Alain Sutter war ein Jahrhunderttalent, polarisierte aber auch wie kaum ein anderer Schweizer Fussballer. Im WM-Legenden-Talk erklärt er die Hintergründe seines unvergessenen Disputs mit Bayern-Boss Uli Hoeness.
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- Alain Sutter sorgt an der WM 1994 für Aufsehen und wechselt danach zum FC Bayern München.
- In München kann der Schweizer die hohen Erwartungen allerdings nicht erfüllen, was zu Spannungen mit Bayern-Manager Uli Hoeness führt.
- Besonders Sutters ungewöhnliche Ernährungs- und Heilmethoden sorgen damals für Kritik und Spott. Hoeness lästert öffentlich über Sutters Müsli-Ernährung, worauf der Schweizer mit einem bissigen Spruch kontert.
- Im Legenden-Talk bei blue Sport sagt Sutter heute, er habe damals «zu schnell geredet». Gleichzeitig betont er aber, dass ihn diese Erfahrungen geprägt und stärker gemacht hätten.
Sommer 1994: Alain Sutter begeistert an der Weltmeisterschaft in den USA – und weckt damit in München grosse Erwartungen. Sein Transfer zum FC Bayern steht zu diesem Zeitpunkt bereits fest. Dementsprechend hoch sind die Erwartungen für die Saison 94/95.
Doch Sutter schlägt nicht ein. Lediglich ein Treffer soll dem Schweizer in 22 Einsätzen für die Bayern gelingen. Zu wenig nach Uli Hoeness' Geschmack. Und spätestens im Februar 95 reisst dem Bayern-Boss der Geduldsfaden: «Ich bin langsam sauer auf ihn, weil ich der Meinung bin, dass wir viel zu lange zugeschaut haben und diesen Marotten nachgegeben haben.»
Mit Marotten spricht Hoeness wohl in erster Linie Sutters Ernährungspraktiken an. Denn der Schweizer ist seiner Zeit weit voraus und informiert sich bereits in den 90ern intensiv, was den eigenen Körper und insbesondere die Ernährung angeht.
Doch was heutzutage nahezu alle Profis tun, ist damals genauso ungern gesehen wie Sutters Hang zu homöopathischen Heilmethoden. Der Schweizer wird rasch als Körnli-Picker abgestempelt, bekommt den Übernamen «Susi» und gilt als eigensinnig. Bayern-Boss und Wurstwaren-Produzent Hoeness kann sich eine Spitze nicht verkneifen: «Sutter muss nur mal ab und zu auf sein Müsli verzichten und sich ordentlich Schweinshaxen einverleiben.»
Die Antwort des Berners lässt nicht lange auf sich warten. Von Journalisten auf den Affront angesprochen, konterte Sutter lässig: «Was passiert, wenn man zu viele Schweinshaxen isst, das sieht man, wenn man den Uli Hoeness anschaut.»
Sutter entschuldigt sich bei Hoeness
Im Legenden-Talk bei blue Sport erklärt Sutter die giftige Retourkutsche: «Ich habe eine gewisse Schlagfertigkeit, mir kommt dann relativ schnell irgendein Seich in den Sinn. Und in diesem Moment habe ich zu schnell geredet, anstatt gedacht.»
Der heute 58-Jährige blickt gelassen auf den jahrzehntealten Disput zurück und relativiert, es habe kein böses Blut zwischen ihm und Hoeness gegeben: «Die Medienlandschaft macht aus solchen Sachen Geschichten. Ich habe mich dann auch bei ihm entschuldigt.»
Er habe in seiner Karriere nicht alles richtig gemacht, sagt Sutter. Schämen müsse er sich dafür aber nicht: «Das war ein Teil meines Weges. Es hat mir das Leben nicht immer einfacher gemacht – aber stärker.»