.

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