Murat Yakin war auf dem Weg zur WM 1994, verpasste dann aber das Turnier. Der Grund: ein zu später Abstecher an die Bar. Im Fussball-Talk Heimspiel erzählt der heutige Nati-Trainer von diesem Kapitel und wirft einen Blick auf die Disziplin im Fussball.
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- Murat Yakin war von Nati-Trainer Roy Hodgson für die WM 1994 eingeplant, verpasste jedoch das Turnier, nachdem er mit Teamkollegen zu spät an der Bar erwischt worden war.
- Der aktuelle Nati-Coach betont im Fussball-Talk «Heimspiel», dass es wichtig ist, Disziplin zu wahren, aber auch Freiräume zu lassen.
Erstmals seit 28 Jahren, nach 13 erfolglosen WM- und EM-Qualifikationen erreichte die Schweiz 1994 wieder eine Fussball-WM-Endrunde. Zehn Nationaltrainer wurden in dieser Zeitspanne verschlissen, ehe Roy Hodgson das Portal zu einer Endrunde wieder öffnete.
Der Engländer wollte ursprünglich auch Murat Yakin für das langersehnte USA-Abenteuer mitnehmen. Hodgson machte sogar Druck, dass Murat – gemeinsam mit seinem jüngeren Bruder Hakan – einige Monate vor dem Turnier eingebürgert wurde.
Der erste Zusammenzug in der Nationalmannschaft verläuft für den Neo-Schweizer aber nicht nach Plan. Assistenztrainer Hans-Peter «Bidu» Zaugg erwischt ihn dabei, wie er mit Teamkollegen zu lange an der Bar sitzt. «Ich war nicht der Einzige. Der Ciri (Ciriaco Sforza) war dabei und andere GC-Kollegen auch. Offenbar kam das bei einem jungen Spieler nicht gut rüber. So verpasste ich leider die WM», erzählt Murat Yakin im Fussball-Talk Heimspiel bei blue Sport. «Ich kann mir damit zwar nichts kaufen, aber 20 Jahre später hat sich Roy Hodgson öffentlich dafür entschuldigt. Das fand ich eine grosse Geste», hält er fest.
Wie spät es denn war, will Andy Böni wissen. «Um 23 Uhr wäre Bettruhe gewesen. Um halb zwölf waren wir mit den Jungs noch an der Bar, haben noch etwas getrunken und miteinander geredet. Wir haben also nichts verbrochen», erzählt Yakin.
Yakin: «Es ist unprofessionell, wenn andere Leute dich sehen»
Böni erinnert daran, dass man solche Fälle auch anders angehen kann. «Mario Basler hat vor dem Champions-League-Finale 1999 Bier getrunken, aber nachher immer die Leistung gebracht. Ottmar Hitzfeld hat bei ihm beide Augen zugedrückt.» Dabei sei der frühere Bayern-Trainer «eher als harter Trainer» bekannt gewesen, so der Chefredaktor von blue Sport.
Heutzutage sei man so unter Kontrolle, man könne sich nichts mehr leisten, meint Yakin und führt aus: «Es gibt Regeln, die wir einhalten müssen. Wenn du am Matchtag minus 1 noch eine halbe Stunde, eine Stunde in der Bar bist, ist es unprofessionell, wenn andere Leute dich sehen», findet er. Da habe er auch als Nati-Trainer einmal konsequent sein müssen.
«Man darf nicht gleich öffentlich in der Bar Poker spielen. Aber vielleicht noch etwas trinken, ist doch kein Problem», sagt der 51-Jährige.
Frei: «Muri würde ein Auge zudrücken»
Fabian Frei, der unter Yakin 101 Spiele (91 für den FCB, 10 für die Nati) absolvierte, ergänzt: «Wenn du es machst, lass dich nicht verwischen. Vielleicht nicht gleich an der Hotelbar, wo alle sind.» Dazu komme es «extrem auf den Zeitpunkt an», betont der 37-Jährige. «Matchtag minus eins ist vielleicht nicht so gescheit. Matchtag plus eins nach dem Spiel oder unter der Woche bin ich mir sicher, würde Muri ein Auge zudrücken, wenn es bei einer halben Stunde bleibt. Es ist ja am Morgen um 2 Uhr schon etwas anderes als um halb zwölf am Abend», findet Frei.
Ob es sich beim Thema Alkohol etwas geändert hat, so Böni in Richtung Yakin und meint: «Zu deiner Zeit wurde sicher mehr getrunken als heute, oder?» «Nein, es geht nicht um Alkohol», meint Yakin und führt aus: «Es geht darum, ständig alleine im Zimmer zu sein. Da wird's schon ein wenig eng. Du willst mit den Kollegen draussen sein oder in der Bar, damit habe ich absolut kein Problem. Jeder muss einfach wissen, wann er es macht.»
Yakins Fazit: «Erwischen lassen ist für mich kein Problem. Wir sind ja alle diszipliniert, aber man muss auch gewisse Freiräume lassen.»