Die WM 1994 hat viele Geschichten geschrieben. Die damaligen Spieler Adrian Knup und Dominique Herr erzählen zusammen mit Kult-Kommentator Beni Thurnheer die besten Anekdoten von dazumal.
Keine Zeit? blue News fasst für dich zusammen
- Die WM 1994 war für die Schweiz besonders, weil sich die Nati erstmals seit 28 Jahren wieder für eine Endrunde qualifizierte und bis in den Achtelfinal vorrückte.
- Dominique Herr erinnert sich an eine Zeit ohne Handys: Die Spieler kommunizierten per Fax und erhielten die Presseschau täglich als kopierte Zeitungsseiten.
- Adrian Knup kritisiert die strenge Abschottung im Teamhotel, während Beni Thurnheer von bewaffneten Bodyguards erzählt.
Die WM 1994 war für die Schweiz eine ganz spezielle. Zum ersten Mal nach 28 Jahren war die Nati wieder an einer Endrunde dabei. Doch nicht nur auf dem Feld sorgte die Schweiz mit der Achtelfinal-Qualifikation für Furore, auch daneben gab es einige interessante Anekdoten. Im Fussball-Talk Heimspiel erzählen die damaligen WM-Helden Dominique Herr und Adrian Knup sowie Kult-Kommentator Beni Thurnheer, wie sie den Grossanlass von 1994 erlebt haben.
Kein Handy? Kein Problem!
Vor 32 Jahren war selbstverständlich auch die Technik noch nicht so weit wie heute. Und weil damals noch niemand ein Handy in der Hosentasche hatte, mussten die Spieler improvisieren: «Zu dieser Zeit haben wir per Fax kommuniziert», erklärt Herr. Weil das Hotel-Telefon so teuer gewesen sei, habe man jeweils ein Fax nach Hause geschickt, dass alles gut sei.
Der Verteidiger erinnert sich zudem an die damaligen Möglichkeiten, die einheimische Presse zu verfolgen: «Ich weiss noch, wir hatten einen Pressechef, der hat jeden Morgen per Fax die Zeitungen gekriegt. Dann hat er Fotokopien gemacht und dann hat jeder Spieler gebostitchte A4-Seiten erhalten mit allem, was in den Zeitungen stand.»
Im Hotel kaserniert
Adrian Knup zieht eine positive sportliche Bilanz vom Grossanlass: «Das Tolle an der WM waren die einzelnen Spiele in den Stadien, speziell mit der grossen Schweizer Unterstützung.» Gerade das Rumänien-Spiel werde immer in Erinnerung bleiben.
Doch neben dem Platz waren die Umstände nicht so optimal, erklärt Knup: «Alles andere rundherum war für mich persönlich eher nervig. Diese Kasernierung habe ich extrem mühsam gefunden. Wenn man im Hotel bleiben muss und nicht selbst raus darf.» Man sei nur im Hotel, auf dem Trainingsplatz und an den Spielen gewesen: «Du hast dich natürlich immer auf die Spiele gefreut, aber dazwischen hattest du eigentlich sehr wenig.»
Nach den Spielen konnte man zwar die Frauen und Familien sehen, aber jeweils auch nicht sehr lange: «Die Frauen mussten ab einer gewissen Zeit aus dem Hotel, die durften nicht bei uns übernachten», erinnert sich Knup. Dass man so sehr kaserniert gewesen sei, habe er nicht vergessen.
Thurnheers Erlebnisse mit bewaffneten Bodyguards
Eine unvergessliche Anekdote von der WM 94 hat auch Beni Thurnheer auf Lager. Er erinnert sich an das Gruppenspiel gegen die schon ausgeschiedenen Kolumbianer. Das Schweizer Fernsehen sei damals im gleichen Motel wie die kolumbianische Nationalmannschaft beherbergt gewesen: «Ich hatte wirklich ein Saupech, die Kolumbianer hatten den ersten Stock abgetrennt für sich. Die hatten Bodyguards mit scharf geladenen Waffen. Und ich armer Cheib, war ebenfalls in diesem ersten Stock.»
Direkt vor dem kolumbianischen Bereich habe es noch ein Zimmer gegeben: «Das war meines», sagt Thurnheer lachend. Als er aus dem Lift gekommen sei, habe er also immer in Richtung kolumbianischen Bereich laufen müssen: «Der Bodyguard ist dann immer erwacht und ich dachte nur: Hoffentlich geht dem kein Schuss ab.»
Die Bodyguards hätten zudem nicht wie Profis ausgesehen, sondern eher wie Bauern, die noch eine Waffe in den Handänden hatten. Thurnheer habe ihnen jeweils schon von weitem seinen Zimmerschlüssel gezeigt, um zu beweisen, dass er hier wohne.
Später, als der kolumbianische Verteidiger Andrés Escobar nach einem Eigentor in seiner Heimat erschossen wurde, sei Thurnheer dann in den Sinn gekommen, dass in Kolumbien die Handhabung von Waffen schon etwas freier, ungezwungener oder gar unkontrollierter sei.