Frankreich-Legende Sagnol: «Ich will die Schweizer nicht beleidigen, aber ...»

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24.6.2021

Willy Sagnol traut der Schweiz gegen Frankreich offensichtlich nicht sehr viel zu.
Bild: Getty

Die Schweiz ist im EM-Achtelfinal gegen Frankreich natürlich der grosse Underdog, dennoch lebt der Traum vom Viertelfinal. Für den früheren französischen Nationalspieler Willy Sagnol ist aber jetzt schon klar: Die Schweizer haben keine Chance.

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24.6.2021

Mit einem Sieg und zwei Remis hat sich Weltmeister Frankreich mehr oder weniger souverän als Gruppensieger in der Hammer-Gruppe F durchgesetzt – ohne dabei allerdings zu glänzen. Nun werden die Franzosen, die nicht wenige vor dem Turnier als Top-Favorit nannten, am Montag im Achtelfinal von der Schweiz gefordert. Hat die Nati gegen dieses Starensemble überhaupt eine Chance?



Willy Sagnol, der zwischen 2000 und 2008 59 Spiele für Frankreichs Nationalmannschaft absolvierte, scheint das nicht wirklich zu glauben. «Ich will die Schweizer nicht beleidigen, aber sie gehören nicht zu den fünf besten Mannschaften in Europa. Auch wenn sie bei den Endrunden immer dabei sind und viel Erfahrung haben – sie sind kein England, Holland oder Belgien», so der frühere Bayern-Profi bei «L'Équipe».

Und weiter: «Gegen die grossen Teams fühlen wir uns immer wohler. Die Schweiz ist auf dem Papier nicht so stark, deshalb hoffe ich, dass wir die schlechten Gewohnheiten ändern können und nicht in einen falschen Rhythmus gegen eine unterklassige Mannschaft geraten. Ich habe aber keine Zweifel am Engagement und der Motivation der Franzosen.»

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Gelingt der Schweizer Nati der Coup über Frankreich?

Dass Sagnol den Schweizern gegen Frankreich nicht allzu viel zutraut, kommt nicht von ungefähr. Schliesslich wartet die Nati schon seit fast 30 Jahren auf einen Sieg gegen die «Équipe Tricolore». Am 27. Mai 1992 konnte die Nati zum bislang letzten Mal gegen Frankreich gewinnen. In einem Testspiel in Lausanne.

Einer, der damals dabei war, ist Didier Deschamps, der heutige Trainer der Franzosen. Ob Deschamps die Pleite von damals noch im Kopf hat, ist nicht überliefert. Sicher wird er aber noch das letzte Duell gegen die Schweiz vor Augen haben. In der Gruppenphase der EM 2016 mühten sich seine Franzosen gegen die Nati zu einem torlosen Remis.



Turniermodus als kleiner Vorteil für die Nati

Auf die leichte Schulter nehmen wird Deschamps die Nati mit Sicherheit nicht. «Wir müssen aufpassen, die Schweizer haben sich auch für die K.-o.-Phase qualifiziert», mahnt der Coach nach dem 2:2 im letzten Gruppenspiel gegen Portugal. «Jetzt beginnt ein neuer Wettbewerb.»

Auch Jules Koundé, der gegen Portugal 90 Minuten lang auf der ungewohnten Rechtsverteidiger-Position spielte, glaubt an ein «weiteres schwieriges Spiel gegen die Schweiz». Es gelte nun, sich gut zu erholen und die Konzentration hochzuhalten. «Wir müssen unseren Gegner genau beobachten.»

Koundé sieht es als kleinen Nachteil, dass die Franzosen drei Tage weniger Regeneration hatten als die Schweizer, deren letzter Auftritt am Montag schon acht Tage zurückliegen wird. «Aber auch mit drei Tagen weniger als die Schweizer müssen wir präsent sein», sagt der Abwehrspieler.

Auch Sagnol, der seit Februar als Nationaltrainer von Georgien amtet, glaubt, dass die Franzosen nun Kraft tanken müssen: «Wir haben jetzt fünf Tage Ruhe. Ich hoffe, die Spieler können sich gut erholen, denn es wird viel Kraft brauchen, um den Schweizern wehzutun.»