Deutschland zittert sich gegen Ungarn ins Achtelfinale

sda/dpa/red

23.6.2021

Leon Goretzka schenkt Jogi Löw mindestens ein weiteres Spiel als Bundestrainer.
Bild: Getty

Was für ein Zittern! Was für eine Erlösung! Leon Goretzka hat die Fussball-Nationalmannschaft im Gewitterregen von München vor dem nächsten grossen Turnier-Schock bewahrt und Joachim Löw zumindest ein weiteres K.o.-Spiel vor der Bundestrainer-Rente gesichert.

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23.6.2021

Bis zur 84. Minute drohte den Deutschen trotz drei Heimspielen in München der K.o. Die Ungarn wären für die DFB-Auswahl zum neuen Südkorea geworden. Wegen eines 0:2 gegen Südkorea in Kasan schied Deutschland vor drei Jahren an der Weltmeisterschaft in Russland schon nach der Vorrunde aus.

84 Minuten lang drohte das neuerliche Scheitern und nach 15 Jahren das unrühmliche Ende der Ära Joachim Löw. Denn hätte Deutschland gegen Ungarn verloren, wären sie als Gruppenletzter ausgeschieden. Der 26-jährige Leon Goretzka legte sein Veto ein. Mit einem wuchtigen Abschluss, der noch leicht abgefälscht wurde, gelang dem Bayern-München-Akteur der späte 2:2-Ausgleich. Deutschland rückte auf Platz 2 vor. Ungarn scheidet aus.

Deutschland prägte die Partie gegen die Ungarn über weite Strecken. 70 Prozent Ballbesitz. Aber ein Sturmlauf? Den sahen die 14'500 Zuschauer in München nicht. Es war eher ein Anrennen ohne Drang.

Und Ungarn spielte wie schon gegen Frankreich clever. Wie gegen die Franzosen am Samstag gingen die Ungarn mit dem ersten Konterangriff in Führung. Adam Szalai köpfte unbedrängt ein. Kai Havertz glich für Deutschland nach 66 Minuten zum 1:1 aus. Havertz profitierte vom einzigen Fehler des ungarischen Keepers Peter Gulacsi, der einen Flankenball unterlief.

Löw wechselt den Sieg ein

Aber wer dachte, dass dieser Treffer Deutschland beruhigen würde, der sah sich umgehend getäuscht. 14 Sekunden nach dem Wiederanpfiff brachte Andras Schäfer die Ungarn bereits wieder in Führung. Deutschland blieben bloss noch 22 Minuten. Joachim Löw wechselte Thomas Müller ein, den er drei Jahre lang verschmäht hatte, und der ihm jetzt handicapiert (Schulterblessur) in der Not helfen musste.

Löws Rechnung ging auf: Jene Leute, die er einwechselte, halfen beim 2:2-Ausgleich mit, vor allem Jamal Musiala und Kevin Volland als Vorbereiter.

«Natürlich hatten wir Angst, dass das aus dem Ruder läuft», meinte hinterher Joshua Kimmich. «Wenn man so spät noch hinten liegt, da weiss man, dass einem nicht mehr viele Möglichkeiten bleiben.»

Aber die Deutschen wollen das abschütteln. Im Londoner Wembley-Stadion, wo sie den Achtelfinal gegen England spielen werden, gelang den Deutschen schon oft Grosses. Aber primär müssen sich die Deutschen gross steigern, wenn sie die Viertelfinals erreichen wollen.

Deutschland – Ungarn 2:2 (0:1)

München. – 14'500 Zuschauer. – SR Karassew (RUS). – Tore: 11. Adam Szalai 0:1. 66. Havertz 1:1. 68. Schäfer 1:2. 84. Goretzka 2:2.

Deutschland: Neuer; Ginter (82. Volland), Hummels, Rüdiger; Kimmich, Gündogan (58. Goretzka), Kroos, Gosens (82. Musiala); Havertz (67. Werner), Sané; Gnabry (68. Müller).

Ungarn: Gulacsi; Nego, Botka, Orban, Attila Szalai, Fiola (88. Nikolics); Kleinheisler (88. Lovrencsics), Nagy, Schäfer; Adam Szalai (82. Varga), Sallai (75. Schön).

Bemerkungen: Deutschland ohne Müller (rekonvaleszent), Hofmann und Klostermann (alle verletzt). – Verwarnungen: 28. Botka (Foul), 29. Gündogan (taktisches Foul), 51. Sané (Handspiel). 64. Attila Szalai (Foul). 66. Fiola (Foul).

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