Alain Sutter war ein herausragender Fussballer, eckte aber auch immer wieder an und strahlte bisweilen eine gewisse Arroganz aus. Im WM-Legenden-Talk schildert der 58-Jährige, dass dies aus Selbstschutz geschah.
Ein Jahr vor der WM 1994 wechselt Alain Sutter leihweise von GC zu Nürnberg in die Bundesliga. Dort zeigt er starke Leistungen und auch an der Endrunde in den USA macht der Mann mit der blonden Mähne auf sich aufmerksam. Die Bayern schlagen zu und verpflichten Sutter.
Für den Rekordmeister aus München bestreitet Sutter zwar 30 Spiele, doch man hat sich mehr erhofft als ein Tor und sieben Assists – und es gibt immer wieder Nebengeräusche. So zofft er sich etwa öffentlich mit Uli Hoeness. Einen Kampf, den man nicht gewinnen kann, und so zieht Sutter nach nur einer Saison weiter.
Doch auch nach dem Wechsel zu Freiburg konnte Sutter nicht mehr an seine besten Zeiten anknüpfen. Das lag auch am ständigen Medienrummel in der Fussballwelt, was letztendlich dazu führte, dass der Schweizer mit 28 Jahren in die MLS wechselte, wo er seine Karriere kurze Zeit später wegen einer schweren Verletzung beenden musste.
Arroganz und Distanz als Selbstschutz
Er sei in eine Schublade gesteckt worden, als Weichei abgestempelt worden. «Das hat schon in der Schweiz angefangen. Ich war dafür prädestiniert. In der Art und Weise, wie ich die Dinge gemacht habe, auch was ich gesagt habe und wie ich dachte», erinnert sich Sutter im WM-Legenden-Talk.
Daraus entstand über die Zeit eine Art Maske. «Für mich war es ein Selbstschutz, eine gewisse Arroganz und Distanz an den Tag zu legen und manchmal ein bisschen überheblich zu sein.» Es ist der Versuch, die Leute nicht zu nahe an sich heranzulassen. «Ich musste so tun, als ob es mir egal wäre. Aber das war nicht der Fall. Immer wenn du kritisiert wirst oder etwas Negatives über dich geschrieben wird, dann trifft dich das.»
«Für mich war es zu viel. Es prasselten in dieser Phase zu viele negative Dinge auf mich ein und ich habe die Freude am Fussball verloren», erinnert sich Sutter, der nicht nur aufgrund seiner langen Haare auffiel. Auch seine Interessen an Homöopathie und vegetarischer Ernährung polarisierten.
«Das ganze Drumherum, in diesen Schubladen zu sein, und immer wieder mit denselben Sachen konfrontiert zu werden – damit bin ich nicht mehr zurechtgekommen», so Sutter. Es sei ein ganz bewusster Entscheid gewesen, in die USA zu wechseln. «In eine Liga, in der das Medieninteresse sehr überschaubar war. Ich wollte am Ende meiner Karriere einfach noch einmal die Freude am Fussball zurückgewinnen.»
Mit Dallas Burn schafft er es bis in den Playoff-Halbfinal und gewinnt den US Open Cup. 1998 bestreitet der heutige GC-Sportchef dann nur noch vier Spiele, ehe er sich auf dem Trainingsplatz eine üble Verletzung zuzieht und die Schuhe an den Nagel hängt.